Spanischer Riese Abengoa wankt – Gläubiger in Krisengesprächen

30. November 2015, 18:41
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Schulden müssen restrukturiert werden – Bei 200 Banken in der Kreide

Wien/Madrid – Der führende spanische Solarstrom- und Technologie-Riese Abengoa hat letzte Woche Gläubigerschutz beantragt. Am Montag trafen die großen Gläubigerbanken zusammen, um über Schritte zu beraten, wie die Schulden in den nächsten 3 bis 4 Monaten restrukturiert werden können.

Einen Konkurs, es wäre der größte in der spanischen Wirtschaftsgeschichte, wollen Banker und Regierung verhindern. Dazu muss auch ein neuer Investor her.

Der Konzern selbst gab vorige Woche Schulden von knapp 9 Mrd. Euro an. Bei Lieferanten soll Abengoa mit rund 5,5 Mrd. Euro in der Kreide stehen. Die spanische Wirtschaftszeitung "Expansion" druckte eine Liste von mehr als 200 Banken ab, bei denen sich Abengoa insgesamt mehr als 20 Mrd. Euro geborgt haben soll.

Allein über die mehrheitlich staatliche Bank Bankia stehen für den spanischen Staat 582 Mio. Euro im Feuer, schrieb die Zeitung "El Mundo". In Summe soll der spanische Staat 800 Mio. Euro bei dem Konzern draußen haben. Die Schulden des wankenden Riesen bei der Großbank Santander werden auf 1,55 Mrd. Euro taxiert.

Größter Gläubiger ist ein staatliches US-Finanzierungsinstitut (Federal Financing Bank) mit 2,2 Mrd. Euro, das 2009 ein milliardenschweres Solar-Großprojekt in Arizona finanziert hatte. Unter den Geldgebern sind auch die EU-Förderbank EIB (Europäische Investitionsbank/200 Mio. Euro), die Weltbank-Tochter IFC (150 Mio. Euro) oder die staatliche deutsche Förderbank KfW (140 Mio. Euro) so wie weitere staatliche Entwicklungsbanken aus mehreren Kontinenten. In Summe sind fast alle europäischen Großbanken bei Abengoa engagiert, UniCredit beispielsweise ist mit 120 Mio. Euro im Gläubigerkreis.

In London ist für morgen auch ein Gespräch der Anleihegläubiger angesetzt, die von den Fonds Black Rock und Sothic Capital angeführt werden. Die Anleiheinvestoren haben sich ebenso institutionelle Berater an Bord geholt wie die Banken, die sich von KPMG beraten lassen. Abengoa selbst hat Lazard als Berater angeheuert, zudem einige große Anwaltskanzleien (Linklaters und DLA Piper), wie "Bloomberg" heute berichtete.

Medien sehen einen Grund für die Probleme des Großkonzerns nach einer raschen Expansion in massiven Einschnitten bei Subventionen für erneuerbare Energie. Noch unter der sozialistischen Regierung Zapatero war die Branche stark gefördert worden. Damit hatten zahlreiche in- und ausländische Anleger begonnen, in Spanien in erneuerbare Energie zu investieren. Wegen der Schuldenkrise drehte die konservative Regierung Rajoy den Geldhahn mehr oder weniger zu.

Zu Irritationen führten laut "NZZ" die Subventionskürzungen auch bei ausländischen Geldgebern, die zu Boomzeiten 13 Mrd. Euro in die Förderung alternativer Energiequellen in Spanien gesteckt hatten. Einige von ihnen leiteten rechtliche Schritte gegen Madrid ein. Den einheimischen Energiekonzern Abengoa hatten die Kürzungen besonders hart getroffen. (APA, 30.11.2015)

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