Sisi-Sonderschau zeigt Kaiserin als trauernde Mutter

26. November 2015, 12:37
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Bild der "Mater dolorosa" und Umgang mit Trauer im 19. Jahrhundert im Fokus

Wien – Der Mythos um Kaiserin Elisabeth, kurz Sisi, wurde auch von ihrem Bild als trauernde Mutter in Schwarz geprägt. Eine Sonderausstellung des Sisi Museum widmet sich nun dieser Facette der Kaiserin. Zu sehen ist unter anderem ihr "Schwarzzeug" von Schirm bis Schleier, das sie nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolf nur noch selten ablegte.

"Mater dolorosa. Die trauernde Kaiserin Elisabeth" ist bis 22. Mai 2016 im Audienzwartesaal der Kaiserappartements der Wiener Hofburg zu sehen. Die Ausstellung beschäftigt sich generell mit Trauer und Tod im 19. Jahrhundert und im Speziellen damit, wie Kaiserin Elisabeth mit ihrem persönlichen Kummer umgegangen ist, erklärte Museumskuratorin Olivia Lichtscheidl. Konkret wurde der Frage nachgegangen: "Was musste man damals in Trauer nach außen hin zeigen?" Denn der Trauerprozess im 19. Jahrhundert war streng reglementiert.

So wurde etwa die Trauerzeit in drei Phasen eingeteilt: die tiefe Trauer, die einfache Trauer und das sogenannte Austrauern. Der Tod eines Verwandten wurde vor allem in Kleidung und äußerem Erscheinungsbild gezeigt, Schlichtheit und der Verzicht auf Farben standen im Vordergrund. Auch die Art des Stoffes wurde an die unterschiedlichen Trauerphasen angepasst: Lag der Tod noch nicht lange zurück, musste auf glänzende Stoffe verzichtet werden, während der einfachen Trauer griff man auf Wollstoffe oder stumpfe schwarze Seide zurück.

Auch Sisi war im Besitz von umfangreichem Trauergewand – wobei die Kaiserin grundsätzlich gerne Schwarz trug: Gezeigt werden nun 23 Exponate, darunter auch einige Leihgaben, die sich in Privatbesitz befinden und noch nie ausgestellt wurden. Dazu zählen ein schwarzes Kleid mit Cape wie auch eine Onyx-Kette und ein Ring. Weiters zu sehen sind u.a. eine gehäkelte Spitzenstola, Handschuhe oder ein Hutschleier aus schwarzer Spitze mit gepunktetem Blumen- und Blattdekor.

Sisi habe sich daher zeitlebens mit dem Tod beschäftigt und auch viele Familienmitglieder in den letzten Stunden ihres Lebens begleitet. Die Kaiserin habe auch immer wieder versucht, Kontakt mit Verstorbenen aufzunehmen – wofür sie nicht nur am Hof belächelt wurde. Als Mutter musste sich die Regentin gleich von zwei ihrer Kinder verabschieden: "Elisabeth ist damals schon als trauernde Mutter in die Geschichte eingegangen", so Lichtscheidl.

Ihre erstgeborene Tochter Sophie verstarb im Alter von zwei Jahren an den Folgen einer Ruhr-Erkrankung. Und 1889 beging ihr Sohn, der Thronfolger Rudolf, Selbstmord. (APA, 26.11.2015)

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