430.000 Menschen im November ohne Job

1. Dezember 2015, 10:41
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Zunahme von 5,6 Prozent – Zahl der Langzeitarbeitslosen verdreifacht sich – Grund dafür sind schwache Konjunktur und statistische Effekte

Wien – Ende November sind mit 430.107 Menschen um 22.901 oder 5,6 Prozent mehr Personen in Österreich arbeitslos gewesen als im Vorjahresmonat. 70.814 der Menschen ohne Job befanden sich in Schulung (plus 6,1 Prozent). Nach nationaler Definition lag die Arbeitslosenquote damit bei 9,2 Prozent (plus 0,6 Prozentpunkte). Explodiert ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die länger als zwölf Monate keinen Job hatten, hat sich im November verdreifacht. Sie stieg nach Angaben des AMS absolut um 31.398 Menschen auf 47.845 Betroffene. Das war eine Zunahme von fast 191 Prozent. Beschäftigung hatten 3,52 Millionen Leute, immerhin um 32.000 mehr als im November 2014. Das liegt an der schon lange schwachen Konjunktur, aber auch an einem Wandel der AMS-Politik.

Bis vor kurzem war einer der Eckpfeiler des Arbeitsmarktservice, Menschen zumindest statistisch nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit zu entlassen. Wer länger als zwölf Monate ohne Job ist, zählt in der Statistik als langzeitarbeitslos. Besucht man zwischenzeitlich aber eine Schulung beim AMS, geht es statistisch danach wieder bei null los. Zuletzt hat das AMS die Zahl seiner Schulungen aber massiv zurückgefahren.

Anstieg in allen Branchen

Die Zahl der Menschen ohne Job ist auch in allen wichtigen Branchen gestiegen. Ein Rückgang war nirgends zu verzeichnen. Den größten Anstieg gab es real – ebenso noch ohne Zielpunkt-Pleite mit rund 2.700 Betroffenen – im Handel. Ein Plus von 3.793 oder 8,1 Prozent ließ die Zahl der arbeitslosen in dieser Branche auf mehr als 50.000 steigen – konkret auf 50.609.

Auch im Tourismus stieg die Zahl der Arbeitslosen – um 2.635 oder 4,6 Prozent auf 60.505. Am Bau waren Ende November 27.578 arbeitslos gemeldet – ein Plus von 1.019 oder 3,8 Prozent. Mit 37.063 Leiharbeitern fanden um 1.842 oder 5,2 Prozent mehr als Ende November 2014 keine Beschäftigung.

Plus bei Älteren, Minus bei Jüngeren

Bei den älteren Arbeitslosen über 50 Jahre gab es einen deutlichen Anstieg von 1,3 Prozent oder 11.560 Menschen auf 97.318 Arbeitslose, teilten Arbeitsmarktservice (AMS) und Arbeitsministerium am Dienstag mit.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist minimal zurückgegangen. Bei den 15- bis 24-Jährigen hatten 46.335 keine Arbeit – um 267 oder 0,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Offene Lehrstellen gab es mit 3.263 um 39 (+1,2 Prozent) mehr. Eine Lehrstelle suchten aber mit 6.266 um 386 (+6,6 Prozent) mehr junge Menschen als vor einem Jahr. Somit belief sich der Lehrstellenüberhang per Ende November auf 3.003 Stellen.

Mehr offene Stellen

Als "Lichtpunkt" wird vom Arbeitsministerium die gestiegene Zahl der gemeldeten offenen Stellen gesehen, wie es in einer Aussendung hieß. Mit 31.021 Jobs waren es um 25,4 Prozent mehr frei als Ende November vor einem Jahr.

Eine "schlechte Konjunktursituation seit 2012 führt leider zunehmend auch zu Verfestigung von Arbeitslosigkeit", ließ AMS-Chef Johannes Kopf via Twitter wissen.

Arbeitslosigkeit in Eurozone geht zurück

Die Arbeitslosenrate ist im Oktober in der Eurozone gegenüber September leicht von 10,8 auf 10,7 Prozent zurückgegangen. In der EU blieb sie mit 9,3 Prozent unverändert. Österreichs Quote sank geringfügig von 5,7 auf nunmehr 5,6 Prozent. Das ist Rang fünf in der EU hinter Deutschland (4,5 Prozent), Tschechien (4,7 Prozent), Malta (5,1 Prozent) und Großbritannien (5,2 Prozent). (APA, 1.12.2015)

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