Fairtrade allein garantiert keinen fairen Lohn

26. November 2015, 05:30
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Autorin Gisela Burckhardt warnt vor von Unternehmen selbst geschaffenen Gütesiegeln. Sie setzt auf schrittweise Verbesserungen in der internationalen Textilproduktion

Salzburg – Wie kann sich der Verbraucher in der Flut von Siegeln und Auszeichnungen informieren, welche Bekleidung fair gehandelt und fair produziert ist? Das ist eines der Themenfelder, die Konsumenten im Zusammenhang mit den oft lebensgefährlichen und sozial inakzeptablen Arbeitsbedingungen für Näherinnen in der Textilindustrie Asiens konkret interessieren.

Spinnen, Weben, Nähen

Vorsicht bei Siegeln, die sich die Unternehmen selber verleihen, man wolle die Konsumenten vor allem verwirren – man solle nur "unabhängig erstellten Siegeln trauen", fasst die deutsche Autorin Gisela Burckhardt im Rahmen einer von der Uni Salzburg veranstalteten "Salzburger Vorlesung" im Gespräch mit Ö1-Journalistin Renata Schmidtkunz und STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Förderl-Schmid den wichtigsten Grundsatz zusammen. Burckhardt ist Autorin des Buchs "Todschick. Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert", das sich vor allem mit den Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken von Bangladesch beschäftigt.

Aber auch bei bekannten unabhängigen Siegeln ist Burckhardt zurückhaltend. Fairtrade etwa habe den Zusatz "Certified Cotton". Das bedeute als Produktsiegel momentan nur, dass der Farmer für die Baumwolle fair entlohnt worden sei. Der ganze Prozess danach vom Spinnen übers Weben bis hin zum Nähen sei darin nicht automatisch enthalten.

Fair Wear

Statt Produkt- plädiert Burckhardt für Unternehmenssiegel – wie etwa jenes der Fair Wear Foundation. Das sei glaubwürdiger, weil hier die gesamte Einkaufspolitik eines Unternehmens begutachtet werde. Die Stiftung überprüfe nicht nur die Fabrik in Bangladesch und anderen Staaten, sondern auch den Einkäufer hier in Europa, ob dieser mit seiner Einkaufspolitik überhaupt das Zahlen fairer Löhne in den Produktionsländern ermögliche.

Fair Wear bedeute freilich auch nicht, dass heute schon gute Löhne bezahlt werden, aber man müsse Jahr für Jahr einen Fortschritt sehen. Es handle sich um ein "fortschrittsorientiertes Siegel". (Thomas Neuhold, 26.11.2015)

  • STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, Autorin Gisela Burckhardt und Ö1-Journalistin Renata Schmidtkunz (von links nach rechts) diskutierten in Salzburg über die Produktionsbedingungen in der Textilbranche.
    foto: hannes huber

    STANDARD-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid, Autorin Gisela Burckhardt und Ö1-Journalistin Renata Schmidtkunz (von links nach rechts) diskutierten in Salzburg über die Produktionsbedingungen in der Textilbranche.

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