Mehr HIV-Infektionen denn je in Europa

26. November 2015, 09:03
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Flüchtlinge sind erst in Europa von HIV bedroht – 342 bestätigt positive Befunde in Österreich bis Ende September

Stockholm/Kopenhagen – In der Europa-Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Russland und Zentralasien sind im vergangenen Jahr mehr HIV-Diagnosen denn je gestellt worden. Die Zahl der Neudiagnosen betrug rund 142.000. Darauf verwiesen am Donnerstag das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle (ECDC) und die WHO aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember.

"Die Daten weisen darauf hin, dass die sich steigernde HIV-Epidemie durch die Länder im Osten angetrieben wird, wo sich die Zahl der Neudiagnosen (HIV-Infektionen, Anm.) in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt hat", schrieben ECDC und WHO-Europa-Regionalbüro.

grafik: apa

"Trotz aller Anstrengungen, HIV zu bekämpfen, wurden im vergangenen Jahr 142.000 neue Fälle an Infektionen registriert. Das ist die bisher höchste Zahl und sehr beunruhigend", wurde WHO-Europa-Direktorin Zsuzsanna Jakab zitiert.

Das Bild ist uneinheitlich. "Seit 2005 hat sich die Zahl der HIV-Neudiagnosen in manchen EU-Staaten und in manchen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EEA) verdoppelt, in anderen Staaten wiederum um 25 Prozent reduziert. Insgesamt aber zeigt sich die HIV-Epidemie im Großen und Ganzen unverändert", sagte die geschäftsführende ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Soziale Ausgrenzung erhöht Infektionsgefahr

Wie bei solchen infektiösen Erkrankungen immer spielen offenbar soziale Fragen die größte Rolle. In den vergangenen zehn Jahren sei die Rate der HIV-Infektionen unter Migranten in Europa stark zurückgegangen, stellten die beiden Organisationen fest. Doch: "Soziale Ausgrenzung bringt für Flüchtlinge und Migranten ein größeres Risiko für eine HIV-Infektion." Es gebe Hinweise darauf, dass ein signifikanter Anteil der Ansteckungen mit dem Immunschwächevirus unter Flüchtlingen und Migranten erst in Europa geschehe.

"Wenn Flüchtlinge und Migranten Opfer von sozialer Ausgrenzung in den Aufnahmeländern werden, geraten sie in eine größere Gefahr, mit HIV infiziert zu werden", sagte Jakab. Infizierte und dann nicht Behandelte würden wiederum andere Menschen anstecken, so Jakab. "Die WHO drängt alle Staaten Europas dazu, HIV-Tests, Prävention und Behandlung allen Flüchtlingen und Migranten anzubieten – ganz egal, welchen legalen Status sie haben."

In der WHO-Europa-Region sind Männer, die mit Männern Sex haben, jene Personengruppe, in der es zu den meisten HIV-Infektionen kommt. 2005 entfielen auf diese Menschen 30 Prozent der Ansteckungen, 2014 waren es 42 Prozent. Allerdings steigen in Osteuropa die HIV-Infektionen durch heterosexuelle Kontakte.

Zahl der Neuinfektionen in Österreich stabil

Die Situation bei HIV/Aids in Österreich ist weitgehend stabil. In den ersten drei Quartalen 2015 wurden 342 bestätigt positive Befunde erstellt, teilte die Aids-Hilfe Wien am Mittwoch mit. 2011 waren es in Österreich 525 bestätigte Neuinfektionen, 2012 dann 523. Im Jahr darauf waren es 481, 2014 schließlich 403. "Anhand obengenannter Zahlen wird deutlich, dass in Österreich mehr als eine HIV-Neudiagnose pro Tag gestellt wird", hieß es von der Aids-Hilfe.

UNAIDS präsentiert neue Strategie

"On the Fast-Track to End AIDS" (Auf dem schnellen Weg zur Beendigung von Aids) hat UNAIDS zum Welt-Aids-Tag die Strategie für den Zeitraum 2016 bis 2021 genannt. Zwar sei die Verfügbarkeit der antiretroviralen Therapie sowie Betreuung für HIV-positive Menschen weltweit auf einem bisher noch nicht da gewesenen Niveau, doch um den Kampf zu gewinnen, seien noch mehr Anstrengungen notwendig.

Auch die Aids-Hilfe Wien motiviert zum HIV-Test und setzt auf niederschwellige Testangebote für Personen mit erhöhtem Risiko. "Ein rechtzeitiger Therapiestart ermöglicht Menschen mit HIV/Aids eine bessere Prognose und eine hohe Lebensqualität. Auf gesundheitspolitischer Ebene bedeutet das: Je mehr HIV-positive Menschen eine effiziente Therapie einnehmen, desto weniger Neuinfektionen finden statt", sagte Aids-Hilfe-Geschäftsführer Philipp Dirnberger. "Deshalb unser Appell: Testen lassen, Bescheid wissen und, wenn notwendig, frühzeitig mit einer Therapie starten."

Rund 37 Millionen Menschen weltweit infiziert

UNAIDS legt das Hauptaugenmerk auf das Ziel "90-90-90": Bis zum Jahr 2020 sollen 90 Prozent der HIV-positiven Personen ihren Status kennen. Von diesen Menschen sollen 90 Prozent eine Therapie erhalten und wiederum 90 Prozent eine HI-Viruskonzentration unterhalb der Nachweisgrenze haben.

Ende 2014 waren 36,9 Millionen Menschen weltweit mit dem Immunschwächevirus infiziert. Davon lebten 25,8 Millionen in Afrika südlich der Sahara. 2014 starben weltweit 1,2 Millionen HIV/Aids-Patienten an den Komplikationen der Immunschwäche, am häufigsten an Tuberkulose. 790.000 Todesopfer hatten im südlichen Afrika gelebt. (APA, 26.11.2015)

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