Stilverwandtes Plagiatspärchen

27. November 2015, 17:18
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Auch Firmenmarken machen im Falle der Werkstätte Hagenauer aus Plagiaten noch kein Original

Fantastische Umsätze, Rekordzuschläge und passable Verkaufsquoten gehören in der Auktionsbranche zu den Erfolgskoordinaten. Ganz so, wie es diese Woche das Dorotheum und "im Kinsky" mit ihren Versteigerungen zelebrierten. In seltenen Fällen kann aber auch ein Nichtverkauf als Triumph gewertet werden. So geschehen im Zuge der aktuellen Jugendstilauktion im Kinsky.

Das als Lot Nummer 329 angepriesene Paar Profilköpfe (1000- 14.000 Euro) hat nämlich einen Makel, konkret handelt es sich um keine Objekte der Werkstätte Hagenauer. Im Stil mögen sie entfernt daran erinnern, im direkten Vergleich zu Originalen ist die Ausführung jedoch mangelhaft. Auch von den an der Plinthe angebrachten Werkstattmarken ("Hagenauer Wien", "WHW" im Kreis) darf man sich nicht täuschen lassen.

Es sind Plagiate, die vermutlich nach der Schließung der Werkstätte Ende 1987 entstanden und somit keiner autorisierten Produktionsepoche entstammen. Das belegen Forschungsergebnisse von Metallrestauratoren und Kunsthistorikern in den letzten zehn Jahren und seit kurzem auch das im Museum für angewandte Kunst (Mak) verwahrte Firmenarchiv.

Neue Forschungsergebnisse

Dieser Typ ist in den Kalkulationsbänden, die die komplette Produktpalette der Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren, nicht verzeichnet. Das einzig vergleichbare Modell unterscheidet sich in wesentlichen Details.

Im Kinsky, wo man im Oktober 2014 einen Hagenauer-Teilnachlass versteigerte und über einen Private Sale das Archiv an das Mak vermittelte, war man sich des Problems, eingedenk erwähnter Forschungsbilanz, bewusst. "In der Art der Werkstätte Hagenauer" lautete der halbherzige Versuch, sie nicht als Originale zu deklarieren.

Es scheint, als ob man sich in einer Zwickmühle befand, die STANDARD-Recherchen zufolge im März 1996 ihren Ausgang genommen haben wird. Damals versteigerte man, noch unter "Wiener Kunst Auktionen" firmierend, dieses Pärchen als Skulpturen von Franz Hagenauer. Geschätzt auf 140.000 bis 180.000 Schilling, fand es zur oberen Taxe (umgerechnet 13.000 Euro) einen Käufer, der jetzt wohl als Einbringer fungierte.

Ob, wie im Katalog aktuell ebenfalls angeführt, tatsächlich ein Mitglied der Familie diese Köpfe produzierte und mit Werkstattstempeln markierte, ist nicht erwiesen. Gesichert ist, dass der unbekannte Plagiator vom Hagenauer-Ruhm profitieren wollte. (kron, Album, 27.11.2015)

  • Vom Publikum ignoriert: Profilköpfe in der Art Hagenauer.
    foto: im kinsky

    Vom Publikum ignoriert: Profilköpfe in der Art Hagenauer.


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