Die Fifa setzt sich zusammen

1. Dezember 2015, 19:08
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Substanzielle Reformen müssen auf den Weg gebracht werden – Auch Verfahren gegen Blatter und Platini auf der Tagesordnung

Zürich – Nach einem Jahr voller Skandale treffen sich die verbliebenen Mitglieder des Exekutivkomitees der FIFA zu einer letzten Sitzung vor Weihnachten am Stammsitz des Fußball-Weltverbandes in Zürich. Das Meeting am Mittwoch und Donnerstag wird zeigen, wie wandlungs- und handlungsfähig die FIFA ist, nachdem Noch-Präsident Joseph Blatter und UEFA-Boss Platini für 90 Tage suspendiert worden sind.

Bei der Sitzung des Exekutivkomitees bekommen die FIFA-Entscheidungsträger von Francois Carrard, dem Vorsitzenden der Reformkommission, die Vorschläge präsentiert, die im Februar 2016 beim außerordentlichen Kongress zu Statuten werden sollen. Sonderlich neu sind die meisten allerdings nicht. Altersbeschränkung (auf 74 Jahre) und Amtszeitbeschränkung (auf maximal zwölf Jahre) wurden von den meisten der Anwesenden im Juni 2014 schon einmal abgelehnt. Auch um die Offenlegung der Gehälter soll es gehen.

Auch fünf FIFA-Topsponsoren haben sich in einem Brief an den Weltverband erneut für Reformen stark gemacht und einen "Kulturwandel" gefordert. Eine Allianz um den Sportartikelhersteller Adidas verlangt unter anderem eine "unabhängige Aufsicht" der Reformbemühungen.

Kleckern wird nicht reichen

Carrard wird sich mit marginalen Änderungen nicht zufriedengeben, denn die FIFA wird für einen ernsthaften und glaubwürdigen Neubeginn auch ihre Strukturen verändern müssen, bis hin zu einer Veränderung des Exekutivkomitees selbst. Dieses würde in eine Art Aufsichtsrat umfunktioniert, die politischen und monetären Geschäfte würden klarer getrennt werden. Der Generalsekretär würde zu einer Art Vorstandsboss. Wie die meist betagten Herren auf solche Vorschläge reagieren, dürfte spannend werden.

Dass ein Neustart nötig ist, hatte sich eigentlich schon auf den Tag genau vor fünf Jahren angedeutet. Die Herren im FIFA-Exko vergaben am 2. Dezember 2010 die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar. 16 der 24 damaligen Entscheider sind inzwischen suspendiert, im Gefängnis oder gesperrt.

Großes Interesse sollten die knapp zwei Dutzend Mitglieder des Gremiums auch an dem unmittelbar zuvor behandelten Tagesordnungspunkt haben. Ein "Update" zu den Untersuchungen der Schweizer und der US-amerikanischen Justiz wird versprochen. In diesem Fall müsste es auch um das Verfahren gegen Blatter und die dubiose Zwei-Millionen-Franken-Zahlung an Platini aus dem Jahr 2011 gehen.

Lieber daheim

Das prunkvolle Hauptquartier auf dem Zürichberg ist normalerweise nicht Versammlungsort für die traditionelle Dezembersitzung der Exekutive. Dass sich die Funktionäre diesmal hier treffen und nicht wie üblich am Austragungsort der Klub-WM (in diesem Fall Japan) ist noch der Sorge von Blatter hinsichtlich Auslandsreisen geschuldet. Als der Termin fixiert wurde, war der Präsident noch nicht suspendiert. Seit Ende Mai verfügte sich der 79-jährige Schweizer nur einmal offiziell ins Ausland – zur Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen ins "befreundete" Russland.

Beim nächsten großen FIFA-Termin soll dann zur Abwechslung wieder einmal gefeiert werden. Am 11. Jänner wird in Zürich der Weltfußballer 2015 gekürt. Danach müssen die Fußball-Gewaltigen aber endgültig Farbe bekennen. Die nächste Sitzung des Exekutivkomitees ist für den 24. Februar angesetzt.

Europa und Südamerika werden sich für UEFA-Generalsekretär Gianni Infantio (Schweiz) stark machen, die asiatische Fraktion für Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (Bahrain), die Afrikaner für Tokyo Sexwale (Südafrika). Kandidaten sind außerdem der Jordanier Prinz Ali bin Al Hussein und Jérôme Champagne (Frankreich). Zwei Tage später wird beim außerordentlichen Kongress der Blatter-Nachfolger gewählt – und, so der allgemein postulierte Wille, eine Reformagenda verabschiedet. (APA/sid/red, 1.12. 2015)

  • Francois Carrard will die Reformagenda vorantreiben.
    foto: reuters/kelly

    Francois Carrard will die Reformagenda vorantreiben.

  • Auch über diese beiden Herren wird geredet werden.
    foto: ap/gillieron

    Auch über diese beiden Herren wird geredet werden.

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