Weltweite Demos für mehr Klimaschutz

29. November 2015, 16:58
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Aktivisten bildeten in Paris nach der Absage einer Großdemo eine Menschenkette. Später kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei

Es knallte am Sonntagnachmittag in Paris. Vermummte Umweltaktivisten setzten Knallkörper ein, die Polizei Schreckgranaten. Auf der Place de la République setzte die Polizei zudem Tränengas ein, um die Demonstranten zu vertreiben. Zuvor hatten bis zu 10.000 Menschen eine friedliche Menschenkette gebildet, um sich für ein ambitiöses Klimaabkommen bei der COP 21 einzusetzen. Eine Lücke bildete sie nur vor der Konzertsaal Bataclan, wo vor gut zwei Wochen 90 Menschen getötet worden waren.

Nach den Terroranschlägen hatte die französische Regierung mithilfe des nationalen Ausnahmezustandes auch sämtliche Klimademonstrationen untersagt. Bei einer Menschenkette in der Provinzstadt Nantes sagte ein älterer Teilnehmer: "Es ist ja nicht verboten, händchenhaltend den Weihnachtsmarkt zu besuchen."

Schärfere Kritik am "offensichtlichen Missbrauch" des Ausnahmegesetzes übte die Coalition Climat 21, ein Verbund von 130 Umweltorganisationen. Sie sagten, die gesetzten Maßnahmen würden verhindern, dass genügend Druck auf die Konferenz ausgeübt werden könne.

Einreise verweigert

Der französische Zoll hatte nach eigenen Angaben rund 1000 Personen die Einreise nach Frankreich verweigert. Ungesagt blieb, wie weit Terrorverdächtige oder militante Klimaschützer betroffen sind. Joël Domenjoud, ein Rechtsexperte der Coalition, berichtete stellvertretend für viele Aktivisten, er sei mit Hausarrest belegt worden und müsse sich dreimal am Tag beim nächsten Polizeiposten melden. Verboten ist in Paris neuerdings auch der Verkauf von Feuerwerk und ähnlichem brennbarem Material.

Um sich trotzdem bemerkbar zu machen, ließen sich Ökoverbände in Paris zahlreiche Aktionen einfallen. Auf der Place de la République deponierten sie Tausende von Schuhen, darunter auch ein Paar des Papstes und eines des Uno-Generalsekretärs, um den verhinderten Klimamarsch zu ersetzen. Am Nachmittag wurden die Schuhe zum Teil als Wurfgeschosse eingesetzt.

In vielen Städten fanden weltweit aus Anlass des Klimagipfels Kundgebungen statt. Tausende Teilnehmer gab es in London, Berlin und Madrid, Sydney und Seoul, später auch in Rio de Janeiro, New York und Mexiko.

Früher Verhandlungsstart

In Le Bourget nördlich von Paris nahmen tausende Delegierte am Sonntag – einen Tag früher als geplant – die Verhandlungen über das geplante Klimaabkommen auf. Der französische Präsident François Hollande empfing Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon im Elysée-Palast und appellierte an die Konferenzteilnehmer, ein "verbindliches" Abkommen zu schließen. Sonst werde es "nicht glaubwürdig" sein, mahnte der französische Präsident, nachdem er in den letzten Wochen mehrfach erklärte hatte, ohne verbindliche Wirkung werde es gar kein Abkommen geben.

Aus Konferenzkreisen verlautete, in dem 50-seitigen Schlussdokument seien noch mehrere hundert Passagen oder Worte offen. Umstritten ist sogar, ob es als "Vertrag" bezeichnet werden soll. Die amerikanische Delegation lehnt dies ab. Sie stellt sich auf den Standpunkt, nur der US- Senat könne verbindliche Klimazusagen beschließen. Angestrebt wird ein Abkommen mit Maßnahmen, die die Erderwärmung bis zum Jahrhundertende auf zwei Grad limitieren sollen

Straßensperren in Paris

Heute Montag werden bis zu 150 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in Paris erwartet. Darunter sind die Spitzen aller Großmächte wie der USA, Chinas oder Russlands. Um sie von den beiden Pariser Flughäfen Roissy und Orly rasch in ihre Botschaften und zur Klimakonferenz zu transportieren, wird die Pariser Polizei mehrere Autobahnzubringer und Pariser Verkehrsachsen schließen.

Hunderttausende Berufspendler wurden aufgefordert, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen. Am Wochenende hieß es gar, die Pariserinnen und Pariser sollten am Montag besser zu Hause bleiben. (Stefan Brändle, 29.11.2015)

  • "Paris marschiert fürs Klima" – eine Aktion der NGO Avaaz in Paris. Demonstrationen sind untersagt.
    foto: ap/cipriani

    "Paris marschiert fürs Klima" – eine Aktion der NGO Avaaz in Paris. Demonstrationen sind untersagt.

  • Der schmelzende Planet als Eiskugel in Berlin.
    foto: afp/macdougall

    Der schmelzende Planet als Eiskugel in Berlin.

  • Die Polizei setzte Tränengas ein.
    foto: ap/christophe ena

    Die Polizei setzte Tränengas ein.

  • Nonnen demonstrieren in Südkorea.
    foto: reuters/kim-hong ji

    Nonnen demonstrieren in Südkorea.

  • Demonstration in Sydney.
    foto: reuters/reed

    Demonstration in Sydney.

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