Jochen Jung: Handwerker im Sinne der Autoren

30. November 2015, 18:31
6 Postings

Der Verlagsleiter und Autor stellt seinen Erinnerungsband "Zwischen Ohlsdorf und Chaville. Die Dichter und ihr Geselle" vor

Seit 40 Jahren gehört Jochen Jung zu den wichtigsten Persönlichkeiten im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Alles begann, als er 1975 Lektor im Residenz-Verlag wurde. Jetzt hat Jung seine Erinnerungen unter dem Titel Zwischen Ohlsdorf und Chaville. Die Dichter und ihr Geselle (Haymon-Verlag) veröffentlicht, am Dienstag stellt er sein Buch in der Salzburger Rupertusbuchhandlung vor. Wolfgang Schaffler hatte 1956 den Residenz-Verlag gegründet.

Ursprünglich war dieser auf Kunst- und Bildbände spezialisiert, in den 1960ern holte der Verlagseigentümer auch heimische Schriftsteller an Bord. So publizierte Schaffler 1967 Bücher von H. C. Artmann, Peter Handke und Andreas Okopenko, zwei Jahre später kam Thomas Bernhard zum Verlag. Um 1970 gesellten sich dieser illustren Runde dann u. a. Friedrich Achleitner, Barbara Frischmuth, Gert F. Jonke, Peter Rosei, Julian Schutting und Gernot Wolfgruber hinzu, 1974 debütierte mit Franz Innerhofer ein weiteres literarisches Schwergewicht beim Residenz-Verlag.

Persönliche Beziehung

Der gebürtige Frankfurter Jung entschied sich 1975 gegen ein Angebot des Hanser-Verlags, um mit diesen bedeutenden österreichischen Dichtern zu arbeiten. Den Begriff "Geselle" aus dem Untertitel versteht Jung in doppeltem Sinne: Einerseits als Handwerker, der den Autoren in technischer Hinsicht weiterhilft, andererseits sieht er sich auch als ihr Gefährte, der schon einmal private Probleme löst. Genau diese persönliche Beziehung war ein Geheimnis des Erfolgs des Residenz-Verlags, denn Autoren wie Peter Handke und Thomas Bernhard publizierten in späteren Jahren nicht nur in ihrem Hauptverlag Suhrkamp, sondern auch immer wieder bei Residenz.

1984 wurde Jung zum zweiten Geschäftsführer und Leiter des Verlags, 2000 kündigte ihn der neue Eigentümer, das Niederösterreichische Pressehaus in St. Pölten. Danach gründete er mit seiner Frau den Verlag Jung und Jung, in den letzten Jahren schreibt er daneben Rezensionen sowie eigene literarische Werke.

Die Texte im Erinnerungsband pendeln zwischen Essay und Anekdote – und sie zeigen, dass die Dichter, so meint Jung, früher weniger bürgerlich waren. (dog, 30.11.2015)

Salzburg, Rupertusbuchhandlung, 19.30, 0662/42 24 11

Link

www.leselampe-salz.at

  • Verleger Jochen Jung erinnert sich.
    foto: eva-maria repolusk

    Verleger Jochen Jung erinnert sich.

Share if you care.