Klimaschutz studieren

30. November 2015, 08:58
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Der Bedarf an Umweltexperten steigt. Das Angebot an Studiengängen, die Interessenten für diese Jobs ausbilden sollen, boomt

Um dem Klimawandel beizukommen, bedarf es Bewusstsein, Veränderungswillen – und Fachkräfte mit dem nötigen Know-how. Um sie auszubilden, haben österreichische Bildungsinstitutionen in den vergangenen Jahren eine Reihe von Studienangeboten geschaffen.

So kann man beispielsweise an der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) das Fach "Umwelt- und Bioressourcenmanagement" studieren. Die Nachfrage ist groß: Das Programm, gestartet im Herbst 2003 mit 55 Studierenden im Bachelor und drei Studierenden im Master, ist mittlerweile zur größten Studienrichtung der Boku avanciert. Insgesamt sind dafür nach Angaben der Universität derzeit 2500 Personen inskribiert, davon 2000 im Bachelor und 500 im Master. Also mehr als ein Fünftel der gesamten 13.000 Boku-Studierenden.

Das Angebot an Lehrveranstaltungen ist breitgefächert. Von Umwelttechnik bis hin zur Umweltpolitik ist alles dabei", sagt Studienprogrammleiter Hermann Peyerl. Im Master können sich Studierende spezialisieren, etwa auf Klima, Boden oder Mobilität und Verkehr.

Klimaschutz studieren

Das steirische Pendant heißt Umweltsystemwissenschaften, ein Bachelor- und Masterstudienprogramm der Universität Graz in Kooperation mit der Technischen Uni Graz. Auch hier sind Spezialisierungen wählbar: Betriebswirtschaft, Geografie, Volkswirtschaftslehre, nachhaltigkeitsorientiertes Management.

Auch an der Uni Graz scheint der Studiengang nach eigenen Angaben zu den beliebtesten zu zählen, die Zahl der Inskriptionen steigt stetig an: Während sie beim Start des Programms im Herbst 2006 noch 779 betrug, gab es für das aktuelle Wintersemester 1967 Anmeldungen.

Die Uni Innsbruck hat seit Herbst 2007 ein Masterstudium "Geographie: Globaler Wandel – regionale Nachhaltigkeit" im Angebot: Die Studierendenzahl stieg seitdem von 14 auf 156 an. Die Uni Wien hat 2012 das Masterprogramm Environmental Sciences eingeführt.

Ausbildungsprogramme

Die österreichischen Fachhochschulen – wie etwa die FH Oberösterreich, die FH Burgenland, die FH Joanneum und die FH Kärnten – bieten ebenfalls Studien im Bereich Energieumweltmanagement an.

Am MCI – Management Center Innsbruck können sich Studierende berufsbegleitend im Bereich Umwelt- und Energietechnik ausbilden lassen. Ebenso an der FH Technikum Wien; an der FH Kärnten fokussiert ein Bachelorstudium "Geoinformation und Umwelttechnologien".

Weiterbildungsinstitute offerieren Qualifikationsprogramme. Beispielsweise können Baumeister oder Architekten am Wifi Wien im Bereich nachhaltiges Bauen Zertifikate erwerben. Das BFI bietet eine Ausbildung zum Abfallbeauftragten.

Gute Jobchancen

Die Jobchancen für jene, die einschlägige Aus- und Fortbildungen hinter sich gebracht haben, sind gut. Regelungen wie die Umweltnorm ISO 14000, das Umweltzertifikat der Europäischen Union oder das österreichische Abfallwirtschaftsgesetz würden Unternehmen zum Umdenken drängen – und so zu neuen Beschäftigungsmöglichkeiten in der Branche führen, heißt es in der Berufsinformationsbroschüre des Arbeitsmarktservice (AMS).

In der Industrie sollen Fachkundige etwa als "Umweltmanager" betriebliche Abläufe bezüglich ihrer Umweltverträglichkeit verbessern, indem sie Umweltverträglichkeitsprüfungen entwickeln und Instrumentarien zur Analyse und Verbesserung der Ökobilanzen der Unternehmen implementieren. Als Umweltbeauftragter sind sie für deren umweltgerechten Betrieb, vor allem im Produktionsbereich, verantwortlich. Sie erstellen beispielsweise Sanierungskonzepte für belastete Böden und Gewässer. Sie beraten die Geschäftsführung, führen Produktionskontrollen durch und kommunizieren mit Behörden und Umweltschutzinitiativen.

Ein weiteres Beschäftigungsfeld für Umweltexperten ist der öffentliche Sektor: Umweltverbände und Infrastrukturträger brauchen Experten für Klima- und Umweltschutz. Ebenso Forschungsanstalten und -institute.

Was gesucht wird

Wichtiger wird laut AMS vor allem der Bereich des technischen Umweltschutzes. René Sturm von der Abteilung Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation: "Berufe mit höheren Qualifikationen wie Umweltanalytiker und Umwelttechniker können hier mit wachsenden Beschäftigungsmöglichkeiten rechnen."

Umwelttechniker sorgen für die technische Umsetzung von Umweltschutzauflagen und Maßnahmen, Umweltanalytiker untersuchen die Art und die Konzentration von Schad- und Giftstoffen in der Umwelt.

Ebenso gute Aussichten auf einen Job haben laut Sturm Entsorgungs- und Recyclingfachleute.

Der gute Rat: Wer schon während des Studiums durch Praktika Erfahrung sammelt, hat im Bewerbungsprozess bessere Chancen. Ebenso essenziell seien Projektmanagementkenntnisse und die Fähigkeit, gut im Team arbeiten zu können, sagt Sturm. Immer stärker verlangt würden auch Flexibilität, Reisebereitschaft und Fremdsprachenkenntnisse. (Lisa Breit, XX.XX.2015)

  • Bio- und Ressourcenmanagement an der Boku ist quasi das neue Politikwissenschaft: Seitdem das Studienprogramm 2003 startete, verfünfzigfachte sich die Studierendenanzahl beinahe.
    foto: ap/franka bruns

    Bio- und Ressourcenmanagement an der Boku ist quasi das neue Politikwissenschaft: Seitdem das Studienprogramm 2003 startete, verfünfzigfachte sich die Studierendenanzahl beinahe.

  • Auch die Jobchancen nach dem Studium sind gut. Umwelt- und Klimaexperten werden in der Industrie und im öffentlichen Sektor gesucht. Besonders gefragt sind Umweltanalytiker, Umwelttechniker, Entsorgungs- und Recyclingfachleute.
    foto: dpa/ina fassbender

    Auch die Jobchancen nach dem Studium sind gut. Umwelt- und Klimaexperten werden in der Industrie und im öffentlichen Sektor gesucht. Besonders gefragt sind Umweltanalytiker, Umwelttechniker, Entsorgungs- und Recyclingfachleute.

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