UN: Dating-Apps Mitschuld an HIV-Verbreitung in Asien

30. November 2015, 12:41
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Deutlicher Anstieg unter jugendlichen Risikogruppen – Apps aber auch neuer Aufklärungs-Kanal

Während die Anzahl der HIV-Neuinfektionen weltweit zurück geht, wurde in der letzten Zeit im asiatischen Pazifikraum ein gegensätzlicher Trend verzeichnet. Insbesondere unter Teenagern soll der Anstieg dramatisch sein.

Das geht laut Guardian aus einer Studie der Vereinten Nationen (UN) hervor. Diese sehen auch die zunehmende Popularität von Dating-Apps als einen der Gründe.

Dating-Apps boomen unter Homosexuellen

Eine besonders deutliche Zunahme an Neuinfektionen wurde unter Männern beobachtet, die Sex mit anderen Männern haben. Stark betroffen sind auch Sexarbeiter, Drogenabhängige die Spritzen verwenden sowie junge Transgender-Personen.

"Junge homosexuelle Männer haben uns durchgehend mitgeteilt, dass sie nun Dating-Apps nutzen, um sich zum Sex zu verabreden. Als Folge haben sie öfter beiläufigen Sex mit mehr Partnern. Dieses Risikoverhalten erhöht die Ausbreitung von HIV", erklärt dazu Wing-Sie Cheng von der Unicef.

Stigmatisierung und Verbote als Problem

Um dem entgegen zu wirken, will man auf die Apphersteller zugehen und sie ersuchen, Informationen über die Aids-Krankheit bereit zu stellen. Für Jugendliche ist die Wahrscheinlichkeit, an Folgen der Erkrankung zu sterben, erhöht, denn sie nehmen oft aus Angst vor Stigmatisierung keine Behandlungsmöglichkeiten in Anspruch.

In vielen Ländern der Region ist ein HIV-Test für Unter-18-Jährigen dazu ohne elterlicher Einwilligung nicht möglich. In 18 Staaten steht Homosexualität zudem unter Strafe, was nach Ansicht der UN ebenfalls ein Grund dafür ist, dass viele Infizierte sich nicht in Behandlung begeben.

Deutlicher Anstieg

Mittlerweile werden laut UNAIDS 220.000 HIV-Infektionen in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen angegeben. Apps wie Grindr, die primär genutzt werden, um Partner für schnellen Sex in der Nähe zu finden, begünstigen aufgrund der Spontanität des Ablaufs auch riskantes Verhalten. Etwa den Verzicht auf ein Kondom, um die Gelegenheit nicht zu verpassen.

In den Philippinen hat sich die Anzal der HIV-Infektionen unter Teenagern binnen vier Jahren verdoppelt. Junge homosexuelle Männer in Bangkok sind zu einem Drittel mit dem HI-Virus infiziert.

Apps als Chancen

Bei Grindr, die wichtigste mobile Plattform für Dating unter homosexuellen Männern, werden In-App-Ankündigungen geschalten, die dazu aufrufen, sich bei nahe gelegenen Kliniken testen zu lassen. Dazu gelte für die Verwendung der App ein Mindestalter von 18 Jahren. Die Hersteller anderer Dating-Apps (Tinder, Blued, Growlr) antworteten nicht auf die Anfrage des Guardian.

Die UN sieht jedenfalls in Dating-Apps nicht nur Risiken, sondern aufgrund ihrer steigenden Verbreitung auch Chancen. Sie könnten in Zukunft zu einem wichtigen Tool werden, um über Geschlechtskrankheiten, Verhütung und andere sexualitätsbezogene Gesundheitsthemen aufzuklären. (gpi, 30.11.2015)

  • Dating-Apps begünstigen promiskuitives Verhalten und erhöhen damit die Gefährdung für Risikogruppen.

    Dating-Apps begünstigen promiskuitives Verhalten und erhöhen damit die Gefährdung für Risikogruppen.

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