Vatileaks: Angeklagter hatte auch zu drittem Journalisten Kontakt

26. November 2015, 11:36
posten

Spanischer Prälat Balda soll RAI-Reporter Mondani getroffen haben

Vatikanstadt – Der wegen Entwendung vertraulicher Dokumente im Vatikan inhaftierte spanische Prälat Lucio Angel Vallejo Balda soll nicht nur Kontakte zu den mit ihm angeklagten italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi gepflegt haben. Er hatte auch Beziehungen zu einem weiteren Reporter, dem RAI-Journalisten Paolo Mondani, gegen den der Vatikan jedoch nicht ermittelt.

"Ich bestätige, dass ich Balda getroffen habe, wie aus dem Anklagedossier des Vatikans gegen Nuzzi und Fittipaldi hervorgeht. Für meine Reportagen habe ich viele Kontakte im Vatikan gehabt, über meine Quellen werde ich jedoch nichts sagen", berichtete Mondani, der sich für die Magazinsendung "Report" von RAI 3 in der Vergangenheit um die Vatikanbank IOR gekümmert hatte.

Nuzzi und Fittipaldi hatten Anfang November Bücher veröffentlicht, in denen sie dem Vatikan vorwerfen, das Geld der Gläubigen zu verschwenden. Sie stützen sich dabei auf Dokumente aus der Kurie, die ihnen zugespielt worden waren. Der Vatikan verfügt als souveräner Staat über eine eigene Justiz.

"Wir verstehen nicht, wofür wir angeklagt werden", sagte Fittipaldi. Für sein Buch "Avarizia" (Geiz) habe er Beiträge aus verschiedenen Quellen gesammelt. Die ebenfalls vom Vatikan angeklagte PR-Agentin Francesca Chaouqui und Balda seien nicht seine einzigen Informanten gewesen.

Die Agentin und der Priester hatten in der von Papst Franziskus eingerichteten Kommission für die Überprüfung der Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen des Vatikan (Cosea) mitgearbeitet. Insgesamt stehen fünf Personen im Vatikan-Prozess vor Gericht.

Rund 1.000 Seiten umfassen die Unterlagen zur Anklage, darin werden die Gespräche und Verhöre der Angeklagten aufgeführt. Den Angeklagten drohen Haftstrafen zwischen vier und acht Jahren. Außer dem spanischen Priester besitzen alle Angeklagten die italienische Staatsbürgerschaft. Um sie juristisch zu belangen, müsste der Vatikan ein Rechtshilfeersuchen an Italien stellen. (APA, 26.11.2015)

Share if you care.