4.000 Kubaner sitzen in Costa Rica fest

30. November 2015, 08:46
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Viele Kubaner versuchen noch in die USA zu flüchten, bevor es dort schwieriger wird eine Aufenthaltsgenehmigung als politischer Flüchtling zu bekommen

San Jose – Für die Krise mit Tausenden kubanischen Flüchtlingen in Mittelamerika ist weiterhin keine Lösung in Sicht. Rund 4.000 Menschen harrten am Sonntag nach zwei Wochen unter schwierigen Bedingungen in der Grenzregion zwischen Costa Rica und Nicaragua aus. Die nicaraguanischen Behörden verweigern den Migranten die Einreise auf ihrem Weg in die USA, teilweise mit harten Mitteln.

Es handle sich um eine "regionale humanitäre Krise", die dringend angegangen werden müsse, sagt Martha Cranshaw von der nicaraguanischen NGO "Netzwerk für Migration". Es sei eine völlig übertriebene Reaktion gewesen, Armee und Polizei auf die unbewaffneten Zivilisten zu hetzen. Die Kubaner waren in den Wochen zuvor nach Ecuador in Südamerika geflogen und von dort aus teilweise mithilfe von Schlepperbanden Richtung Norden weitergereist.

Nicaragua und Kuba haben seit der nicaraguanischen Unterstützung bei der sandinistischen Revolution in Kuba, mit der 1979 die jahrzehntelange Diktatur der Familiendynastie Somoza endete, traditionell gute Beziehungen. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega betrachtet die Karibikinsel als engen Verbündeten und will durch die Zurückweisung der Flüchtlinge seine Freundschaft bekunden. Costa Rica stand bisher hingegen den USA näher.

Normalisierung der Beziehungen

Mehrere Länder der Region berichteten zuletzt über die verstärkte Ankunft kubanischer Flüchtlinge. In Mexiko kamen in diesem Jahr offiziellen Angaben zufolge fünfmal mehr kubanische Flüchtlinge an als noch im Vorjahr. Sie verlassen den sozialistischen Karibikstaat in der Hoffnung, über den Landweg und Drittländer in die USA einwandern zu können.

Hintergrund ist wohl die Befürchtung vieler Kubaner, in Zukunft nicht mehr so einfach wie bisher eine Aufenthaltsgenehmigung als politische Flüchtlinge in den USA zu bekommen. Wegen der langen Eiszeit zwischen Havanna und Washington können Migranten aus Kuba seit Jahrzehnten einfach politisches Asyl in den USA beantragen, auch wenn sie illegal einreisen. Die USA und Kuba normalisierten in diesem Jahr ihre Beziehungen.

Dass die Menschen versuchen, über den Landweg in die USA zu kommen, liegt an einer speziellen Bestimmung. Würden sie den deutlich kürzeren Seeweg wählen, so riskierten sie, von der US-Küstenwache entdeckt und in die Heimat zurückgeschickt zu werden. Denn solange ankommende Migranten keinen festen amerikanischen Boden unter den Füßen haben, haben sie auch kein Bleiberecht.

Migrationskrisen zwischen USA und Kuba

Die USA und das sozialistische Kuba haben in den vergangenen Jahrzehnten oft Migrationskrisen erlebt. Hunderttausende Kubaner haben seit dem Sieg der Revolution von 1959 den Karibikstaat verlassen, um legal oder illegal in die USA einzuwandern. Im US-Bundesstaat Florida lebt seither die größte Gemeinde der rund zwei Millionen Exilkubaner.(red, APA, 30.11.2015)

  • Kubanische Flüchtlinge werden von Sicherheitskräften in Costa Rica in Notquartiere gebracht.
    foto: reuters/juan carlos ulate

    Kubanische Flüchtlinge werden von Sicherheitskräften in Costa Rica in Notquartiere gebracht.

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