Handelsexperte, der sich überhoben hat

27. November 2015, 16:14
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Mehrheitseigentümer Georg Pfeiffer bezeichnet Zielpunkt als Fass ohne Boden. Er habe das Ruder nicht mehr herumreißen können

Noch im Oktober habe er in einer Zielpunkt-Filiale mitgearbeitet, sagt Georg Pfeiffer. Da muss er allerdings das dräuende Desaster der Lebensmittelkette schon gespürt haben. Immer hat er gesagt, dass 2015/16 Schicksalsjahre für Zielpunkt sind und dass dann der Turnaround geschafft sein sollte. Jetzt sagt er: "Zielpunkt ist ein Fass ohne Boden" – und schickt die Kette in die Insolvenz.

Der heute 49-Jährige ist ausgewiesener Handelsexperte, hineingeboren in eine traditionsreiche oberösterreichische Händlerfamilie. Vor 150 Jahren gründete Ururgroßvater Georg Pfeiffer in Linz-Urfahr ein Kolonialwarengeschäft. Bald spezialisierte sich dieser auf die Belieferung anderer Händler und übersiedelte nach Traun, wo bis heute der Sitz der Pfeiffer Handelsgruppe ist.

In 5. Generation

Der Georg Pfeiffer von heute leitet das Unternehmen in der fünften Generation. Er studierte Betriebswirtschaft an der Linzer Johannes-Kepler-Universität und trat mit 25 Jahren in das Unternehmen ein, da führte es noch die starke Mutter Maria. Der Vater, Hilmar, war früh gestorben. Ab 1993 wird er geschäftsführender Gesellschafter.

Immer wieder kann er Erfahrung mit maroden Lebensmittelhandelsketten sammeln. Vor allem die Übernahme von 25 Konsum-Filialen, die er ab 1995 als Nah&Frisch-Eigenfilialen weiterführt, geht durch die Medien. Auf der Pfeiffer-Homepage bezeichnet er diese Entscheidung als Fehler: "Übernahme und Strukturaufbau kosteten sehr viel Geld." Und weiter "Ein Beispiel ..., wie wir es sicher nicht mehr machen werden."

Aktiver Aufsichtsratschef

Pfeiffer, der schon 2002 aus eigenem Antrieb Aufsichtsratschef wird und diese Position sehr aktiv ausfüllt, ist naturgemäß ein Kenner der heimischen Handelsszene. In einem Interview mit dem Handelsmagazin A2Boom vor einem Jahr sagte er, dass ihm ein existenzbedrohender Bauchfleck bisher erspart geblieben sei; doch dass es nirgendwo in der Welt einen so beinharten Wettbewerb im Handel gebe wie in Österreich.

Der Gitarrenspieler und Vater von zwei halbwüchsigen Kindern bezeichnete sich als zu gutmütig: "Ich lasse mir manchmal zu viel gefallen, statt rechtzeitig dazwischenzufunken", sagte er vor vielen Jahren dem Wirtschaftsblatt. Er liebt Reisen, vor allem in die USA, und hat ein Faible für Oldtimer, vor allem Cadillacs der 1950er-Jahre. Überhaupt ist er ein Fan dieser Zeit: Ihm gefällt der Optimismus der 50er mit ihrer Aufbruchstimmung und Unbekümmertheit. Johanna Ruzicka (27.11.2015)

  • Georg Pfeiffer schickt Zielpunkt in die Insolvenz.
    foto: apa/techt

    Georg Pfeiffer schickt Zielpunkt in die Insolvenz.

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