Vorwürfe gegen Einkaufsabteilung der Nationalbank

1. Dezember 2015, 07:00
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Laut anonymem Schreiben soll es Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe an eine Elektrofirma gegeben haben. Diese sponsert einen Fußballklub aus dem Umfeld des Einkaufschefs

Wien – Die Einkaufsabteilung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wird gerade von der hauseigenen internen Revision unter die Lupe genommen. Grund dafür ist ein, wohlgemerkt: anonymes Schreiben, wonach es bei Auftragsvergaben an ein Elektrounternehmen Auffälligkeiten gegeben habe. Bis hin zur Bildung eines Bieterkartells reichen die Vorwürfe.

Die Abteilung ETS (Einkauf, Technik und Service) wird von einem ehemaligen (roten) OeNB-Betriebsratschef und aktiven Landtagsabgeordneten geleitet, sie ressortiert zu Direktoriumsmitglied Kurt Pribil (schwarz). Intern gibt es seit längerem ein Tauziehen um die Abteilung bzw. ihre Subbereiche – im Haus ist u. a. von Animositäten zwischen roten und schwarzen Entscheidungsträgern die Rede.

EU-weite Ausschreibung

Faktum ist, dass das Elektrounternehmen schon lange für OeNB und Münze Österreich arbeitet, wie sich auch aus der Referenzliste erschließt. Die jüngste Ausschreibung in dem Konnex ist laut STANDARD-Informationen 2013 erfolgt; und zwar für 2014 bis 2016 mit Verlängerungsoption um zwei Jahre.

Die EU-weite Ausschreibung erfolgte aber nicht durch die Abteilung ETS, sondern die notenbankeigene IG Immobilien. Sie hat den Auftrag fürs Energiemanagement, für Aufzüge, Reinigung und Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik (MSR) in Tranchen vergeben; vier Gesellschaften kamen zum Zug. Den MSR-Auftrag hat die genannte Elektrofirma gewonnen. Ausschließlich die Bestbieter seien zum Zug gekommen, es habe keine Intervention der ETS gegeben, heißt es dazu in OeNB- und IG-Kreisen. Laut OeNB-Sprecher Christian Gutlederer ergaben die Recherchen der Internen Revision "bisher keinen Hinweis auf Unkorrektheiten".

Fußballleidenschaft

Möglicherweise sind andere Verquickungen Grund für die trotzdem vorhandenen Vorwürfe. Die Fäden laufen so: Der ETS-Chef ist auch hoher Funktionär beim Fußballclub FC Stadlau. Zu dessen "Sponsor-Elite" und "Premium-Partnern" gehört laut Homepage das genannte Elektrounternehmen. "Diese Optik ist schlecht", räumt ein Involvierter ein. Auch die IG Immobilien gehört zu den "wichtigen Unterstützern" des Stadlauer Vereins.

Wahrscheinlich wird die ETS nun aber sowieso zerteilt. Der Einkaufsbereich (rund 15 Mitarbeiter) soll abgespalten werden.

Dafür soll die Abteilung "Sicherheitsdienst" mit ihren rund 50 Mitarbeitern (hauptsächlich Wächter) in die heutige ETS wandern. "Alles noch nicht final entschieden", kommentiert das der OeNB-Sprecher. (gra, 1.12.2015)

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