Bei Zielpunkt wackeln 2.500 Arbeitsplätze

25. November 2015, 22:29
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Sanierung durch Handelsgruppe Pfeiffer gescheitert

Wien – Sie hieß Löwa, Plus und Zielpunkt, wechselte öfters den Besitzer und versuchte immer wieder mit Sanierungen und Neuausrichtungen aus der Krise zu kommen. Genutzt hat es letztlich nichts: Zielpunkt, die vor drei Jahren von der Pfeiffer Handelsgruppe übernommene Lebensmittelkette, ist pleite. Die Insolvenz soll am 1. Dezember angemeldet werden. Hohe Verluste haben das Eigenkapital aufgefressen. Um über die Runden zu kommen, hätte Pfeiffer 60 Millionen Euro aufbringen müssen. Das konnten oder wollten die Oberösterreicher nicht stemmen.

Jetzt bangen 2.500 Mitarbeiter an 229 Standorten um ihren Job. Auch wenn Konzern-Eigentümer Georg Pfeiffer hofft, dass "eine Vielzahl an Standorten an Mitbewerber geht" und sich auch die eigenen Unimärkte in Niederösterreich und der Steiermark Zielpunkt-Filialen einverleiben könnten: Am ohnehin angespannten Arbeitsmarkt dürfte die Pleite tiefe Spuren hinterlassen, zumal das Qualifikationsniveau nicht unbedingt das höchste ist. In diesem unteren Lohnsegment sind Jobaussichten besonders düster.

6700 Mitarbeiter

Wie konnte es zu dieser schweren Krise kommen? Zielpunkt kämpft mit Umsatzrückgängen und Margendruck. Der Betriebserfolg verschlechterte sich von minus 3,2 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 11,4 Millionen im Vorjahr, wie der Bilanz zu entnehmen ist. Das Eigenkapital war zum Jahresende mit 24,87 Millionen Euro negativ, womit die Gesellschaft buchmäßig überschuldet ist. Der Gang zum Masseverwalter konnte nur dank einer Patronatserklärung von Pfeiffer über 16 Millionen Euro und nachrangiger Kredite in Höhe von 12,4 Millionen Euro vermieden werden. Inwieweit die Garantie der Mutter nun schlagend wird, war Mittwochabend nicht in Erfahrung zu bringen.

Pfeiffer betonte aber ausdrücklich, dass die Zielpunkt-Insolvenz auch dem Zweck diene, die Lebensfähigkeit der anderen Bereiche nicht zu gefährden. Neben Unimarkt zählen Nah&Frisch-Märkte, weitere Nahversorger und der Logistik-Bereich zum Konzern mit Sitz im oberösterreichischen Traun. Der Großhandel unter dem Namen C+C wird an Transgourmet, eine Tochter der Schweizer Coop, verkauft. Die Transaktion soll im Jänner finalisiert werden. In Summe kommt Pfeiffer – noch inklusive Zielpunkt – auf 6.700 Mitarbeiter. Mit dem Verkauf und der Insolvenz wird sich das 1862 gegründete Familienunternehmen in etwa halbieren.

Konzept- und Eigentümerwechsel

Zur wirtschaftlichen Schieflage von Zielpunkt dürften auch die häufigen Konzept- und Eigentümerwechsel beigetragen haben. Vorgänger Löwa (gegründet von Walter Löwe und Jenö Eisenberger) wurde Anfang der 1970er-Jahre an die deutsche Tengelmann-Gruppe verkauft, übernahm dann einige Konsum- und Meinl-Läden. Vor zehn Jahren wurden knapp 100 Filialen zu Plus-Diskontern umgebaut, um nur drei Jahre später wieder in Zielpunkt rückbenannt zu werden. 2010 verkaufte Tengelmann an einen Beteiligungsfonds, 2012 versuchte Jan Satek ein Management-Buy-out, um ein Jahr später an Pfeiffer zu verkaufen.

Laut Bilanz 2014 hat Zielpunkt 55 Millionen Euro Schulden – vor allem gegenüber Lieferanten. Inwieweit damit auch Pfeiffer – neben der Patronatserklärung – betroffen ist, war nicht in Erfahrung zu bringen. Ebenso wenig bekannt sind allfällige zusätzliche Schulden bei Banken. (as, 25.11.2015)

  • 2.500 Jobs bedroht: Zielpunkt muss Insolvenz anmelden.
    foto: cremer/standard

    2.500 Jobs bedroht: Zielpunkt muss Insolvenz anmelden.

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