Erzdiözese Wien: "Entwicklungsräume" als Vorstufe zu Großpfarren

25. November 2015, 18:01
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Adventkranz mit Sparflamme: Hirtenbrief von Kardinal Schönborn an alle Pfarren am kommenden Sonntag

Wien – Am ersten Adventsonntag erhalten die 1,24 Millionen Katholiken der Erzdiözese Wien durchaus brisante Post aus dem Erzbischöflichen Palais. Kardinal Christoph Schönborn wird via Hirtenbrief an alle Pfarren über das Inkrafttreten sogenannter "Entwicklungsräume" informieren. Was nach raumfüllender Weiterentwicklung klingt, ist in Wahrheit die nächste Stufe einer dem Sparzwang unterworfenen Strukturreform. Mit einem klaren Ziel: Von den derzeit 653 sollen bis spätestens 2023 nur mehr gut 300 Pfarren übrig sein.

Hintergrund für die Pfarrzusammenlegungen sind die stetig sinkende Katholikenzahl in Wien und die mehr und mehr zum Pro blem werdende Personalnot im Haus Gottes. "Es geht um eine unaufschiebbare kirchliche Erneuerung", betont der Wiener Generalvikar Nikolaus Krasa, der den Prozess leitet.

Insgesamt werden nun 140 sogenannte "Entwicklungsräume" geschaffen. Dabei handelt es sich um neu definierte pastorale Einheiten aus mehreren heutigen Pfarren, die in Zukunft im gemeinsamen Verband auftreten sollen. In einer ersten Findungsphase bis zum Jahr 2019 lässt man den Pfarren noch die freiwillige Entscheidung, ob nun der Zusammenschluss in Seelsorgeräumen (derzeit 20), Pfarrverbänden (derzeit 16) oder gleich als "Pfarre neu" über die Bühne geht.

Erzbischöfliches Ziel ist aber klar das dritte pfarrliche Gemeindemodell: Mehrere Pfarren schließen sich zu einer gemeinsamen Großpfarre zusammen, die bisherigen einzelnen Pfarrgemeinden werden zu Teilgemeinden. Klar ist damit auch, dass Priester wohl ihre Funktion als Pfarrer verlieren werden. Als "Ersatzjob" wurde nun die Funktion des Pfarrvikars geschaffen, der sich im Altarraum zwischen Kaplan und Pfarrer bewegt. Gehaltseinbußen für die Geistlichen soll es laut Erzdiözese nicht geben.

Mit Spannung wird gerechnet

Doch was mit Pfarren, die auch 2019 noch nicht das Bedürfnis haben, zu einer klerikalen Einheit zu verschmelzen? Krasa: "Da lasse ich mir die Schritte offen. Jetzt wollen wir die Sache einmal ausprobieren, dann können wir dar über reden." Ob man damit rechnet, dass die Diözesanreform nicht völlig ohne Widerstand über die Bühne gehen wird? Krasa: "Ja, es wird wohl auch Spannungen und Konflikte geben." Und wenn es einmal ordentlich knistert im Kirchengebälk, wird es wohl die Aufgabe des pro "Entwicklungsraum" neu geschaffenen Koordinationsteams sein, wieder für mehr Nächstenliebe zu sorgen.

Aktuell gibt es bereits drei Pfarren neu, hervorgegangen aus Zusammenschlüssen von insgesamt elf Pfarren, alle in Wien-Favoriten. Zwei weitere sind in Vorbereitung. Wichtig wird bei der Umsetzung der Strukturpläne sein, sich mit den Orden gut zu stellen: Denn dort liegt die Personalhoheit über rund 50 Prozent der Priester in der Erzdiözese Wien.

  • Der Wiener Generalvikar Nikolaus Krasa zückt den Sparstift.
    foto:andy urban

    Der Wiener Generalvikar Nikolaus Krasa zückt den Sparstift.

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