Julya Rabinowich: Frau Winters Gespür für Schnee

1. Dezember 2015, 11:16
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Die parteilose Abgeordnete bekam als als Deus ex Machina einen prominenten Bruder im Geiste

Nachdem das Klima innerhalb der Partei für Susanne Winter doch noch unerwartet eisig wurde und die blaue Bruderschaft sie in die Wildnis der parteilosen Abgeordnetenlandschaft verstieß, war dennoch nicht alles verloren. Bekam sie doch als Deus ex Machina so unerwartet wie unverhofft einen prominenten Bruder im Geiste: Donald Trump, der nicht nur von der großen chinesischen Mauer zwischen Mexiko und den USA träumt (um syrische Flüchtlinge abzuhalten), sondern ebenso wie die wilde Abgeordnete auch ein streitbarer Ritter der Klimanuss ist.

Ob auch Trump Schafe im Central Park einführen wollte, um die Vergewaltigungsraten in der Stadt zu senken, ist zwar nicht bekannt. Den Klimawandel bezweifelt er aber ebenso wie Winter. Wobei Winter vielleicht wenigstens ihren Namen als Begründung für ihr Gespür für Schnee verwenden könnte. Donald Trump eher nicht.

Vielleicht könnte man diesen neuerdings immer öfter undefinierbaren Übergang zwischen glühendem Hochsommer und klirrendem Tiefwinter ja statt Herbst und Frühling einfach in Trump umbenennen: Diesen Trump hatten wir eigentlich vor, endlich einen Urlaub in Mailand zu buchen, bevor wieder der Trump kommt. Und wenn die Winter da ist, gehen wir sowieso Ski fahren!

Trumps Leugnung des Klimawandels hat aber vielleicht einfach nur handfeste, von Spindoktoren überlegte Gründe. Das Abstreiten des Klimawandels wäre durchaus etwas Entlastendes für die Industrie – sollte er denn tatsächlich Präsident werden. Was auch der Hintergrund für seine Überzeugung sein könnte: Für die USA, neben China der größte Klimasünder schlechthin, wäre das überhaupt eine schöne Überraschung und Erleichterung: Schaut her, doch noch alles paletti! Keine Änderungen des Lebenswandels nötig! Die Klimaanlagen bis zum Anschlag aufgedreht, die Autos angeworfen und die FCKW-Sprays hoch geschwungen in einem dreifachen Hurra! Trump hat als Beweis für die Inexistenz des Klimawandels auch wirklich schwere Argumentationsartillerie aufgefahren, die hunderte Experten in einem Aufwischen widerlegen soll.

Diese seine Erkenntnisse werden so effizient wie ungeniert per Twitter in die weite Welt geblasen: Es war ja letztens wirklich so richtig saukalt in New York. Eben! Wenn es die Welterwärmung geben würde, dann wäre es wohl nicht so frostig geworden! Die Klimalüge sei hiermit klar widerlegt.

So kann man die Probleme dieser Welt effizient und kostengünstig lösen, indem man sie negiert. Trump ist ebenso wie Winter übrigens ein weiterer Grund, auf die Vernunft der wählenden Mehrheit zu hoffen. Ein riskantes Unterfangen wie üblich. (Julya Rabinowich, 1.12.2015)

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