Gravitationswellen auf der Spur: Forschungssatellit Lisa Pathfinder gestartet

3. Dezember 2015, 10:51
17 Postings

Wegen technischer Probleme bei Trägerrakete war Start um einen Tag verschoben worden

Darmstadt – Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) hat den Forschungssatelliten "Lisa Pathfinder" am Donnerstagmorgen mit einem Tag Verzögerung ins All geschickt. Mit dem neuen Satelliten soll Technik getestet werden, mit der man Gravitationswellen im Weltraum messen will. Transport erfolgte von der Station Kourou in Französisch-Guayana an Bord einer Vega-Trägerrakete.

Das Ziel des Satelliten liegt in etwa 1,5 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde Richtung Sonne. Der Start war wegen technischer Probleme um einen Tag verschoben worden. Der Pfadfinder soll neue Technik für ein in etwa 20 Jahren geplantes großes Weltraumobservatorium testen, mit der diese Wellen künftig aufgespürt werden könnten.

"Die Grundlagenforschung dient dem besseren Verständnis der Welt, in der wir leben", meinte ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner. "Die theoretischen Erkenntnisse Einsteins sind auch heute noch äußerst beeindruckend. Lisa Pathfinder wird uns der Bestätigung einer der Einstein'schen Vorhersagen näher bringen: der Existenz von Gravitationswellen." Gesteuert wird der Satellit vom Esa-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt.

Versuchlabor Weltraum

"Nach vielen Jahren von Entwicklungen und Erprobungen auf der Erde kommt nun endlich die Feuertaufe, die wir nur im Weltraum vornehmen können", sagte Paul McNamara, Esa-Projektwissenschafter für "Lisa Pathfinder". Gebaut hat den Satelliten Airbus Defence and Space. "Pathfinder testet die Technik im All, weil es auf der Erde zu viele Störungen gibt", sagte der Airbus-Direktor für Erdbeobachtung, Navigation und Wissenschaft, Eckard Settelmeyer.

Der Satellit soll Mitte Februar 2016 rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt Richtung Sonne sein Ziel erreichen. Der Ort wird Lagrange-Punkt L1 genannt. "Das wird eine schwierige Strategie", sagte der Chef des Esa-Flugbetriebs, Paolo Ferri, im Kontrollzentrum in Darmstadt. "Wir müssen dafür mehrmals die Flugbahn ändern." Arbeiten dürfte Pathfinder ziemlich wahrscheinlich dann ein Jahr lang.

Was das spätere Groß-Programm vorhat, soll der Pfadfinder im Kleinformat ausprobieren. In ihm befinden sich zwei jeweils zwei Kilogramm schwere Würfel mit einer Gold-Platin-Legierung und einer Kantenlänge von 46 Millimeter. Sie haben einen Abstand von 38 Zentimeter zueinander. Mit winzigen, etwa zehnmal pro Sekunde erfolgenden Triebwerksschüben soll der Satellit seine Position präzisieren.

Verbogener Raum

Gravitationswellen – eine Vorhersage von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie – gehören zu den am schwersten fassbaren Kräften im Universum. Die Wellen breiten sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit aus und verbiegen den Raum, ähnlich wie die Wellen eines ins Wasser geworfenen Steins eine Seeoberfläche kräuseln. Jeder beschleunigte Körper sendet der Theorie zufolge Gravitationswellen aus, die umso stärker sind, je mehr Masse der Körper hat und je schneller er sich bewegt. Die Wellen ließen sich bisher nicht direkt nachweisen. Es gibt aber auch kaum ernsthafte Zweifel an ihrer Existenz. (APA, red, 3.12.2015)

  • Der Start der Vega VV06-Rakete in Kourou in Französisch-Guayana verlief erfolgreich.
    foto: apa/ epa/jm guillon/cnes

    Der Start der Vega VV06-Rakete in Kourou in Französisch-Guayana verlief erfolgreich.

Share if you care.