Wie Vogelspinnen zu ihrem bezaubernden Blauton kamen

29. November 2015, 11:39
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Auffälliger Farbton entwickelte sich mindestens achtmal unabhängig voneinander – und keiner weiß, wozu eigentlich

Akron – Was an manchen Vogelspinnenarten auffällt – soferne man es bei ihrem Anblick schafft, neben ihrer schieren Größe und Haarigkeit noch etwas anderes wahrzunehmen -, ist, dass sie einen strahlenden Blauton aufweisen. Dieser entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch mehrschichtige Nanostrukturen auf den dichten Haaren der Spinnen. Was es damit auf sich hat, haben US-Forscher nun näher untersucht.

"Obwohl Vogelspinnen acht Augen haben wie die meisten anderen Spinnen, ist ihr Sehvermögen sehr beschränkt", schreiben Bor-Kai Hsiung von der University of Akron, Ohio, und Kollegen im Journal "Science Advances". Doch sowohl die Sehschärfe als auch die Wahrnehmungsfähigkeit für blaue Wellenlängen sei gering. Warum also blau?

foto: michael kern, www.thegardensofeden.org

Um dem auf den Grund zu gehen, untersuchten Hsiung und Kollegen 53 von mittlerweile 131 bestimmten Gattungen der Vogelspinnen-Familie (Theraphosidae). Mit Hilfe von Reflektions-Spektroskopie und Elektronenmikroskop-Techniken fanden sie heraus, dass die blauen Haare diverser Vogelspinnen-Spezies jeweils verschiedene Strukturen aufweisen: Sowohl die äußere Haarform als auch die darunter liegenden Nanostrukturen unterscheiden sich.

So seien manche Härchen glatt, andere wie von Längsröhren umlagert, schreiben die Forscher. Die winzigen Nanostrukturen weisen demnach eine schwammförmige Ordnung auf oder sie liegen in mehreren Schichten übereinander. "In mindestens acht Fällen entwickelte sich die blaue Farbe bei Vogelspinnen unabhängig voneinander." Zugleich sei das Blau bei allen untersuchten Spinnen überraschend ähnlich. Für die Forscher ist dies ein interessantes evolutionäres Modell der Farbentwicklung – unterschiedliche Wege, identische Wirkung.

foto: tom patterson / b.-k. hsiung, uakron / d. deheyn. uc san diego (sio)

Das Wie ist damit weitgehend geklärt – das Warum bleibt jedoch offen. Die meisten blauen Vogelspinnen leben im Unterholz von Tropenwäldern. Dort dominiert der gelb-grüne Bereich des Spektrums. Da viele Tiere – auch Fressfeinde – in dem Lebensraum gelb-grün gut erkennen könnten, sei es für Spinnen weniger günstig, in dieser Farbe zu strahlen.

Dass die intensive Farbe wie etwa bei Schmetterlingen oder Vögeln bei der Partnerwahl eine Rolle spielen könnte, schließen die Forscher aus. Vogelspinnen, bei denen nur Teile des Körpers blau gefärbt sind, würden ihre strahlenden Farben bei der Partnerwerbung gar nicht zeigen.

Interessant ist die farbliche Eigentümlichkeit auf jeden Fall für Bioniker: Dem Blau der verschiedenen nachtaktiven Spinnen ist nämlich auch gemeinsam, dass es zwar strahlt, aber kaum schillert. Diese Nanostrukturen im Labor nachzubauen, könnte deshalb dabei helfen, neue und energiesparende Weitwinkel-Farbdisplays für Smartphones oder Computer zu entwickeln, hoffen die Forscher. (APA, red, 29. 11. 2015)

  • Oben: Die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne (Chromatopelma cyaneopubescens). Ähnlich auffällig die unten und rechts im Text zu sehenden Exemplare der Ornamentvogelspinne Poecilotheria metallica.
    foto: michael kern, www.thegardensofeden.org

    Oben: Die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne (Chromatopelma cyaneopubescens). Ähnlich auffällig die unten und rechts im Text zu sehenden Exemplare der Ornamentvogelspinne Poecilotheria metallica.

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