Schirnhofer wurde am falschen Fuß erwischt

Analyse30. November 2015, 18:06
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Es wird damit gerechnet, dass der Fleischproduzent nach der Zielpunkt-Pleite seinen Betrieb weiterführen kann

Graz – Die Zielpunkt-Pleite hat auch Karl Schirnhofer, den Wurst- und Fleischlieferanten des Diskonters, auf dem falschen Fuß erwischt. Der steirische Zielpunkt-Kooperationspartner hat dem Vernehmen nach erst im letzten Augenblick von der Insolvenz erfahren.

Als Hauptabnehmer reißt Zielpunkt ein tiefes Loch in Schirnhofers Firmenstruktur. 70 der 287 Mitarbeiter wurden zur Kündigung angemeldet. Am Montag verhandelte Schirnhofer mit den Banken, zum einen über die von ihm geplante Weiterführung des Betriebs über ein Sanierungsverfahren in Eigenverantwortung, andererseits suchte man Modalitäten, wie den Mitarbeitern die Novembergehälter und das Weihnachtsgeld ausbezahlt werden können. Der Betrieb selbst wollte am Monat noch keine genaue Auskunft über den Status quo geben.

Anders als die Zielpunkt-Eigentümer genießt Schirnhofer aber durchwegs Lob von der Gewerkschaft. "Karl Schirnhofer ist ohne Zweifel ein guter Arbeitgeber, er organisierte auch etliche Sozialprojekte", sagt der steirische ÖGB-Chef Horst Schachner.

"Ein Mann mit Visionen"

"Der Karl will den Betrieb auf alle Fälle weiterführen", meint der Kainbacher Bürgermeister Fritz Loidl. Für die oststeirische Gemeinde wäre ein komplettes Aus des Unternehmens ein schwerer Schlag. Schirnhofer ist mit seinen knapp 300 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber ringsum. Zudem kooperieren 90 Schweinebauern und mehr als 400 Landwirte mit Almochsen mit Schirnhofers Fleischbetrieben. Mit seiner Qualitätsschiene in der Fleischproduktion und dem Almo-Projekt sei er neue Wege gegangen. "Ich trau dem Karl zu, dass diese Krise für ihn auch wieder eine neue Motivation sein wird. Er ist ja ein Mann mit Visionen", sagt Bürgermeister Loidl.

Hubert Holzapfel, Landessekretär der Gewerkschaft ProGe, geht ebenfalls fix davon aus, dass der Betrieb – auf niedrigerem Niveau – weitergeführt wird. Es gehe nun um eine mögliche Entschuldung, bei der die Jobs großteils erhalten bleiben könnten.

Schirnhofer hatte ab 1997 eigene Fleischfilialen in den Zielpunkt-Märkten. In den besten Zeiten arbeiteten bis zu 1200 Schirnhofer-Mitarbeiter in eigenen Shops in mehr als 250 Zielpunktfilialen. Mit dem Einstieg der Pfeiffer-Gruppe wurden diese Schirnhofer-Shops wieder bei Zielpunkt eingegliedert. (Walter Müller, 1.12.2015)

  • Karl Schirnhofer versucht, sein Unternehmen zu retten.
    foto: robert newald

    Karl Schirnhofer versucht, sein Unternehmen zu retten.

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