Katzians sinnloser Klassenkampf

Kommentar30. November 2015, 18:02
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Die Gewerkschaftsangriffe auf den Zielpunkt-Eigentümer gehen ins Leere

Wenn ein großes Unternehmen in die Insolvenz rutscht, ist das – mit Ausnahme der Mitbewerber – für alle schmerzhaft: für Beschäftigte, Lieferanten, Kreditgeber, Politiker und die Eigentümer, die viel Geld verlieren. Die Fälle, in denen Unternehmer von der Pleite einer Beteiligung in Österreich profitieren, sind rar. Das verhindern auch die strikten Insolvenzgesetze, die trotz jüngster Reformen mehr dem Gläubigerschutz als der Sanierung dienen.

Hauptziel nach einer Insolvenz müsste sein, Arbeitnehmer, Lieferanten und den Standort vor weiterem Ungemach zu bewahren. Die Wut- und Drohkampagne der Privatangestelltengewerkschaft und ihres Chefs Wolfgang Katzian gegen die Zielpunkt-Eigentümer trägt dazu nichts bei.

Katzian unterstellt Georg Pfeiffer, die Insolvenz mutwillig herbeigeführt zu haben, um seinen Familienkonzern per "Masterplan" zu bereichern. Er stützt sich, wie sich in der ORF-Sendung Im Zentrum Sonntagabend zeigte, auf reine Vermutungen, die in sich nicht schlüssig sind. Dass er dafür Rückendeckung von Sozialminister Rudolf Hundstorfer erhält, macht die Angriffe nicht glaubwürdiger.

Denn mit der Anmeldung der Insolvenz hat die Pfeiffer-Gruppe die Kontrolle über Zielpunkt verloren und kann sich gar nicht mehr die Gustostückerln aus der Masse herauspicken. Sollte der jüngste Immobiliendeal tatsächlich den Wert des Unternehmens geschmälert haben, dann wäre der Insolvenzverwalter gefordert und nicht die Gewerkschaft. Und der Vorwurf, Pfeiffer wälze die Zahlung ausstehender Gehälter auf die Allgemeinheit ab, ist falsch: Der Insolvenzentgeltfonds wird von den Unternehmen gerade für solche Fälle gespeist, nicht von den Steuerzahlern.

Die Gewerkschaft zürnt, weil sie von der Pleite – so wie andere – überrascht wurde. Auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass Pfeiffer sich noch vor kurzem optimistisch zu Zielpunkt äußerte, und die Begründung des Konzernchefs für die plötzliche Verschlechterung überzeugt nicht. Vermutlich wurden schon seit Monaten in Oberösterreich Insolvenzszenarien gewälzt. Doch solange eine Chance bestand, Zielpunkt über die Runden zu bringen, hätte Pfeiffer den Teufel getan, bevor er dies mit der Öffentlichkeit oder der Gewerkschaft teilt.

Dabei kann man, so wie Handelsexperte Peter Schnedlitz, das Zielpunkt-Management mit gutem Grund hart kritisieren. Pfeiffer hätte die Kette sofort nach dem Einstieg 2012 radikal sanieren und umstrukturieren müssen, unprofitable Standorte schließen und eine neue Ausrichtung entwickeln sollen – zum Teil auch mit einem anderen, besser ausgebildeten Personal. Doch da hätte die Gewerkschaft wohl als Erste geschrien – und dem Eigentümer viele Steine in den Weg gelegt.

Der konsensorientierte Händler aus der Provinz war vom beinharten Wettbewerb in Ostösterreich überfordert. Ihm dürfte genau jene unternehmerische Härte fehlen, die Katzian ihm nun anzudichten versucht.

Hätte Pfeiffer, wie von vielen gefordert, weitere Millionen in Zielpunkt gesteckt, um die Kette ein paar Monate am Leben zu erhalten, hätte er auch die gesunden Unternehmenstöchter Unimarkt und Nah & Frisch gefährdet, denen in Zukunft sicher noch ein kalter Wind entgegenblasen wird.

Vier Wochen vor Weihnachten ist eine schlimme Zeit, den Job zu verlieren. Aber den Mitarbeitern ist nicht dadurch geholfen, dass ihre Interessenvertretung den Klassenkampf probt. (Eric Frey, 1.12.2015)

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