Wahl in Burkina Faso: Mit Freude in die Ungewissheit

29. November 2015, 09:00
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Ein Jahr nach dem Ende der Diktatur fieberten vor allem die jungen Burkiner der Wahl entgegen

Tahirou Barry ist umringt von Studenten. Auf dem Campus der Universität von Ouagadougou hat er sich auf eine Bank in den Schatten gestellt, spricht ohne Mikrofon und erhält viel Szenenapplaus. Der 40-jährige Jurist erinnert daran, wie er hier selbst studiert hat. Und er spricht die Themen der jungen Menschen an: bessere Studienbedingungen, Jobs für Absolventen, Nutzung natürlicher Ressourcen. Falls er Präsident wird, würde er auf die Sonne setzen und Nuklearenergie ablehnen: "Wir sehen schon in entwickelten Ländern, dass es zu Unfällen kommt."

Barry ist einer der 14 Kandidaten, die sich bei den Wahlen am Sonntag, dem 29. November, für das höchste Amt im Staat bewerben. Zumindest bei den Jungen kommt er gut an. Diese Zielgruppe ist zwar wichtiger denn je, 65 Prozent der Einwohner sind jünger als 25 Jahre. Doch dass Barry echte Siegchancen haben könnte, gilt als unwahrscheinlich. Es fehlt an Geld und am Wiedererkennungswert. In der Hauptstadt Ouagadougou hängen nur wenige Wahlplakate mit seinem Gesicht. Er verfügt nicht über einflussreiche Netzwerke.

Langes Warten auf den Urnengang

Am sichtbarsten sind – trotz der breiten Ablehnung des alten Regimes – Männer wie Roch Marc Christian Kaboré. Er ist ein ehemaliger Premier. Ihm folgt Zéphirin Diabré, der schon Minister war, dann aber zur Opposition wechselte. Beide dürften über die größten finanziellen Ressourcen verfügen, die in einer Personenwahl extrem wichtig sind. Umfragen zufolge werden sie in eine Stichwahl einziehen. Das wäre in Burkina Faso eine Sensation.

Schließlich wurde das Land mit den knapp 19 Millionen Einwohnern, von denen nur 5,5 Millionen als Wähler registriert sind, 27 Jahre lang von ein und demselben Mann regiert. Als dieser, Blaise Compaoré, im Oktober 2014 sein Mandat via Verfassungsänderung ein weiteres Mal verlängern wollte, reichte es zehntausenden Menschen, und "der schöne Blaise", wie er genannt wird, musste gehen. Seither befand sich das Land im politischen Übergang. Während der Vorbereitungen für die Neuwahl kam es im September noch einmal zu einem Putsch einstiger Elitesoldaten, der aber eine Woche später wieder beendet war.

Ursache der Armut

Die Zeit des Übergangs, in der wenig weiterging, sind viele Leute leid. Auch Néya Péma, der Philosophie studiert, schüttelt den Kopf. "Früher habe ich mich immer gefragt, ob wir so arm sind, weil uns die Ressourcen fehlen. Heute weiß ich: Es liegt am Missmanagement unserer Politiker." Während viele seiner Studienkolleginnen und -kollegen entschieden haben, welchen Namen sie ankreuzen, ist Péma zurückhaltend. Die aussichtsreichsten Bewerber verkörpern seiner Meinung nach das alte Regime.

Klar ist, dass die Wirtschaft angekurbelt werden muss. Das Land ist eines der afrikanischen Armenhäuser. Im größeren Stil werden hauptsächlich Baumwolle, Erdnüsse und Sesam angebaut. Da es sich aber um einen Binnenstaat handelt, ist der Export schwierig.

Trotzdem spielt das Land regional eine wichtige Rolle. Die Nachbarländer Niger und Mali sind längst ins Visier von Terrorgruppen gerückt. Burkina Faso jedoch hat sich als Vermittlerstaat einen Namen gemacht. Expräsident Compaoré war in vielen Konflikten Mediator und versuchte sich so auch regional als unverzichtbar zu präsentieren. Genau das werfen ihm seine Kritiker vor: Wenn er sich mehr um sein Land gekümmert hätte, wäre dieses weiter. (Katrin Gänsler aus Ouagadougou, 29.11.2015)

  • Die Zukunft ist unsicher, das Vertrauen gering. Immerhin, so ein Slogan: "Kein Raub und keine Diktatur mehr".
    foto: reuters / joe penney

    Die Zukunft ist unsicher, das Vertrauen gering. Immerhin, so ein Slogan: "Kein Raub und keine Diktatur mehr".

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