Energieeffizienz: Zweifel an Sparpotenzial bei Sprit

30. November 2015, 18:27
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Effizienzverordnung im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Gesetz tritt mit 1. Jänner in Kraft

Wien – Ungeachtet der mit VW publik gewordenen Manipulationen von Abgas- und Verbrauchswerten hält das Wirtschaftsministerium an einem Aufreger fest: Mineralölfirmen sollen sich durch Dieseladditive ausladendere Energiesparschritte sparen können.

Im Rahmen des Energieeffizienzgesetzes muss auch die Mineralölbranche nachweisen, zumindest 0,6 Prozent Energie pro Jahr einzusparen. Ursprünglich war u. a. von Messungen des Reifendrucks bei Tankstopps die Rede und von Spritfahrtrainings. Bald schon kamen Additive ins Gespräch, die den Spritverbrauch beim Verbrennungsvorgang verringern könnten.

0,7 Prozent anrechenbar

Beim "Effizienzdiesel" gibt es laut Gutachten eine Energie-Gesamteinsparung von 2,6 Prozent pro getankten Liter. Nur 0,7 Prozent pro Jahr sollen anrechenbar sein. Das hängt laut Wirtschaftsministerium mit der Lebensdauer der Maßnahme zusammen und sei von der Monitoringstelle auf Basis des Gutachtens so errechnet worden.

Umweltgruppen sprechen von Affront

Angesichts der in Paris laufenden Versuche, den Treibhausgasausstoß seriös und nachhaltig zu senken, werten diverse Umweltgruppen und NGOs Österreichs Vorstoß als Affront. Auch in Kreisen einzelner Additivhersteller wird eine Energieeinsparung von 2,6 Prozent in Zweifel gezogen.

Mitterlehner, der als Wirtschaftsminister die Federführung beim Energieeffizienzgesetz hat, musste Einvernehmen mit Umweltminister Andrä Rupprechter (VP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SP) herstellen. Montagnachmittag hat Minister Hundstorfer als Letzter die Verordnung unterschrieben, sodass diese, wie geplant, am 1. Jänner 2016 in Kraft treten kann.

Grüne laufen Sturm

Die Grünen laufen gegen die 2,6 Prozent Beimischung Sturm. Sie planen eine Anfrage an den für Konsumentenschutz zuständigen Sozialminister, was die absehbare Verteuerung von Diesel durch Beimischung von Additiven für die Konsumenten betrifft.

"Das ist eine von mehr als 100 Maßnahmen, die man sich im Rahmen des Energieeffizienzgesetzes anrechnen lassen kann", verteidigt man im Wirtschaftsministerium das Vorhaben. Die Einsparwirkung müsse durch eine unabhängige, akkreditierte Prüfstelle nachgewiesen werden, wird betont.

(Günther Strobl, 1.12.2015)

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