Handel will sich nicht mehr vor Online fürchten

Ansichtssache27. November 2015, 12:54
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Die Retailbranche traf sich auch heuer wieder in Cannes auf der Mapic. Eine Auswahl von Nominierten und Gewinnern der heurigen Mapic-Awards.

foto: mapic/reed midem

Zweimal im Jahr rückt das Palais des Festivals in Cannes ins Zentrum der Immobilienbranche: im Frühjahr mit der Mipim, im Herbst mit der Handelsimmobilienmesse Mapic, die vor kurzem zu Ende ging. Die Stimmung war heuer aufgrund der Terroranschläge in Frankreich getrübt, wie Besucher berichten. Zahlreiche Teilnehmer haben abgesagt.

Dem Investmentmarkt geht es aber gut: Die Nachfrage sei derzeit größer als das Angebot, berichtet Walter Wölfler von CBRE. Trotz höherer erzielbarer Renditen in Zentral- und Osteuropa würden "klassische Investoren" weiterhin auf Produkte in Westeuropa (sowie in Tschechien und Polen) setzen: "Diese Investoren wollen ihre Objekte jederzeit wieder verkaufen können. Die Möglichkeit sehen sie in Bukarest noch nicht."

Der Gewinner des Mapic-Awards in der Kategorie "Best Redeveloped Shopping Centre": Das Alegro Setúbal in Lissabon. Architekten: Atelier José Vaz Pires / Sua Kay Architects

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Aufgrund des mangelnden Angebots steige die Nachfrage nach alternativen Retailobjekten wie Fachmarktzentren, Hybriden und Design-Outlets. Zudem werden laut einer Aussendung von EHL Immobilien auch Investments in den Einkaufsstraßen immer beliebter, besonders in Städten wie Wien, Berlin oder Paris. Damit erlebe die Einkaufsstraße ein "internationales Revival" und trotze der Konkurrenz durch die großen Shoppingcenter.

Was in Cannes diskutiert wurde: "Die Panik vor Online ist vorüber", urteilt CBRE-Experte Wölfler. Viele Retailer hätten nämlich verstanden, dass ihr Online- und Offline-Angebot besser verschränkt werden muss. Und selbst Online-Händler wie Zalando und Amazon würden zunehmend auf Retailflächen setzen. Es habe sich zudem gezeigt, dass die Online-Umsätze in einer Region immer parallel mit dem Umsatz in den Stores steigen bzw. sinken, sagt Wölfler: "Damit ist die Angst weg, dass der Online-Handel den Offline-Handel verdrängt."

Der Gewinner der Kategorie "Best new Shopping Centre": das Milaneo in Stuttgart, entworfen von RKW Rhode Kellermann Wawrowski Architektur + Städtebau in Kooperation mit ECE architects.

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Ein daraus entstehendes großes Thema seien Diskussionen rund um die Mieten in Shoppingcentern. Umsatzmieten seien immer schwieriger zu definieren: Ob Online-Bestellungen von Kunden, die in der jeweiligen Filiale abgeholt werden, zum Umsatz dieses Standorts zählen, sei noch nicht geklärt: "Derzeit gibt es dafür verschiedene Ansätze und keine Lösung", sagt Wölfler.

Wenig zu klagen haben Luxushändler: Dieses Segment sei völlig konjunkturresistent, so Wölfler. Ein wichtiger Faktor sind Chinesen, die auf Reisen ins Ausland bei Luxusgütern zuschlagen – am liebsten, wenn die Marken einen Bezug zum jeweiligen Ort haben. Darum werde in Wien bei Swarovski geshoppt.

Der Gewinner in der Kategorie "Best Outlet Center": das McArthurGlen Designer Outlet Vancouver Airport, entworfen von Hydea and Stantec.

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Als derzeitige "Gewinner" bezeichnet Wölfler zudem sogenannte Value-Retail-Marken wie Primark. Mietet sich der Textildiscounter in ein Shoppingcenter ein, so kommen im Jahr bis zu 1,5 Millionen Gäste mehr, berichtet Wölfler – und der Run auf Primark würde sich zwar anfangs negativ auf die anderen Mieter auswirken, später würde sich der Umsatz bei der Konkurrenz aber wieder normalisieren. Auch "leistbarer Luxus", etwa Marken wie Cos und Polo Ralph Lauren, seien "Gewinner". "Die klassischen Händler, die dazwischenstehen, haben es derzeit schwer", so Wölfler.

Gewinner der Kategorie "Best Fashion & Footwear Retail Concept": Primark

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Außerdem werden den Menschen Unterhaltung und Gastronomie immer wichtiger in Einkaufszentren. Die Verfügbarkeit von Gastronomie ist laut einer internationalen Umfrage von CBRE bereits 27 Prozent der Österreicher wichtig. Laut dieser Umfrage wünschen sich die Österreicher in Einkaufszentren zudem mehr gesunde Essensangebote und mehr innovative, unabhängige Restaurants. "Food-Courts" mit Fastfood, wie in amerikanischen Shoppingtempeln üblich, werden hierzulande wiederum nicht gewünscht.

Nominiert in der Kategorie "Best New Shopping Centre": die CapitaMall Tianfu in China, entworfen von WOHA.

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Als gelungenes Beispiel für ein Einkaufszentrum der Zukunft nennt man bei EHL die Mitte November eröffnete Mall of Scandinavia in Stockholm. Sie verfügt über 100.000 Quadratmeter Retailfläche – und ein sattes Viertel davon entfällt auf Restaurant- und Entertainmentflächen. Ein Trend der Zukunft werde nämlich auch das "Destination-Shopping" sein – womit das Shoppingcenter zum Ausflugsziel wird. (Franziska Zoidl, 27.11.2015)

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Europas Markt für Shoppingcenter wächst weiter

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Vollständige Liste der Gewinner der Mapic-Awards

Einer der Finalisten für den Mapic-Award in der Kategorie "Best Redeveloped Shopping Centre": die Mall of the Emirates (Architekten: DLR Group).

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