Österreichs Pensionssystem "zulasten Jüngerer"

1. Dezember 2015, 16:13
1156 Postings

Mit 78 Prozent des Letzteinkommens liegt Österreich bei den Pensionen auf Rang drei im OECD-Raum

Österreich hat im internationalen Vergleich ein besonders gut ausgebautes Pensionssystem. Die Bruttoersatzrate, die die Pensionsbezüge in Relation zum letzten Arbeitseinkommen setzt, liegt bei 78,1 Prozent und damit weltweit im Spitzenfeld. Der Durchschnitt der OECD-Staaten beträgt 40,9 Prozent. Nur Spanien mit 82,1 Prozent und die Niederlande (90,5 Prozent) liegen vor Österreich.

Ähnlich sind die Ergebnisse, wenn man die gesamten Pensionseinkünfte (bis zum Ableben) abzinst und in Relation zum jährlichen Durchschnittseinkommen setzt: In Österreich machen die Bezüge von Männern im Ruhestand das 13,8-Fache aus, nur in Luxemburg, Spanien, Deutschland und den Niederlanden sind sie höher. Der OECD-Durchschnitt liegt beim 9,5-Fachen.

Pensionistinnen erhalten dank längerer Lebenserwartung das 15,8-Fache des Durchschnittseinkommens – auch hier liegt Österreich im Spitzenfeld. Der OECD-Schnitt beträgt 10,8. Österreich liegt aber nur noch knapp über den Durchschnittswerten, wenn man hier die Nettobezüge heranzieht. Abzüglich Steuern erhalten Pensionisten knapp das Elffache eines Durchschnittseinkommens – der Schnitt der Industriestaaten liegt beim Achtfachen.

foto: dpa
Österreichs Pensionen sind relativ zum Letzteinkommen international sehr hoch.

Die Höhe der Ruhestandsbezüge hängt auch mit der Dauer des Pensionsbezugs zusammen. Männer verweilen durchschnittlich 19,9 Jahre, Frauen 25,4 Jahre in Rente. Auch bei diesen Werten liegt Österreich – insbesondere bei den Frauen – im Spitzenfeld.

Die vergleichsweise gute Absicherung im Alter schlägt sich klarerweise auch in den Kosten nieder. Derzeit liegen sie bei 13,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, bis 2060 prognostiziert die OECD einen Anstieg auf 14,4 Prozent.

Raschere Angleichung des Frauenpensionsalters

Kann sich Österreich das leisten? OECD-Expertin Monika Queisser meint, es sei eine gesellschaftspolitische Frage, ob Österreich für derart hohe Ausgaben "zulasten jüngerer Generationen" aufkommen wolle. Neben den hohen Pensionskosten verweist sie auf die Belastungen durch die Alterung für Gesundheits- und Pflegesystem, das müsse man in einer Gesamtbetrachtung bewerten.

Um hier eine Dämpfung des Ausgabenpfads zu erreichen, plädiert Queisser für eine Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters, wobei sie auch eine raschere Angleichung des Frauenpensionsalters an jenes der Männer empfiehlt. Die Übergangsperiode von 2024 bis 2033 empfindet Queisser als "sehr lange".

Deutschland gibt weniger aus

Dass beispielsweise Deutschland mit deutlich niedrigeren Ausgaben für die Pensionen als Österreich das Auslangen finde, hänge nicht nur mit dem höheren Leistungen beim Wechsel in den Ruhestand zusammen, sondern auch mit einem Nachhaltigkeitsfaktor zusammen. Dabei dämpft der demografische Wandel die Pensionsanpassungen.

In Österreich hat zuletzt Finanzminister Hans-Jörg Schelling eine Automatik ins Spiel gebracht (die gibt es eigentlich seit 2004, wird aber nicht praktiziert). Ihm schwebt ein an die Lebenserwartung gekoppeltes (steigendes) Pensionsantrittsalter vor. Die SPÖ hat prompt abgewunken. Im Februar will die Koalition Maßnahmen präsentieren.

Verluste in der Pension

Es gibt auch weniger großzügige Aspekte im System. In Österreich verlieren Pensionisten im Laufe des Ruhestands stärker an Kaufkraft als in anderen Industriestaaten. OECD-weit sinkt die Nettoersatzrate bei der Pensionierung von 53 Prozent auf 46 Prozent im Alter von 80 Jahren. In Österreich wie in Spanien und Schweden fällt diese Quote um 13 bis 14 Prozentpunkte. Der Grund sind niedrigere Pensionsanpassungen.

Österreich zählt zu jener Gruppe von Ländern, in denen die Frühpension weiterhin stark in Anspruch genommen wird. Trotz der diversen Restriktionen macht der Anteil der vor dem gesetzlichen Alter in den Ruhestand tretenden Personen mehr als ein Drittel aus. (Andreas Schnauder, 1.12.2015)

Share if you care.