Russland präsentiert Türkei Rechnung für Abschuss

29. November 2015, 18:04
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Russland erlässt nach Flugzeugabschuss drastische Sanktionen gegen die Türkei

Ankara kündigte am Sonntag an, die Leiche des abgeschossenen russischen Bomberpiloten an Moskau zu übergeben, doch die bilateralen Beziehungen sind endgültig am Boden:Russlands Präsident Wladimir Putin hat mit seinem "Ukas zum Schutz der nationalen Sicherheit" weitreichende Wirtschaftssanktionen erlassen.

"Nach dem tragischen Zwischenfall haben wir vier Tage – ganze vier Tage – die Tür offengelassen. Doch eine vernünftige Erklärung haben wir nicht bekommen." Jetzt sei es für eine Rückkehr zur Normalität zu spät, klagte der Vizechef des Verteidigungsausschusses im Föderationsrat, Franz Klinzewitsch.

Zuvor inoffizielle Sanktionen

Tatsächlich geht Moskau nun wirtschaftlich mit voller Härte gegen Ankara zur Sache: Den ersten Nadelstich setzte der Kreml bereits am Tag des Bomberabschusses mit einer Reisewarnung, die inoffiziell einem Verkaufs verbot von Türkei-Urlauben für Reisebüros gleichkam. Nun wird die Maßnahme durch die Aufhebung der Visafreiheit zum Jahreswechsel und ein Verbot für Charterflüge zwischen beiden Ländern noch verschärft.

Darüber hinaus wird der Zugang türkischer Unternehmen und Fachkräfte in Russland stark eingeschränkt. Welche Arbeiten und Dienstleistungen sie künftig noch anbieten dürfen, soll die Regierung in den kommenden Tagen festlegen. Am härtesten würde die Türken sicher ein Verbot im Bausektor treffen, wo sie traditionell stark vertreten sind.

Zutrittsverbot für Türken

Und auch auf den Handel kommen Beschränkungen zu. In erster Linie trifft dies wohl Lebensmittellieferanten. Die Türkei konnte nach dem von Russland gegen den Westen verhängten Importbann ihren Marktanteil auf vier Prozent erhöhen.

In den ersten neun Monaten 2015 kaufte Russland für eine Milliarde Dollar türkische Lebensmittel ein. Zuletzt machte Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschow allerdings auch türkische Äpfel madig: Viele Produkte entsprächen nicht den Qualitätsvorschriften. Der Wegfall werde sich nicht auf die Inflation auswirken, versprach er.

Hoffnungen auf Einlenken

Aus Regierungskreisen verlautet, dass der Importstopp auch andere Sektoren treffen würde. Bedeutung für die Türkei hat Russland als Abnehmer von Maschinen und Textilien. Er hoffe, dass die "harte Position unsere türkischen Nachbarn zur Besinnung bringt", sagte der Chef des Außenausschusses im Föderationsrat, Konstantin Kossatschow. Wie lange der Wirtschaftskrieg dauere, hänge von Erdogans Verhalten ab.

Derweil hieß es am Sonntag aus Jerusalem, ein russisches Flugzeug habe aus Syrien kommend unlängst auch Israels Luftraum verletzt. Es sei aber "alles sofort geregelt" worden, sagte Verteidigungsminister Mosche Jaalon. (André Ballin aus Moskau, 29.11.2015)

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