Nach Paris-Terror: Italien will Konsolen und Chats abhören

27. November 2015, 14:53
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Justizminister: "Es gibt keinen Kommunikationsbereich, der sich den Ermittlungen entziehen darf"

Im Kampf gegen den fundamentalistischen Terrorismus will Italien stärker auf Abhörungen setzen. Nicht nur Telefongespräche, sondern auch PlayStations, Chatlines und Programme zum Herunterladen von Musik sollen unter die Lupe genommen werden, denn über diese Kanäle können Terroristen Informationen austauschen, berichtete Italiens Justizminister Andrea Orlando.

Einsatz von Übersetzern geplant

Laut Orlando müsse der Kampf gegen den Fundamentalismus den neuen Technologien angepasst werden. Wichtig sei bei den Ermittlungen auch der starke Einsatz von Übersetzern, die die Sprachen der Fundamentalisten beherrschen. "Es gibt kein Kommunikationsbereich, der sich den Ermittlungen entziehen darf", sagte der Minister. Auch Telekommunikationsunternehmen sollen bei Untersuchungen ihren Beitrag leisten.

Die Worte des Ministers lösten hitzige Diskussionen aus. Laut dem Experten Antonello Soro müsse das in der Verfassung verankerte Recht auf Schutz der Privatsphäre mit dem kollektiven Sicherheitsrecht in Einklang bleiben. Angesichts der Terrordrohung sei dies jedoch nicht einfach, gab er zu.

Italien verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Italien hat nach den Anschlägen in Paris die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Angesichts der erhöhten Terrorgefahr sollen zusätzliche 2.000 Soldaten und Polizisten in Rom während des am 8. Dezember beginnenden Jubiläumsjahres zum Einsatz kommen. Metalldetektoren sollen im Kolosseum aufgestellt werden. Ab Dezember werden sich Touristen, die Roms Wahrzeichen besuchen wollen, Sicherheitskontrollen unterziehen müssen. (APA, 27.11.2015)

  • Italiens Justizminister hat es auch auf PlayStations abgesehen.
    foto: reuters

    Italiens Justizminister hat es auch auf PlayStations abgesehen.

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