Steiermark plant weitere Fahrverbote und gibt Öffi-Zuckerl

26. November 2015, 14:32
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Euro-2-Lkw auch unter 7,5 Tonnen sollen ab 2018 verbannt werden – Bus- und Bahn-Stundenticket gilt jeden Freitag bis Ende Februar als Tagesticket

Graz – Das Land Steiermark hat am Donnerstag in Graz weitere Maßnahmen zur Reduktion der Feinstaub- und Stickstoffoxidwerte präsentiert: Ab 2018 sollen alle Euro-2-Lkw, auch jene unter 7,5 Tonnen, von steirischen Straßen verbannt werden. Schon ab 4. Dezember startet ein dreimonatiges "Öffi-Zuckerl": Stundentickets von Bus und Bahn werden bis Ende Februar jeden Freitag zu Tagestickets.

Verkehrs- und Umweltlandesrat Jörg Leichtfried (SPÖ) verfolge die Strategie von mehreren langfristigen statt populistischen Maßnahmen und verglich das mit einer Diät: "Drastische Maßnahmen führen oft im Nachhinein zum Jo-Jo-Effekt." Eine "Alarmsituation" wie noch vor zehn Jahren sehe er nicht, man schaffe mittlerweile die Einhaltung der EU-Grenzwerte bei günstiger Wetterlage.

Ziel sei es, diesen Erfolg auch bei schlechter Witterung zu verbuchen. Seit 2011 habe das Land Steiermark knapp 37 Mio. Euro in Luftreinhaltemaßnahmen gesteckt, wobei der Energiebereich noch gar nicht eingerechnet sei.

"Meine Luft = Reine Luft"

Um die Tage, an denen die Grenzwerte überschritten werden, auch in den Hot-Spots in Graz und Leibnitz weiter zu senken, werden weitere Maßnahmen in den kommenden Jahren geplant und umgesetzt. Betreffen soll es nach den Lkw der Abgasklasse "Euro 2" über 7,5 Tonnen ab 1.1.2018 auch alle unter dieser Gewichtsgrenze.

4.000 bis 5.000 steirische Fahrzeuge dieser Klasse sollen dann nicht mehr fahren dürfen – und auch Transit-Lkw werde es treffen, betonte Gerhard Semmelrock, Leiter der Landesabteilung für Energie, Wohnbau und Technik.

Für alle Bus- und Bahn-Fahrgäste und jene, die es noch werden könnten, wird mit dem Projekt "Meine Luft = Reine Luft" ein Anreiz zum Fahren mit dem öffentlichen Verkehr geschaffen. In den Monaten Dezember, Jänner und Februar gilt jeden Freitag eine Stunden- als Tageskarte. Verknüpft wird die Initiative mit einem Gewinnspiel, an dem auch Fahrgäste mit Langzeittickets teilnehmen können.

Partikelfilter für Einzelfeuerungen

Neu werden auch sogenannte "Eco-Driving"-Schulungen in Kooperation mit der Wirtschaftskammer sein: Bisher gab es nur die Theorie zum spritsparenden Fahren, bald sollen aber auch praktische Stunden mit dem eigenen Lkw oder Bus angeboten werden. Zehn bis 15 Prozent Treibstoff und damit auch Abgase sollen eingespart werden. Beim Hausbrand sollen Partikelfilter für Einzelfeuerungen gegen starke Emissionen helfen, die bisherigen Produkte seien aber noch nicht marktfähig, sagte Semmelrock.

In punkto Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) auf Autobahnen – sie zeigen Tempo 100 bei höherer Luftbelastung an – gibt es auch Neuerungen: Seitdem auch Stickstoffoxidwerte eingerechnet werden, sind die Tage mit gedrosselter Geschwindigkeit häufiger geworden.

Derzeit liege man bei etwas mehr als 50 Prozent der Gesamtzeit, erklärte Semmelrock. Man behalte sich vor, die 100er-Beschränkung auszudehnen. Wer zu schnell im Großraum Graz unterwegs ist, werde bald mehr aufpassen müssen, denn neue Frontradaranlagen sind bei Feldkirchen und Leibnitz geplant.

Sie werden mit den VBA vernetzt sein und auch dementsprechend bei der Vorgabe Tempo 100 "blitzen". Da die Fotos auch von vorne gemacht werden, sollen dann auch ausländische Raser zur Rechenschaft gezogen werden können. Fahrverbote für Pkw in Graz sind übrigens nicht mehr in Planung: "Es gibt keinen Anlass dafür", sagte Leichtfried auf APA-Anfrage. (APA, 26.11.2015)

  • Seit 2011 investierte die Steiermark knapp 37 Mio. Euro in Luftreinhaltemaßnahmen.
    foto: apa/jan woitas

    Seit 2011 investierte die Steiermark knapp 37 Mio. Euro in Luftreinhaltemaßnahmen.

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