Geldratgeber: Vom Wesen der guten Tipps

7. Dezember 2015, 12:00
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Guter Rat ist teuer, heißt es. Geht es aber darum, Geld zu verdienen, locken viele Bücher mit guten Tipps. Ein Panoptikum eines Phänomens

Bücher zum Thema Umgang mit Geld, mehr Verdienst, erfolgreiches Anlegen, richtige Vorsorgen etc. haben anscheinend immer Hochsaison – in guten wie in schlechten Zeiten. Jüngste (Parade-)Beispiele: "Money" von Bill Clintons und Serena Williams' Personal Coach Anthony Robbins und "Reden wir über Geld" von Niki Lauda. Gern kauft man zumindest den Selfmademillionären ab, dass sie einiges richtig gemacht haben. Doch wie sieht die Kehrseite aus, welche Investitionen der Geldtippgeber haben sich als Fehlgriffe herausgestellt?

Kein leichtes Unterfangen, darüber zu berichten, hat man es doch mit gleich zwei Tabuthemen zu tun: mit dem Geld, worüber so mancher immer noch nicht gern spricht, wenn es persönlich wird, und mit dem Scheitern.

Aber der Reihe nach: Laudas Grundprinzip ist logisch: "Reich wirst du nur, wenn du mehr Geld einnimmst, als du ausgibst." Niki Nazionale ist wirtschaftlich immer wieder gut gefahren, weil er hart verhandelt und Topkonditionen herausgeschlagen hat. Sein "finanzielles Versagen betrifft die Betrugsaffäre um die liechtensteinische Money Service Group", die ab Jänner 2011 sein Kapperlsponsor war und dann insolvent wurde.

Illusion der Fehlerfreiheit

Dirk Müller, bekannt auch als Mr. Dax aus seiner Zeit als Börsenhändler in Frankfurt, wird da schon deutlicher: "Der schlimmste Fehler von Anlegern ist es, an Aktien festzuhalten, speziell dann, wenn man erkennt, dass der Kauf ein Fehler gewesen sein könnte." Man müsse lernen, in Wahrscheinlichkeiten zu denken, Fehlerfreiheit auf dem Börsenparkett sei eine Illusion.

Schon als Schüler habe er investiert: auf Anraten eines guten Freundes in den Cordstoff-Hersteller Girmes. Dieser sei zwar kurz vor der Insolvenz gestanden, es wurde jedoch über einen nahenden Großauftrag gemunkelt. Müller: "Rasch darauf folgte die Pleite – ich habe mir die Aktie ausfolgen lassen, sie hängt heute noch an der Wand", als Mahnmal dafür, selbst nachzudenken. Sein Verhältnis zu Geld: "Es ist ein Mittel, aber kein Selbstzweck, es ist nicht wert, ihm nur hinterherzurennen und sich und anderen nichts zu gönnen. Wichtig ist, seine Finanzen in Ordnung zu halten."

Früh übt sich

Der viel publizierende Ökonom und Professor Max Otte hat sich ebenfalls früh geübt, mit 18 Jahren und mit VW-Aktien, die, wenn er sie länger behalten hätte und sich nicht im aktiven Traden versucht hätte, wesentlich mehr abgeworfen hätten. Dieser im Fachjargon "action bias" genannte "Fehler" mache sich immer wieder auch im Management seines Fonds PI Global Value bemerkbar.

Der kanadische Goldminenbetreiber Barrick Gold bleibt ihm auch eher in schmerzhafter Erinnerung. In der Fünfjahresbetrachtung warf der Fonds aber mehr als 35 Prozent ab. "Geld an der Börse ist Schmerzensgeld, zuerst kommen die Schmerzen, dann das Geld", zitiert Otte den Börsenaltmeister André Kostolany. Für Otte bedeutet Geld in erster Linie Macht und etwas, das Spielraum und Gestaltungsmöglichkeiten bietet.

Reich an Erfahrung

Constantin Veyder-Malberg hat zwar (noch) kein Buch geschrieben, ist aber als Banker (Vorstand der Capital Bank) per se permanent mit Geld in Berührung. Auch er hat früh für Aktien und Co Feuer gefangen: im Alter von 19 Jahren nach einem "Sparsamkeitswettbewerb" samt nigelnagelneuem Ford als Haupttreffer, den er umgehend versilberte, um den Großteil des Verkaufserlöses in (spanische Bau-)Aktien und Optionen zu stecken. Dies brachte sowohl gute Gewinne als auch herbe Verluste – und jede Menge Erfahrungen; aber mehr noch das Interesse für die Märkte.

Aus der Erkenntnis, nicht genug Zeit zu haben, diese nach Topaktien profund genug durchforsten zu können, mündete das Interesse in die "Suche nach dem 'Heiligen Gral' in der Fondswelt, nach dem richtigen Fonds(manager), der in jeder Phase gutes Geld macht". Und er wurde fündig – unter anderem in jenem Hedgefondsmanager, der Geschichte mit einer Wette schreiben sollte, der damals die wenigsten Trader Chancen einräumten, die Veyder-Malberg aber als logisch empfand: John Paulson, der auf das Platzen der US-Subprime-Blase spekulierte – mit den berühmt gewordenen sagenhaften Renditen.

Madoff und die Tricksereien

Über Zertifikate haben damals auch Kunden von Veyder-Malberg profitieren können. Am anderen Ende, und das gibt Veyder-Malberg unumwunden zu, ebenfalls kein Unbekannter: Bernard Madoff, der mit seinen Fondstricksereien weltweit einen unfassbaren Schaden von rund 50 Milliarden Euro verursachte und dafür 150 Jahre Haft ausfasste. Sein Herald-USA-Fonds wies einen jahrelangen guten Track-Record auf, man habe die Konten bei der Depotbank HSBC in Luxemburg geprüft. Den Bankkunden habe man, so Veyder-Malberg, freiwillig eine gute Lösung angeboten, die diese deshalb auch nicht missinterpretiert hätten.

Seine Lehre daraus: "Gute Berater sind authentisch, wenn sie selbst mit Trades sowohl gewonnen als auch verloren haben, beides kennen. Diesen Heiligen Gral, den besten Aktientipp, den besten Fondsmanager, das beste Investment gibt es nicht. Wer immer nur gut abschneidet, hat entweder Riesenglück oder ist ein Betrüger oder geht Risiken ein, deren wahres Ausmaß man noch nicht sieht. Paulsons Gold-Wette ist beispielsweise nicht aufgegangen." Was Geld für Veyder-Malberg persönlich ist: "Eine Möglichkeit, über die Ressource Zeit verfügen zu können, und noch wichtiger: das Vermögen, Liquidität in die richtige Richtung lenken zu können."

Repräsentationsfläche

Über Geld lässt es sich trefflich philosophieren. Was sagt denn Philosoph Konrad Paul Liessmann zu dem Thema, der laut Selbsteinschätzung "in Gelddingen gleichermaßen nachlässig wie konservativ" ist? "Am liebsten veranlage ich in Bücher, Rennräder und ein gutes Leben. Wenn dann noch was übrig bleibt, liegt es auf dem Sparbuch. Geld fasziniert mich höchstens als philosophisches Problem: Wie nahezu ein Nichts – bedrucktes Papier oder virtuelle Zahlenkolonnen – nahezu alles, das Universum der materiellen Dinge und Dienstleistungen, repräsentieren kann." Am Sparbuch orientiert sich auch Wifo-Ökonom Stephan Schulmeister, Vater von vier Kindern.

Der Arzt, Psychotherapeut und Autor Rüdiger Dahlke meint, "Investitionen müssen sich gar nicht rechnen auf der materiellen Ebene, sondern könnten auch einfach der Seele guttun". Um frei mit Paulo Coelho zu sprechen: Schön wäre es, wenn auf dem Grabstein stehen könnte: "Er lebte noch, als er starb."

Dahlke habe eine ganze Menge für Projekte ohne materielle Gewinnabsicht ausgegeben. Diese hätten sich immer gelohnt, auch mit – oder gerade wegen der – damit einhergehenden Enttäuschungen. Investitionen im klassischen Sinn, etwa im ökologischen Bereich in Windanlagen, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. All das "erredete und erschriebene Geld" hat Dahlke in das emotional sehr lohnende Seminar- und Fastenzentrum TamanGa in der Südsteiermark bei Gamlitz gesteckt. (Linda Kappel, Portfolio, 7.12.2015)

Lesetipps:

Anthony Robbins "Money"
Niki Lauda "Reden wir über Geld"
Dirk Müller "Cashkurs: So machen Sie das Beste aus Ihrem Geld"
Max Otte "Investieren statt sparen: Wie man mit Aktien ein Vermögen aufbaut"
Gregory Zuckerman "The greatest trade ever"
Rüdiger Dahlke "Die Psychologie des Geldes. Erfolgreicher und glücklicher mithilfe der Lebensgesetze"

  • Bücher zum Thema Umgang mit Geld, mehr Verdienst, erfolgreiches Anlegen, richtige Vorsorgen etc. haben anscheinend immer Hochsaison.
    foto: dpa / jens kalaene

    Bücher zum Thema Umgang mit Geld, mehr Verdienst, erfolgreiches Anlegen, richtige Vorsorgen etc. haben anscheinend immer Hochsaison.

  • Niki Lauda gibt in seinem Buch "Reden wir über Geld" Tipps: "Reich wirst du nur, wenn du mehr Geld einnimmst, als du ausgibst."
    foto: apa / georg hochmuth

    Niki Lauda gibt in seinem Buch "Reden wir über Geld" Tipps: "Reich wirst du nur, wenn du mehr Geld einnimmst, als du ausgibst."

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