Italiens Staatsbahn biegt auf Privatisierungsgleis

27. November 2015, 08:00
66 Postings

Italiens Staatsbahnen Ferrovie dello Stato werden teilprivatisiert. Bahnchef Elia steigt aus, ein neues Management wird gesucht

Italiens Staatsbahnen Ferrovie dello Stato (FS) werden 2016 teilprivatisiert. Dies geht aus einem kürzlich erlassenen Regierungsdekret hervor. 40 Prozent sollen abgegeben werden. Das ist sicher. Unsicher ist aber, ob das Schienennetz RFI von der Holding FS abgespalten wird oder nicht.

Infrastrukturminister Graziano Delrio und FS-Präsident Marcello Messori sind für die Ausgliederung des 16.800 km langen Schienennetzes, Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan und Bahnchef Michele Elia treten dafür ein, dass FS nicht gespalten wird.

Chancen für Renzi-Vertrauten

Am Donnerstag ist das FS-Management zurückgetreten. Laut informierten Kreisen soll Elia durch den bisherigen Präsidenten von Busitalia (gehört den FS), Renato Mazzoncini, abgelöst werden. Dieser hatte vor drei Jahren, als Premier Matteo Renzi noch Bürgermeister von Florenz war, die dortige Stadt-Transportgesellschaft Ataf erfolgreich privatisiert.

Die Gewerkschaften laufen Sturm. Giovanni Luciano vom Gewerkschaftsverband Fit Cisl droht mit Streiks: Die Teilprivatisierung ist eine riesige Dummheit, die nur Schaden anrichtet." Grund für die Eile, FS teilweise zu privatisieren, ist die Notwendigkeit der Regierung, ihre Schulden abzubauen. Für 2016 sind Privatisierungserlöse von zwölf Mrd. Euro eingeplant, davon soll die Teilprivatisierung der Staatsbahnen drei bis vier Milliarden Euro beitragen.

Privatisierung in nächsten Monaten

FS kontrolliert sowohl den Betreiber des Schienenetzes RFI wie auch Trenitalia und die Bahnhöfe "Grandi Stazioni". Letztere sollen bereits in den nächsten Monaten teilprivatisiert werden. Bei dem geplanten Bieterverfahren für das Einzelhandelssegment geht es um 465 Geschäfte, die sich in Obhut von "Grandi Stazioni" befinden. Ferrovie dello Stato und Eurostazioni kontrollieren ihrerseits Grandi Stazioni. Berater der Teilprivatisierung ist Rothschild. An Eurostazioni sind Benetton, Pirelli, der Baukonzern Caltagirone sowie die französischen Staatsbahnen SNCF beteiligt.

Verkauft wird GS Retail, die von "Grandi Stazioni" abzuspaltende Gesellschaft, die bis 2040 die Konzession für die Geschäftsräume, die Verkaufs- und Werbetätigkeiten der 465 Bahnhof-Shops und -Restaurants hält. Als Interessenten für die Privatisierung werden Namen britischer und US-Fonds wie Carlyle, Cinven und Blackstone, des italienischen Investors Clessidra und der GIC-Gruppe aus Singapur genannt.

Die Bieter müssen bis 14. Dezember ihr Angebot einreichen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 27.11.2015)

  • Jetzt Ex-Chef der italienischen  Staatsbahnen: Michele Elia.
    foto: mago stock & people / matteo gribaudi

    Jetzt Ex-Chef der italienischen Staatsbahnen: Michele Elia.

Share if you care.