IWF macht chinesischen Renminbi zur fünften Weltwährung

30. November 2015, 19:10
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Aufnahme in Währungskorb bedeutet Prestigegewinn für China – Renminbi erhält Gewichtung von 10,92 Prozent

Washington – Der Internationale Währungsfonds (IWF) wertet die chinesische Landeswährung Renminbi (RMB) zur fünften Weltwährung auf. Der Renminbi spielt damit ab Herbst 2016 in einer Liga mit dem US-Dollar, dem britischen Pfund, dem Euro und dem japanischen Yen. Der Schritt sei ein wichtiger Meilenstein bei der Integration der Volksrepublik in das Weltfinanzsystem, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde am Montag. Die Aufnahme der Währung spiegele Chinas Fortschritt bei Reformen wider und werde das globale Geld- und Finanzsystem stärken.

Mit der Aufnahme in den Währungskorb ist ein erheblicher Prestigezuwachs für das Land verbunden. Schätzungen zufolge könnten nun rund eine Billion Yuan (umgerechnet rund 147 Milliarden Euro) in den chinesischen Anleihemarkt fließen. Manche Ökonomen erwarten, dass damit in der Zukunft die Nachfrage nach Yuan weltweit um mehr als 567 Milliarden Euro steigen wird.

Der Währungskorb des IWF stellt die Wertegrundlage für die Kunstwährung des Fonds, die Sonderziehungsrechte (SZR), dar. In denen werden die Beiträge der IWF-Mitglieder (Quoten) wie auch ihre Kreditmöglichkeiten beim Fonds bemessen. Der Renminbi – auch als Yuan bekannt – soll eine Gewichtung von 10,92 Prozent erhalten. Derzeit ist der Dollar mit 41,9 Prozent das Schwergewicht, gefolgt vom Euro (37,4 Prozent), dem Pfund (11,3 Prozent) und dem Yen (9,4 Prozent).

Skeptiker befürchten allerdings, dass die Aufnahme den Reformbemühungen in Peking keinen weiteren Auftrieb geben wird. Denn der Börsenrutsch vom Sommer steckt dem Land noch in den Knochen. Manche Kritiker machen den schädlichen Einfluss von ausländischem Kapital für den Einbruch der Kurse um mehr als 40 Prozent mit verantwortlich. Politische Beobachter glauben, dass die Bemühungen um eine Öffnung der Landeswährung nach dem Prestigeerfolg beim IWF erlahmen. Als abschreckendes Beispiel dient die Aufnahme Chinas in die WTO im Jahr 2001. Damals hatten Reformen im Staatssektor plötzlich keine Priorität mehr, nachdem die Mitgliedschaft unter Dach und Fach war.

Und die Währung des Exportweltmeisters ist nach wie vor an den internationalen Märkten weit davon entfernt, eine frei schwankende – also konvertible – Devise zu sein. Vielmehr ist sie locker an den Dollar gekoppelt: Die Zentralbank bestimmt arbeitstäglich einen Referenzkurs. Der IWF ist jedoch der Auffassung, dass der Yuan zumindest das Kriterium der freien Verwendbarkeit erfüllt – also, für internationale Transaktionen und an wichtigen Devisenmärkten weithin genutzt wird.

Die Zentralbank der zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA hatte den Yuan nach einer Reihe schwacher Wirtschaftsdaten im August weiter abgewertet. Die Währung markierte daraufhin zum Dollar den tiefsten Stand seit vier Jahren. Die Maßnahme verschafft der schwächelnden chinesischen Wirtschaft Vorteile auf dem Weltmarkt. Dies versetzte die Börsen rund um den Globus in Aufruhr und schürte Sorgen vor einem Währungskrieg. (Reuters, 30.11.2015)

Wissen: Der Yuan als Weltreservewährung

Was bedeutet die Aufnahme des Yuan konkret?

Sollte der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) erwartungsgemäß für die Aufnahme des Yuan entscheiden, wäre die chinesische Währung die fünfte Weltreservewährung. Die Währungen des Währungskorbes bilden zusammen – entsprechend einer bestimmten Gewichtung – eine Art Kunstwährung, die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR). Diese Kunstwährung wird an keiner Börse gehandelt, dient dem Währungsfonds aber als Berechnungsgrundlage, etwa für internationale Finanzhilfen. Bei der Gewichtung geht die Aufnahme des Yuan zulasten der anderen vier Währungen, vermutlich vor allem zulasten des japanischen Yen.

Wird es ruckartige Veränderungen an den internationalen Finanzmärkten geben?

Nein. Es gibt Experten, die in dem Schritt des Internationalen Währungsfonds eine Zeitenwende und damit das Ende der Dominanz des US-Dollar sehen. Sollte dies tatsächlich eintreten, wird es zumindest nicht schnell gehen. Die Aufnahme des Yuan soll am Montag zwar verkündet werden, wird aber wohl erst im Herbst 2016 in Kraft treten. Die Märkte haben lange Zeit, sich darauf einzustellen. Schon jetzt buhlen internationalen Finanzzentren darum, Handelszentrum für den Yuan zu werden, etwa London und Frankfurt. In der Londoner City gehören Kurse in Mandarin schon seit geraumer Zeit zu den am meisten nachgefragten Fremdsprachenunterrichtsformen.

Wie will China den Yuan zur Weltwährung machen?

Ähnlich wie im globalen Handel verfolgt China auch auf den Finanzmärkten das Ziel, den USA ihre Vormachtstellung streitig zu machen. Den Aufbau des Yuan zu einem ernst zu nehmenden Dollar-Konkurrenten treibt Peking deshalb schon seit Jahren generalstabsmäßig voran. Seit 2009 hat die Volksrepublik über 30 sogenannter "Swap-Abkommen" mit Nationen vor allem in Asien und Afrika geschlossen, mit denen sie nun ihren Handel direkt in den Landeswährungen abwickeln kann.

Wie wichtig ist der Yuan bisher für den globalen Zahlungsverkehr?

In den vergangenen Jahren hat die Währung eine rasante Aufholjagd hingelegt: Im August 2012 lag der Yuan noch auf Platz zwölf der globalen Zahlungsmittel. Mittlerweile schafft er es bereits auf Platz vier der international am meisten gehandelten Währungen – noch vor dem japanischen Yen. Im Vergleich zum Top-Trio ist der Yuan allerdings noch immer ein Zwerg: Zuletzt wurden 2,79 Prozent der internationalen Zahlungen in Yuan abgewickelt – gegenüber 44,8 Prozent in Dollar, 27,2 Prozent in Euro sowie 8,5 Prozent mit dem britischen Pfund.

Was fehlt dem Yuan noch für den großen Durchbruch?

Damit der Yuan tatsächlich eines Tages auf Augenhöhe mit dem US-Dollar agieren kann, sind in China noch viele Reformen notwendig. Genau wie der Dollar und der Euro muss auch der Yuan völlig frei handelbar sein. Das ist bisher nur bedingt der Fall. Wie sehr der Kurs der Währung schwanken darf, darüber entscheidet zu einem großen Teil noch immer der Staat und nicht der freie Markt. Allerdings hat Peking angekündigt, das ändern zu wollen. Einige Experten gehen davon aus, dass China schon im nächsten Fünfjahresplan, der 2016 in Kraft tritt, einen komplett freien Handel des Yuan festlegen könnte.

Bringt ein frei handelbarer Yuan auch Risiken mit sich?

Für Chinas Wirtschaft schon. Sollten internationale Investoren nach einer Freigabe des Yuan massiv auf eine steigende Währung spekulieren, könnten so in kürzester Zeit riesige Mengen Geld ins Land fließen, was die Gefahr von Spekulationsblasen erhöhen würde. Andererseits könnte ein frei konvertibler Yuan auch dazu führen, dass aus Sorge um die chinesische Wirtschaft große Mengen Kapital aus dem Land abfließen. Auch das würde der Wirtschaft schaden.

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