Oettinger: Versicherungen brauchen mehr digitale Produkte

25. November 2015, 16:40
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Google-Manager: "Kreativität lässt sich nicht verordnen"

EU-Kommissar Günther Oettinger hat die Versicherungsbranche in Deutschland davor gewarnt, in der rasanten digitalen Entwicklung den Anschluss an große Internet-Konzerne zu verpassen. Die Verantwortlichen dürften sich nicht nur mit den Folgen der Niedrigzinsphase befassen, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch auf dem Versicherungstag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GEV).

"In den nächsten fünf Jahren wird mehr passieren als in den vergangenen fünf Jahrzehnten", prophezeite er. Wer sich nicht darauf vorbereite, sehe schweren Zeiten entgegen.

Branche soll bei Datennutzungsrecht mitdiskutieren

"Die Medienbranche wurde schon überrollt", sagte Oettinger. Und auch die deutsche Automobil-Industrie sei bedroht, weil insbesondere jüngere Kunden eher auf Marken wie Apple vertrauen würden. Er gehe davon aus, dass Apple innerhalb von fünf Jahren auch Autos anbieten werde. Weltweit sei Apple schon heute viel bekannter und wertvoller als die deutschen Automobil-Hersteller Daimler und BMW.

Oettinger forderte die Versicherungsbranche auf, sich mit neuen digitalen Produkten stärker an den Bedürfnissen der Kunden zu orientieren. Dabei müssten die Unternehmen darauf achten, nicht den direkten Kontakt zu ihren Vertragskunden zu verlieren. "Halten Sie die Schnittstelle zu den Kunden und verhindern Sie, dass sich da jemand dazwischendrängelt", riet der EU-Kommissar den Branchenvertretern. Die Digitalisierung werfe auch neue Fragen auf, die erst noch gelöst werden müssten. Das gelte etwa für die Frage nach der Datenhoheit. Er rief die Branche auf, sich an der Diskussion über ein neues Datennutzungsrecht zu beteiligen.

Solidarsystem in Gefahr

Zu den Bereichen, die von der Veränderung besonders betroffen sind, gehöre das Thema Gesundheit. So würden in Zukunft immer mehr Menschen Armbänder oder andere Fitness-Tracker tragen, um gesundheitsrelevante Daten aufzuzeichnen, sagte Oettinger. "Wer sich ordentlich verhält und gesund lebt, wird von der Kranken- und Lebensversicherung einen Rabatt bekommen." Dabei könne das Solidarsystem in Gefahr geraten.

Google-Manager Frederik Pferdt ermunterte die Versicherer, eine Kultur zu schaffen, die mehr Innovationen zulässt. "Kreativität lässt sich nicht verordnen. Dafür braucht es Offenheit und Optimismus." Der österreichische Facebook-Kritiker Max Schrems, der vor den EuGH das europäische Datenaustausch-Abkommen mit den USA ("Safe Harbor") zu Fall gebracht hatte, setzte sich auf dem Versicherungstag für verbindliche Rahmenbedingungen für den Betrieb der neuen digitalen Dienste ein. (APA, 25.11.2015)

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