Wintereinbruch: Immer weniger Flüchtlinge erreichen Österreich

27. November 2015, 13:03
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Erstmals im November fällt die Zahl der Neuankömmlinge unter 3.000 am Tag

Wien – In Österreich kommen immer weniger Flüchtlinge an. Erstmals seit Monatsbeginn treffen nun weniger als 3.000 Menschen am Tag ein. In Kärnten kamen am Donnerstag 1.800 Menschen und am Freitag 900 Menschen an, weitere 400 wurden noch erwartet. In der Steiermark trafen am Donnerstag und Freitag gar keine Flüchtlinge ein. Die Polizei rechnet auch in den kommenden Tagen mit wenigen Ankünften.

Grund für den Rückgang ist vor allem der Wintereinbruch auf der Balkanroute. Auch in Slowenien, Kroatien und Serbien ging die Zahl der Ankommenden zurück. In Griechenland sorgte indes die Sperre Mazedoniens für alle Flüchtlinge, die nicht aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan stammen, an der Grenze für Verzweiflung.

Sammelstellen leer

Seit Mittwochabend ist es an der südsteirischen Grenze weder in Spielfeld noch in Bad Radkersburg zu Ankünften von Flüchtlingen gekommen. Seit Donnerstag, 1.00 Uhr, blieben die Sammelstellen leer, teilte die Landespolizeidirektion Steiermark am Freitag mit. Die entspannte Situation werde zum Reinigen der beheizten Zelte genutzt. Es werden bis auf Weiteres keine Ankünfte erwartet, so die Polizei.

Auch in Kärnten ist die Zahl der ankommenden Flüchtlinge in den vergangenen Tagen deutlich kleiner geworden. Waren es am Wochenende noch rund 3.200 Personen, die jeden Tag von Slowenien nach Kärnten kamen und von dort aus weitertransportiert wurden, so waren es am Mittwoch 2.200 und am Donnerstag 1.800. "Am Freitag sind in der Früh 900 Flüchtlinge mit Bussen und einem Zug in Kärnten angekommen, sie reisten gleich weiter", sagte Polizeisprecher Michael Masaniger der APA. Geplant ist am Freitag nur noch ein weiterer Transport mit rund 400 Flüchtlingen. "Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Tagen immer weniger Flüchtlinge nach Kärnten kommen werden", so Masaniger.

Ähnlich wie in Österreich stellt sich die Lage auf dem Balkan dar. Im Nachbarland Slowenien trafen am Donnerstag nur 1.742 Menschen ein – so wenig wie zuvor nur an einem einzigen Tag, seit das Land Mitte Oktober zum Haupttransitland für die Schutzsuchenden wurde.

Kein Zutritt an mazedonischer Grenze

Auch in Mazedonien – das als Flaschenhals auf der Durchreise der Flüchtlinge nach Norden gilt – trafen am Donnerstag nur mehr 2.724 Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak ein. Andere Asylsuchende aus Bürgerkriegsländern wie Somalia und dem Kongo, aber auch aus Bangladesch und Pakistan, wird von den mazedonischen Behörden der Übergang verwehrt.

Am Grenzübergang Idomeni/Gevgelija hatten am Donnerstag Flüchtlinge, die nicht durchgelassen wurden, Grenzbeamte mit Steinen beworfen. Die Sicherheitskräfte am Grenzübergang wurden laut dem Internetportal "24vesti" nach dem Zwischenfall aufgestockt. Hilfsorganisationen warnen nun, im Winter drohe den dort lagernden Schutzsuchenden eine humanitäre Notlage.

Der Rückgang wirkt sich auch in Deutschland aus, wohin der Großteil der in Österreich ankommenden Flüchtlinge weiterreist. Im Nachbarland sind am Donnerstag so wenig Flüchtlinge angekommen wie bisher an keinem anderen Tag im November. Wie ein Sprecher der Bundespolizei laut der Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Potsdam sagte, wurden am Vortag insgesamt 6.561 Migranten festgestellt, davon 5.299 in Bayern. Die Zahlen sind höher als die in Österreich, weil sie auf Kontrollen in Grenznähe beruhen, in denen mehr Menschen erfasst werden, und auch aus Italien anreisende Flüchtlinge in Deutschland eintreffen. (APA, 27.11.2015)

  • Ein Flüchtling vor wenigen Tagen auf dem Weg in die Sammelstelle nahe Spielfeld. Derzeit ist sie leer.
    foto: apa/erwin scheriau

    Ein Flüchtling vor wenigen Tagen auf dem Weg in die Sammelstelle nahe Spielfeld. Derzeit ist sie leer.

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    grafik: apa
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