ÖVP-Mandatar Franz lobt sexistischen Twitter-Troll

2. Dezember 2015, 12:26
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User machte vulgäre Anmerkung gegenüber 15-Jähriger und schickte Penisbild an ÖH-Vorsitzende – Distanzierung folgte

Hasspostings und Sexismus auf Twitter und in anderen sozialen Medien sind schon länger und nicht erst seit der Flüchtlingsdebatte ein Thema. Dass sich daran wenig geändert hat, zeigt nun ein weiterer Fall einer weit von ihrem Ursprung abgedrifteten Diskussion. Mit dabei: der ÖVP-Abgeordnete Marcus Franz.

Gespräch über Staatsbürgerschaftstest

Die Twitter-Nutzerin Hannah R., nach eigenen Angaben 15 Jahre alt, reagierte auf einen Tweet von "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk, der unter seinen Followern eine Umfrage über ihr Ergebnisse beim Online-Übungstest zur Bewerbung um die österreichische Staatsbürgerschaft durchführte.

"99%. Muss ich jetzt das Land verlassen?", schrieb R. als Antwort. In weiterer Folge bot ein anderer Nutzer, der Geschichte- und Anglistikstudent Stefan Hechl, scherzhaft Nachhilfe für alle an, die den Test nicht mit 100 Prozent absolviert hatten.

screenshot: red

Troll bringt Gespräch zum Entgleisen

"Er will dich nur ficken", schaltete sich nun ein Nutzer namens Michael Bärnthaler unprovoziert in die Diskussion ein und erntete prompt empörte Reaktionen von verschiedener Seite, ehe er den Vorwurf wiederholte und sich danach überrascht über die Aufregung gab. Es folgte eine Diskussion mit R., die klarstellte, seine Anmerkung "unangebracht und sexistisch" zu finden.

Im weiteren Verlauf schaltete sich auch Karin Stanger, Mitglied des Vorsitzteams der Österreichischen Hochschülerschaft (Gras), in die Debatte ein. Sie erinnerte daran, einmal per privater Nachricht von Bärnthaler ein Foto zugesandt bekommen zu haben, auf dem eine blonde Frau beim Oralverkehr mit einem Mann gezeigt wird, beschriftet mit einem feminismusfeindlichen Text. Das (in seinem Posting unzensierte) Bild postete er auf Nachfrage einer anderen Userin öffentlich, wo es von zwei Nutzern favorisiert wurde – darunter Jörg Mayer, politischer Referent der FPÖ Thalheim.

screenshot: twitter, verpixelung: standard

Franz lobt "kreativen Konservativen"

Wenig später fand sich schließlich der ÖVP-Abgeordnete Marcus Franz in der Diskussion ein. Er zeigte sich voll des Lobes für Bärnthaler.

"Wir brauchen mehr konservative Kreative wie @b_thaler – das hat power. #Leftism ist leer", kommentierte er. Darauf angesprochen, dass der offenbar volljährige User gegenüber einer Minderjährigen sexistische Anspielungen gemacht hatte, bestritt Franz schließlich die Echtheit des Accounts von R.

screenshot: twitter
screenshot: twitter

Wirft man einen Blick auf das Profilbild und das zum Account angegebene Instagram-Konto, erscheint die Altersangabe allerdings glaubwürdig. Auch andere Twitter-User erklärten, dass es sich beim Konto R.s nicht um eine Fälschung handelt.

Franz will Blog des Trolls gemeint haben

Der WebStandard hat ob des Verhaltens von Franz in dieser Twitter-Debatte eine Anfrage an den ÖVP-Klub gerichtet. Eine konkrete Stellungnahme wurde zuerst mehrfach abgelehnt. Es sei jedoch ein "Verhaltenskodex in Arbeit", um sicherzustellen, dass ÖVP-Abgeordnete sich künftig "auf sozialen Medien gemäß den Werten der Partei" verhielten.

Mit etwas Verzögerung ließ man schließlich doch ausrichten, dass Franz sich vom Verhalten Bärnthalers distanziere. Mit dem Lob des "kreativen Konservativen" sei ausschließlich der "poetische Blog" des Nutzers gemeint gewesen. Von dessen Entgleisungen will Franz zum Zeitpunkt seines Tweets keine Kenntnis besessen haben.

Wiederholung

Es ist nicht das erste Mal, dass Franz mit öffentlichen Statements für Aufregung sorgt. Noch als Team-Stronach-Mandatar galt er als vehementer Gegner des sogenannten Pograpsch-Paragrafen. "Ob der Popsch hält, was der Blick verspricht. Das erfahren zu wollen wird nun bestraft. Cui bono??", twitterte er dazu noch im April – zwei Monate vor seinem Wechsel in den Klub der ÖVP.

Dort angekommen, beugte er sich schließlich dem Klubzwang und stimmte Anfang Juli für die Umsetzung der Strafrechtsnovelle – inklusive Verschärfungen des Sexualstrafrechts. (Georg Pichler, 2.12.2015)

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