Serbische Ultranationalisten wegen Kriegsverbrechen angeklagt

1. Dezember 2015, 17:01
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Parteifreunde von SRS-Chef Vojislav Sesel sollen Belastungszeugen erpresst haben – Sechs Anklagen auch gegen bosnische Serben

Den Haag – Das UN-Tribunal für Kriegsverbrechen in ehemaligem Jugoslawien (ICTY) hat heute, Dienstag, Anklage gegen drei Funktionäre der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS) des ebenfalls wegen Kriegsverbrechen angeklagten Vojislav Seselj erhoben. Dies berichtete der staatliche Belgrader Sender RTS.

Den Parteifreunden Seseljs – Vjerica Radeta, Petar Jocic und Jovo Ostojic – wird vorgeworfen, in dem gegen Seselj laufende Verfahren Belastungszeugen erpresst und eingeschüchtert zu haben. Auch sollen sie versucht haben, Zeugen durch Bestechungsgelder dazu zu bewegen, nicht gegen Seselj auszusagen.

Der SRS-Chef ist wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina angeklagt. Mit einem Urteilsspruch ist laut jüngsten Ankündigungen des UN-Tribunals im Frühjahr 2016 zu rechnen.

Der krebskranke Seselj war vor einem Jahr aus humanitären Gründen vorläufig aus dem Tribunalsgefängnis entlassen worden. Er hatte daraufhin eine freiwillige Rückkehr nach Den Haag ausgeschlossen.

Auch in Bosnien sind am Dienstag sechs ehemalige politische und militärische Führer der bosnischen Serben in Kotor Varos wegen Kriegsverbrechen angeklagt worden. Ihnen wird vorgeworfen, zwischen 1992 und 1994 insgesamt 300 Bosniaken (Muslime) und Kroaten ermordet sowie 20.000 Bewohner von Kotor Varos vertrieben zu haben.

Für die von bosnischen Serben in Kotor Varos verübten Kriegsverbrechen war ursprünglich ebenfalls das ICTY zuständig. Erst später wurden die Ermittlungen der bosnischen Staatsanwaltschaft in Sarajevo überlassen. (APA, 1.12.2015)

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