Appelle zum Welttag der Menschen mit Behinderung

2. Dezember 2015, 12:26
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Diakonie pocht auf Recht auf Kommunikation – Grüne drängen auf Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit

Wien – Zum Welttag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember haben sich am Mittwoch Politiker und Organisationen zu Wort gemeldet. Die Diakonie etwa pochte auf das Recht auf Kommunikation für Behinderte, SPÖ- und ÖVP-Vertreter machten darauf aufmerksam, dass 80 Prozent der Betroffenen in Entwicklungsländern leben.

"Menschen mit Sprach-Behinderungen sind nicht sprachlos, sie werden vielmehr von den Behörden sprachlos gemacht", kritisierte Diakonie-Direktor Michael Chalupka den bürokratischen Aufwand für die Organisation von Kommunikationsgeräten. Ein selbstbestimmtes Leben sei aber nur möglich, wenn man sich selbst ausdrücken kann, betonte er in einer Aussendung.

Die SPÖ-Abgeordnete Ulrike Königsberger-Ludwig mahnte die konsequente Umsetzung des Nationalen Aktionsplans ein, denn dieser sei der Leitfaden für die Inklusion. Vorantreiben müsse man den bundeseinheitlichen Ausbau der persönlichen Assistenz, so Königsberger-Ludwig: "Inklusion darf nicht vom Wohnort abhängig sein."

Auftrag auch an Entwicklungspolitik

"Weltweit leben 80 Prozent der Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern. Diese Tatsache ist ein Auftrag an die Entwicklungspolitik", erklärte die SPÖ-Sprecherin für globale Entwicklung, Petra Bayr. Fehlende medizinische Versorgung oder Mangelernährung können zu lebenslänglichen Beeinträchtigungen führen, gab sie zu bedenken. Auch ÖVP-Mandatar Franz-Joseph Huainigg hob die Situation in Entwicklungsländer hervor. Zudem wies er auf das Projekt "wheelday. Entwicklung bewegt" des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung hin, das Jugendliche für das Thema sensibilisiert.

Grünen-Abgeordnete Helene Jarmer kritisierte die "jahrelange Verzögerung" bei wichtigen Vorhaben für ein selbstbestimmtes Leben. Sie stellte fest, dass Menschen mit Behinderung überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen sind und drängte diesbezüglich auf konkrete Maßnahmen.

Barrierefreiheit meint nicht nur Stufen

Kritik kam auch vom Komitee für Mobilität sehbeeinträchtiger Menschen Österreichs (KMS): "Oft wird bei Barrierefreiheit nur an Stufenlosigkeit gedacht. Aber auch Menschen mit Sehbehinderungen und blinde Menschen sind auf eine Reihe baulicher und gestalterischer Voraussetzungen angewiesen", meinte der Vorsitzende Markus Wolf. Ab 1. Jänner 2016 müssen alle Barrieren beseitigt sein, diese gesetzliche Forderung werde aber nicht erfüllt, kritisierte Wolf.

Kinder mit Behinderungen werden häufiger Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt, so die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Sie appellierte daher dafür, dass Kinder mit Behinderungen in nationalen Kinderschutzsystemen, politischen Strategien und Maßnahmen als eigene Zielgruppe Beachtung finden sollten. (APA, 2.12.2015)

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