Zaun in Spielfeld soll bis Ende 2015 stehen

27. November 2015, 08:25
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Betroffene Anrainer sagten für weitere Gespräche zu – Bodenanker statt Beton für 2,5 Meter hohen G7-Zaun – Wieder Fernzüge von Wien nach München

Spielfeld – 18 direkt betroffene Anrainer waren Donnerstagabend ins Gemeindeamt Straß-Spielfeld eingeladen, um sich von der Polizei über die Zaunpläne und deren Auswirkungen zu informieren. Alle sagten für weitere Gespräche und Verhandlungen zu, vertragliche Lösungen werden angestrebt. Die Behörden wollen die rund 3,7 Kilometer lange Barriere bis Ende des Jahres fertiggebaut haben.

Wie genau die Verträge zwischen den Grundeigentümern – darunter auch Weinbauern – und dem Innenministerium aussehen werden, sei noch offen. Pacht oder Bittleihe seien denkbar, sagte Joachim Huber, Sprecher der Landespolizeidirektion Steiermark. Bis 7. Dezember sollen die Einzelverhandlungen mit den Anrainern abgeschlossen sein.

Zaun teilweise bis zu vier Meter hoch

Bereits kommende Woche soll mit dem Umbau der sogenannten Kernzone, der Sammelstelle Spielfeld, begonnen werden. Es werde planiert, geschottert, und es würden Zaunelemente errichtet. Aufgrund des zeitweise massiven Menschenandrangs können die Zäune in der Sammelstelle abschnittsweise bis zu vier Meter hoch sein. In den Randbereichen auf den Gründen der Anrainer werden sie zweieinhalb Meter hoch sein.

Die geplanten sogenannten G7-Zäune seien stabiler als handelsübliche Maschen und brauchen wenige Bodeneingriffe. Etwa ein halber Meter Breite ist nötig, um Bodenanker zum Beispiel auf Felsen zu fixieren. Betonieren oder tiefes Eingraben seien nicht notwendig, erklärte Josef Reich, Leiter der Logistikabteilung der Landespolizeidirektion Steiermark, nach dem Treffen mit den Bewohnern Spielfelds. Derzeit laufe das Vergabeverfahren zum Bau des Zauns. Nur wenige Hersteller könnten derartige Barrieren errichten.

Dienststelle aus Containern

Von den etwa 3,7 Kilometern werden rund 300 Meter in Richtung Osten bis zum Bubenberg führen. Der Rest wird in Richtung Westen bis zur alten Grenzübertrittsstelle im Bereich des Platsch reichen. Erst wenn die Kernzone in der Sammelstelle fertig ist, werde mit dem Bau des Zauns in den Randbereichen begonnen, schilderte Reich den Ablauf. Für die Polizei werde eine Expositur-Dienststelle aus Containern aufgebaut, die früher beim niederösterreichischen Grenzposten Dürnkrut im Einsatz waren.

Der Zaun stelle eine Leitmaßnahme dar und soll ein Umgehen der Sammelstelle verhindern. Sollten Anrainer keine Barriere auf ihren Gründen zulassen, könnten Lücken bleiben, die von Beamten überwacht werden müssten, skizzierte Huber den Fall des Widerstands. Muss ein Weinbauer etwa auf Gründe auf der anderen Seite des Zauns, könne über ein Tor nachgedacht werden, das der Eigentümer stets öffnen könne. Der Zaun werde jedenfalls nur temporär errichtet, über etwaige Zahlungen für eine Pacht müsse mit den Anrainern erst in den einzelnen Verhandlungen gesprochen werden.

Rechtliche Schritte gegen Zaun angekündigt

Nach dem Informationsabend wollte keiner der Grundeigentümer eine Stellungnahme vor den Medien abgeben. Doch so mancher betroffene Weinbauer an der Grenze hatte im Vorfeld Bedenken – vor allem angesichts der ebenfalls angedachten 25 Kilometer langen Zaunversion – geäußert. Erich Polz kündigte auf APA-Anfrage an, sich "mit Händen und Füßen" gegen einen Grenzzaun wehren zu wollen. Gegebenenfalls wolle der Buschenschank-Besitzer Juristen mit dem Einleiten von rechtlichen Schritten beauftragen.

Auch Willi Sattler, Weinbauer aus Gamlitz und Pächter der Weingärten von Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder, die ebenfalls an der Grenze liegen, ließ kein gutes Wort an der Idee eines Zauns. Ein solcher sei sinnlos, weil leicht zu überwinden. Außerdem sei es seiner Meinung nach egal, ob er drei, 25 oder 50 Kilometer lang ist, weil Flüchtlinge eben noch weiter ausweichen könnten. Angesichts der drohenden Einschränkung seiner und der von ihm verwalteten Nutzflächen sei er im Einvernehmen mit Pischetsrieder entschlossen, "alle Rechtsmittel auszuschöpfen".

Ein weiterer Weinbauer aus dem Raum Spielfeld, Otto Knaus, hielt die Zaunpläne an der Weinstraße überhaupt für "Wahnsinn". Dadurch würde der gesamte Tourismus in der Region schwer in Mitleidenschaft gezogen. Vor Flüchtlingen, die über die grüne Grenze kommen könnten, habe er keine Angst – bisher sei alles vollkommen friedlich auf seinen Gründen abgelaufen.

Wieder Fernzüge von Wien nach München

Nach einer mehr als zweimonatigen Pause haben die ÖBB am Freitag den Fernverkehr zwischen Wien und München wieder aufgenommen. Nach dem Regionalverkehr fahren damit auch die Hochgeschwindigkeitszüge wieder über Salzburg nach Deutschland. Wegen des Flüchtlingsandrangs war der Fernverkehr unterbrochen worden.

Allerdings ist die Fahrt für Bahnpassagiere noch mit einer Einschränkung verbunden: Reisende nach München müssen am Salzburger Hauptbahnhof umsteigen und gültige Papiere vorlegen. Die Ausweiskontrolle erfolgt direkt am Bahnsteig. (APA, 27.11.2015)

  • Bereits bestehende Barriere in Spielfeld. Ende des Jahres sollen die Zaunpläne der Regierung umgesetzt werden.
    foto: christian fischer

    Bereits bestehende Barriere in Spielfeld. Ende des Jahres sollen die Zaunpläne der Regierung umgesetzt werden.

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