Hausverlosungen: Kurzer Boom mit kreativen Nachahmern

29. November 2015, 12:00
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Zuletzt machten Verknüpfungen mit Aufsatzwettbewerben oder Verlosungen zugunsten karitativer Zwecke die Runde

Im Jänner 2009 fand in Klagenfurt die erste österreichische Hausverlosung statt – und gleichzeitig die bisher erfolgreichste. Eine Klagenfurterin verloste ihre Villa, verkaufte dafür 9999 Lose zum Preis von je 99 Euro. Das mediale Interesse, auch international, war enorm.

Danach wollten zumindest mehrere Dutzend potenzielle Verkäufer in Österreich auf diesen Zug aufspringen, doch schon bald flaute das Interesse ab, zahlreiche Nachahmer blieben auf ihren Losen sitzen. Außerdem stellten sich rechtliche Fragen.

Für Private nur einmal möglich

Die Notariatskammer warnte in der Folge ihre Mitglieder vor rechtlichen Risiken und empfahl, keine Verlosungen mehr durchzuführen. Die Frage, ob es sich um illegales Glücksspiel handelte, wurde später vom Finanzministerium geklärt: Hausverlosungen seien unbedenklich, sofern man als Privatperson eine solche nur ein einziges Mal vornehme, hieß es.

2013 stellte dann auch der Verwaltungsgerichtshof klar, dass die 3,5-prozentige Grunderwerbsteuer nicht vom dreifachen Einheitswert, sondern vom Erlös aus dem Losverkauf zu bezahlen sei.

Kreativ weitergedacht

Seither machten vor allem kreativ weitergedachte Hausverlosungen Schlagzeilen: In Deutschland wollte 2013 ein Ehepaar seine Wohnung in einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen (Schätzwert: 150.000 Euro) "verschenken" – an einen Glücklichen, der zuvor allerdings auf einer eigens eingerichteten Website Werbefläche kaufen musste. Die Website existiert nicht mehr. Beim "Rock Spring Farm Essay Contest" wird eine ganze Farm im US-Bundesstaat Virginia verlost – an denjenigen, der den besten Essay einschickt, zusammen mit einer Teilnahmegebühr von 200 Dollar. Der Einsendeschluss wurde schon mehrmals nach hinten verschoben, aktuell ist er angeblich am 30. November.

Und auch eine Österreicherin wollte im vergangenen September die Hausverlosung wiederbeleben: Eine südafrikanische Villa sollte zugunsten eines Fonds für krebskranke Kinder verlost werden. 9999 Lose zu je 119 Euro sollten verkauft werden. Wie es aus dem Büro der involvierten Treuhänderin, der Grazer Anwältin Christa Kohl-Rupp, zum STANDARD heißt, hat sich die Treuhandschaft aber erübrigt: Wegen zu geringen Interesses wurde die Verlosung bis auf Weiteres abgesagt. (mapu, 29.11.2015)

  • Diese Villa in Kapstadt, Südafrika, sollte im Rahmen einer Tombola verkauft werden, der Reingewinn sollte an den "Little Fighters Cancer Trust" in Kapstadt fließen. Aus der Verlosung wurde bisher nichts.
    foto: 123property/3sixty photography

    Diese Villa in Kapstadt, Südafrika, sollte im Rahmen einer Tombola verkauft werden, der Reingewinn sollte an den "Little Fighters Cancer Trust" in Kapstadt fließen. Aus der Verlosung wurde bisher nichts.

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