Schuhschneeketten für den "wirklich nicht ungefährlichen Abstieg"

29. November 2015, 15:00
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Für den Alltag oder Wandern bei winterlichen Bedingungen bieten sich Schuhschneeketten von Yaktrax an

Ob ich die Dinger denn wirklich brauche, wollten Sarah Enemoser und Nicole Jäger wissen – und lachten. Freilich: Nur ein bisserl – schließlich sind Ennemoser und Jäger Pressebetreuerinnen des Ötztaler Tourismusverbandes. Und wenn in der Jobdescription eines Tourismus-PR-Menschen ein Ding als No-Go in 48-Punkt-Fettdruck steht, dann ist das Journalistenverhöhnen. Ganz egal, wie doof sich Presseleute auch anstellen.

foto: thomas rottenberg

Doch die beiden Damen kennen mich schon ein bisserl länger (zuletzt war ich bei der James-Bond-Premiere im Ötztal ihr Gast). Die wissen daher, dass ich es mir gerade noch zutraue, eine etwa 20-minütige Nacht- und vor allem Schneewanderung im tatsächlich schon fast malerisch verschneiten Hochgurgl ohne "Schneeketten" zu überleben. Erst recht, wenn an der "Wanderung" auch italienische und norddeutsche Kollegen teilnehmen, die schon das Mitfahren im Komfort-Passagiercontainer auf einem Pistenbully für einen waghalsigen Stunt ("Das ist schon ein bisserl extrem, oder?", "Mann , das geht hier aber krass zur Sache.", "Pericoloso?") halten: Wir waren in Obergurgl, um neben der Saison auch ein alpines Motorradmuseum zu eröffnen – und am ersten Abend ging es zur noch gar nicht eröffneten, ganz neu errichteten "Schönwieshütte" am Fuße der Hohen Mut.

Aktivierte Schuh-Schneeketten

"Feste Schuhe" war da in der Einladung gestanden – und dass meine leichten Bergschuhe mehr als ausreichend sein würden, war angesichts des Settings irgendwie klar. Andererseits: Wenn ich schon mit einem Kettenfahrzeug fahren würde, könnte ich doch auch die seit immer ungenutzt herumliegenden "Yaktrax Pro" Schuh-Schneeketten endlich ausprobieren. Ich hatte die Teile vor rund drei Jahren geschenkt bekommen – und sie nie verwendet: Eben weil ich mit festen Schuhen das Auslangen finde – in der Stadt sowieso. Und am Berg eigentlich auch: Wenn, dann lege ich ordentliche Steigeisen an. Dort, wo es nötig ist.

foto: thomas rottenberg

Aber Yaktrax wollen auch gar nicht hochalpin verwendet werden: die mit einem 1,4 Millimeter dickem Draht aus Stahl spiralförmig umwickelten Überzieh-Gummibänder, wollen und sollen eigentlich im winterlich-rutschigen Alltag für mehr Traktion sorgen. Also etwa für Grip auf niedergetreten-festem Schnee oder auf eisigem Untergrund. Sowohl in zivilisiert-urbanen als auch sportlichen Umfeldern.

Genau das tun sie auch absolut zufriedenstellend: (Hotel)Parkplätze zum Beispiel können im Winter rasch ziemlich blöd zu begehen sein: Wo zwei Autos den Schnee zusammengepresst haben, muss man auch als mobiler und gut beschuhter Fußgänger ohne Alters- oder anderes Handicap aufpassen. Und eisige Gehsteige und Wege haben Haxenbrecherpotenzial. Speziell für ältere Menschen.

Stabiler Stand

Yaktrax setzt genau hier an. Man bietet aber auch Modelle an, die auch fürs Laufen, Wandern und (leichtes) Bergsteigen gedacht sind. Und wenn ich von meinem Test mit dem rund 70 Gramm leichten Pro-Modell auf die vom Konzept ähnlich konzipierten anderen Versionen schließen darf (und was ich aus anderen Testberichten herauslese), erfüllen die Teile ihren Dienst recht gut: Ich stand stabil und fest – und der Schnee "stollte" auch nicht, presste sich also nicht an, in und über die Kette/Spirale.

Schwieriger Einstieg

Freilich: Das Anlegen der Gummiteile ist nicht ganz so einfach, wie es die Hersteller behaupten. Logisch: Ein bisserl Zug muss so ein Gummiband schon haben, damit es an der Sohle bleibt – und da kann man sich erstens dreckig machen und zweitens die Finger einzwicken. Und ob das Basismodell (ohne dem Klettband des "Pro" über den Mittelfuß) nicht doch sehr lose an der Sohle hängt, will ich nur mal so in den Raum stelle.

foto: thomas rottenberg

Die Schneekette dort anzulegen, wo man sie noch nicht braucht – im Innenraum – ist einfacher und bequemer. Aber: wer mit dem harten Draht am Fuß über einen Holz- oder Steinboden geht, sollte sich vorher überlegen, ob die "Kette" da nicht dauerhafte Spuren hinterlassen wird.

foto: thomas rottenberg

Andererseits ist das Überstreifen im Freien, im und am hart-rutschigen Boden, dann ein Balanceakt: Wer das ohne Hinsetzen schafft, ist – vermutlich – gewandt und ausbalanciert genug, auch ohne die Yaktrax seines Weges zu gehen.

foto: thomas rottenberg

Freilich: Dass man mit den Teilen deutlich weniger rutscht, spüren dann auch all jene sofort, die die Dinger eigentlich nicht brauchen – und sich nach dem Spaziergang dann fragen, wo sie die nassen Dinger so zum Trocknen hinhängen sollen, dass sie zum einen nicht alle Jacken einsauen, man sie zum anderen am Heimweg dann aber auch nicht vergisst.

foto: thomas rottenberg

Freilich: diese letzten Bedenken hätte ich mir sparen können. Denn als wir uns nach dem Probeessen auf der Schönwieshütte auf den kleinen Spaziergang über einen verschneiten Ziehweg zurück zum Pistenbully-Pick-Up-Platz machten, fragten mich ein paar Kollegen aus den Nachbarländern, ob ich ihnen meine "Steigeisen" für den "wirklich nicht ungefährlichen Abstieg im hochalpinen Gelände" überlassen würde.

Ich grinste nur innerlich: Sich sicher fühlen ist immer subjektiv – und was wirkt, das gilt. Thomas Rottenberg, 29.11.2015)

Den Yaktrax Pro findet man online ab etwa 25€, das Basismodell "Walker" ab 16€. Die Modelle "Run" und "XTR" gibt es ab 34€ (respektive 51€): "Run" hat am Fußballen eine kleine Spike-Platte, der XTR hat Spikes sowie unter dem Ballen und an der Ferse kleine Anti-Stoll-Platten.

www.yaktrax.com

Der Aufenthalt in Hochgurgl war eine Einladung des Ötztaltourismus.

  • Im Sinne der Compliance-Regeln des STANDARD halten wir dazu fest: Die getesteten Teile wurden und werden uns in der Regel von den Herstellern und/oder ihren PR-Agenturen für einen beschränkten Zeitraum zur Verfügung gestellt.
    Andernfalls – etwa bei von Freunden Geborgtem, selbst Gekauftem, aus logistischen, verschleiß- oder verschmutzungstechnischen Gründen nicht Refundierbarem oder Dingen, die uns so gut gefallen, dass wir sie nicht mehr hergeben können/wollen, wird dies im Artikel angeführt.

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