Bank Austria: Belegschaft will lieber schrumpfen als verkaufen

25. November 2015, 17:59
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Mitarbeiter stellen sich hinter Bankchef Cernko

Wien – Die Belegschaft der Bank Austria hat sich in Bezug auf die Abbaupläne hinter Bankchef Willibald Cernko gestellt. Er zieht den radikalen Abbau des Filialgeschäfts einem Verkauf der Sparte vor. Das ist das Ergebnis der Betriebsversammlung, die am Dienstagnachmittag in Wien stattfand und an der rund 2.000 Mitarbeiter teilnahmen.

Sie wurden vom Betriebsrat über den Stand der Dinge bei den von Mutter Unicredit angekündigten Einschnitten informiert. Stichwort: Übersiedlung des Osteuropageschäfts von Wien nach Mailand und eben Verkauf beziehungsweise Reduzierung des Filialgeschäfts. Die Belegschaft präferiert dabei die "In-House-Lösung" und ist gegen den Verkauf an die Bawag (den die Italiener präferieren). Cernko muss die Eigentümer in den nächsten Tagen von seinem Filialreduktionsplan überzeugen, ohne Rückhalt der Belegschaft hätte er das nicht getan, wird kolportiert.

1.500 Jobs gefährdet

Das sollte auch nicht verwundern. Laut internen Zahlen würden die Filialschließungen rund 1.500 Jobs kosten. Der Zentralbetriebsrat unter Adolf Lehner hofft aber, dass dieser Aderlass ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen wird. Zudem besteht er auf Einhaltung der Verträge; der Eingriff in Rechte oder Anwartschaften sei ein No-Go, man werde sich juristisch nicht austricksen lassen. Die Belegschaftsvertretung spricht damit die Verträge der unkündbaren Mitarbeiter und derjenigen mit Bank- und Administrativpensionen an. Die Lösung dieser Fragen werde "sehr viel Geld kosten".

Recht auf Blockade

Sollte es zum Verkauf der Retailsparte kommen, wird die Belegschaft nicht mit von der Partie sein, Verhandlungen in diese Richtung lehnt sie ab. Vom Verkauf des defizitären Filialgeschäfts wären 4400 Jobs (Vollzeitäquivalente) betroffen; in die Entscheidung wären auch Wettbewerbshüter und Finanzmarktaufseher eingebunden.

Der Zentralbetriebsrat geht daher davon aus, dass der Weg zum Verkauf wesentlich länger wäre als der zum Filialabbau. Umso mehr, als die Vertreter des Betriebsratsfonds als Namensaktionär der Bank Austria die Hauptversammlung und deren Beschlüsse durch Abwesenheit blockieren könnten. Zumindest eine Zeitlang. (gra, 25.11.2015)

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