Papst wirbt für Frieden in der Zentralafrikanischen Republik

29. November 2015, 14:31
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Trotz großer Sicherheitsbedenken besucht das Oberhaupt der katholischen Kirche das von Krieg geprägte Land

Bangui/Vatikanstadt – Papst Franziskus hat die Regierung der Zentralafrikanischen Republik aufgefordert, sich für die Einheit der Bevölkerungsgruppen und den Frieden einzusetzen. Die Menschen dürften keine Angst vor Mitgliedern anderer Ethnien oder Religionen zu haben, sagte Franziskus am Sonntag in der Hauptstadt Bangui. Das Land wird von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslime gebeutelt.

Der Regierung komme eine besondere Verantwortung zu, sagte das Kirchenoberhaupt vor Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza. "Ich komme als Pilger des Friedens und als Apostel der Hoffnung", sagte der 78-Jährige.

Hoffnung auf Wahlen

In seiner ersten Rede in dem Land sprach Franziskus jedoch nicht direkt von dem Konflikt, der das Land seit über zwei Jahren erschüttert. Dabei stehen sich muslimische Rebellen und christliche Milizen gegenüber. Tausende wurden getötet. Jeder fünfte Einwohner ist vor der Gewalt geflohen. Beiden Konfliktparteien werden schwerwiegende Gewalttaten vorgeworfen.

Franziskus drückte dem vorbereiteten Redetext zufolge die Hoffnung aus, dass die bereits mehrfach verschobenen Wahlen Ende Dezember eine positive Wende herbeiführen werden, um "gut in einen neuen Abschnitt der Geschichte zu gehen". Der Friede im Land ist brüchig. Nach einem Zwischenfall im Oktober wurden bei einer neuen Gewaltwelle UNO-Angaben zufolge 80 Menschen getötet und 400 weitere schwer verletzt.

Politologin pessimistisch

Die Politologin Georgette Deballe Koyt aus der Zentralafrikanischen Republik zeigt sich pessimistisch über die Zukunft ihres Landes. Es brauche schon ein "Wunder", um radikale Christen und Muslime in zu versöhnen, sagte die Generalsekretärin der lokalen UNESCO-Kommission laut Kathpress der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA am Sonntag in Bangui. Nach zweieinhalb Jahren Bürgerkriegs seien die Fronten verhärtet.

Franziskus war die Reise in die Zentralafrikanische Republik besonders wichtig. Es ist das erste Mal, dass er in ein Krisengebiet reist. Er folgt damit seinem Ziel, an die Ränder der Kirche zu gehen, zu den Armen, Vergessenen und Notleidenden.

Die Zentralafrikanische Republik ist einem UNO-Index zufolge das drittärmste Land der Welt. Der Konflikt hatte zunächst wirtschaftliche Hintergründe, entwickelte sich jedoch nach dem Sturz des christlichen Präsidenten Francois Bozize durch muslimische Rebellen 2013 zu einem Konflikt zwischen den Religionsgruppen.

Besuch in Flüchtlingslager

Franziskus war aus Uganda angereist. Am Sonntag wollte er in Bangui auch ein Flüchtlingslager besuchen, in dem Christen Zuflucht gesucht haben. Am Abend wollte er zum ersten Advent in der Kathedrale von Bangui eine Messe feiern. Dabei will er auch eine Heilige Pforte öffnen – als Vorpremiere des Heiligen Jahres, des "Jubiläums der Barmherzigkeit", das offiziell am 8. Dezember in Rom eingeläutet wird.

Der Vatikan ließ sich bei den Reiseplänen auch nicht von der desolaten Infrastruktur und der schwierigen Sicherheitslage abschrecken. Die überforderte Übergangsregierung kann seine Sicherheit nicht garantieren, der Vatikan verlässt sich daher auf die rund 11.000 Blauhelmsoldaten und die etwa 900 französischen Truppen in und um Bangui. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi betonte, der Papst habe keine Angst. Obwohl in dem Land viele Waffen zirkulieren, wird er in Bangui mitunter auch das offene Papamobil nutzen.

Vor Abschluss seines Besuchs am Montag wird sich Franziskus in einer Moschee mit Vertretern der muslimischen Gemeinde treffen. Die meisten Muslime sind wegen des Konfliktes jedoch bereits aus Bangui geflohen.

Zuvor hatte Franziskus im Rahmen seiner elften Auslandsreise Kenia und Uganda besucht. Für Franziskus war es die erste Reise nach Afrika, wo die katholische Kirche weltweit am schnellsten wächst. (APA, 29.11.2015)

  • Papst Franziskus bei der Ankunft in Bangui.
    foto: apa/afp/gianluigi guercia

    Papst Franziskus bei der Ankunft in Bangui.

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