Amnesty vs. Jeannée: "Kronen Zeitung" muss Gegendarstellung bringen

27. November 2015, 12:02
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Kolumnist hatte behauptet, Amnesty-Mitarbeiter seien aus London eingeflogen worden, um Traiskirchen zu prüfen. Zwei weitere Begehren wurden abgelehnt

Wien – Die "Kronen Zeitung" muss eine Gegendarstellung veröffentlichen. Der Grund ist Michael Jeannées "Post" vom Sommer, die jetzt auch vor Gericht angekommen ist. Adressiert hatte sie der "Krone"-Kolumnist an Amnesty International nach einem kritischen Bericht zu den Zuständen im Flüchtlingslager Traiskirchen. Die Menschenrechtsorganisation bekam am Donnerstag erstinstanzlich am Landesgericht Wien in einer Causa recht, zwei Begehren wurden abgewiesen. Beide Seiten gehen in Berufung.

"Uns ist es ganz wichtig, dass diese rufschädigende Unterstellung vom Tisch kommt", sagte Amnesty-Generalsekretär Heinz Patzelt zum STANDARD. Wenn behauptet werde, dass Amnesty-Mitarbeiter extra aus London eingeflogen wurden und in Luxushotels residierten, sei der gute Ruf in Gefahr: "Wir finanzieren unsere Arbeit schließlich auch aus Spendengeldern."

Jeannée: "Vornehmes Luxushotel" für Mitarbeiter

In seiner Kolumne vom 15. August schrieb der Kolumnist von "ein paar Damen und Herren, die aus London eingeflogen wurden, in einem vornehmen Luxushotel abstiegen, sich in klimatisierten Limousinen nach Traiskirchen kutschieren ließen, dort sechs Stunden völlig sicher umherstaksten, das eine oder andere Gespräch führten, anschließend wahrscheinlich gepflegt zu Abend aßen und wieder verschwanden". Gemeint waren jene Mitarbeiter von Amnesty International, die in ihrem Bericht Missstände in Traiskirchen kritisierten.

Die Gegendarstellung bezieht sich auf jene Passage, dass die Mitarbeiter angeblich "aus London eingeflogen wurden" und in einem "Luxushotel abstiegen" – Amnesty hatte dies umgehend dementiert. Nicht Teil der Gegendarstellung müssen die "klimatisierten Luxuslimousinen" und Jeannées Schluss sein. Er schrieb: "Aber ich lass mir nicht von irgendwelchen Arroganzlingen aus London, die sich nicht nach Syrien, in den Irak oder nach Libyen wagen, um dort zu 'prüfen', unser Land schlechtmachen." Auch wenn der "Hauptvorwurf" vom Tisch sei, so Patzelt, werde Amnesty berufen, um auch hier Gegendarstellungen zu erwirken.

"Krone" beruft und sieht "Entschuldigung"

In Berufung wird aber nicht nur Amnesty gehen, sondern auch die "Kronen Zeitung". Das bestätigte Rechtsanwalt Michael Rami im Gespräch mit dem STANDARD. Er vertritt die "Kronen Zeitung" und die Ansicht, dass auch die eine Gegendarstellung nicht gerechtfertigt sei. Jeannée habe sich in einer zweiten Kolumne am 19. August "entschuldigt", als er einräumte, dass das Prüferteam nicht aus London eingeflogen wurde. Seine Worte: "Mea culpa! Aber: So what?" Und weiter: "Nur umso ärger und widerwärtiger." Die Prüfer seien dann halt "Nestbeschmutzer". Laut Rami werde die "Kronen Zeitung" die Gegendarstellung bis spätestens 2. Dezember veröffentlichen. Umfang und Größe müssen dem Originalartikel ähneln. (Oliver Mark, 27.11.2015)

  • "Krone"-Postler Michael Jeannée.
    foto: standard/corn

    "Krone"-Postler Michael Jeannée.

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