"Mario Tennis Ultra Smash" im Test: Karriereloser Dopingsport

5. Dezember 2015, 11:00
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Nintendos erste Heimkonsolen-Fortsetzung seit elf Jahren kann nicht überzeugen

Als virtueller Tennisspieler hatte man es die vergangenen Jahre nicht leicht. Seit dem 2011 erschienenen Teil der wohl besten Simualtionsserie "Top Spin", warten Fans ungeduldig auf einen Nachfolger für die aktuelle Konsolengeneration. Im Angesicht der unausgesprochenen Befürchtung, das Genre sei heute nicht mehr rentabel genug für große Produktionen, fühlt man sich fast genötigt, sich in arcadigen Gefilden umzusehen.

Ein Hoffnungsschimmer in dieser desperaten Situation war heuer "Mario Tennis Ultra Smash". Die Fortsetzung einer Serie, die zwar nie für Realismus, aber für viel schrägen Rückschlagspaß stand. Doch um jeden Anflug unangebrachter Euphorie zu ersticken: Für mehr als ein wenig Unterhaltung auf öden Partys reicht diese Neuauflage nicht.

Lückenfüller

Der Verzicht auf so etwas wie eine Kampagne legt nahe, dass auch Hersteller Nintendo nicht mehr als einen Lückenfüller im Sinn hatte. Abseits dessen bewegt sich das neue Mario Tennis auf einem schmalen Grat zwischen unausgegorener Verspieltheit und Anspruchslosigkeit. Die Hauptattraktion liegt darin, sich während des Spiels mit einem Pilz dopen zu können und dadurch zum schlagkräftigen Riesen zu werden. Ein beim ersten Mal witzig anzusehender Effekt, der mit der immer gleichen Animation jedoch den Ballwechsel unterbricht und dem kleineren Gegenüber praktisch keine Chance mehr lässt.

nintendo

Seichtes Gedresche

Ebenso unausgewogen wirken Glücksschläge, die eine bestimmte Tasteneingabe erfordern und dem Schwung Power verleihen. Anstatt jedoch die Vorzüge des Sports zu beflügeln, wird dadurch der Rhythmus unterbrochen und das taktische Element und das spielerische Können in den Hintergrund gerückt. Es ist wichtiger, rasch die richtigen Knöpfe zu drücken, als sich clevere Spielzüge einfallen zu lassen.

Verzichtet man auf all diese Spektakel im "Classic"-Modus, bleibt ein stink normales Tennisspiel für ein bis vier Teilnehmer übrig, das allerdings wie auf Schienen abläuft. Out- und Netzbälle haben Seltenheitswert und die Frage nach dem richtigen Timing stellt sich selbst bei extremen Winkeln kaum. Das reicht gewiss für ein fröhliches Gesmashe, doch elf Jahre nach dem letzten "Mario Tennis" für Heimkonsolen darf man sich nicht nur als ausgehungerter Fan mehr erwarten. (Zsolt Wilhelm, 5.12.2015)

"Mario Tennis Ultra Smash" ist für Wii U erschienen. UVP: 44,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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Mario Tennis Ultra Smash

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