Private Stresstests für Inhaber großer Vermögen

29. November 2015, 12:00
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Der Schweizer Finanzdienstleisters Swisspartners prüft, ob und wo Bankkunden Geld liegen lassen

Wien – Überhöhte Gebühren, versteckte Kosten oder Klumpenrisiken – mit einem externen "Stresstest" können Anleger mehr Kostentransparenz und Effizienz in ihre Vermögensverwaltung bringen. "Wir haben die Aufgabe, den Banken auf die Finger zu schauen", erläutert Markus Wintsch, Chef des Schweizer Finanzdienstleisters Swisspartners. "Wir holen für unsere Kunden Geld zurück, besonders bei großen Summen geht das schnell."

Tatsächlich werden wohl nur betuchte Personen dieses Angebot in vollem Umfang in Anspruch nehmen können, denn dies rechnet sich laut Wintsch erst ab fünf Bankbeziehungen und einem verwalteten Vermögen von zehn Millionen Euro oder Franken. Dann wird Swisspartners mit einer Vollmacht ausgestattet, um sämtliche Daten aller Bankbeziehungen im eigenen System zu spiegeln und in drei Stufen zu analysieren.

Fehlbuchungen kontrollieren

Zunächst geht es um materielle Kontrolle, also ob es etwa zu Fehlbuchungen gekommen ist. Im kundenspezifischen Teil wird die Gesamtallokation über alle Bankbeziehungen überprüft oder der Frage nachgegangen, ob alle Kundenwünsche wie der Ausschluss von Hedgefonds eingehalten werden.

Am meisten zu holen gibt es vor allem auf der dritten Ebene, dem Kostenteil. Dabei wird bei sämtlichen Gebühren und Transaktionen im Detail durchgerechnet, ob bzw. wie viel der Kunde zu viel bezahlen musste. "Wir wollen ein Drittel des Einsparungspotenzials im ersten Jahr", erläutert Wintsch die Kosten dieser Dienstleistung. Danach werde eine jährliche Pauschale verrechnet, die sich im Promillebereich des verwalteten Vermögens bewege.

Zusätzlich bietet Swisspartners als abgespeckte Variante auch Portfolioanalysen an. "Es gibt in jedem Depot etwas zu finden, das es zu beanstanden gibt", sagt Wintsch aus Erfahrung. Banken bieten diesen Service zwar auch an, davon rät der Swisspartners-Chef jedoch ab: "Es besteht die Gefahr, dass die Änderungsvorschläge im Interesse der Bank liegen", gibt er zu bedenken.

Faustregeln für Privatanleger

Für Privatanleger jeder finanziellen Größenordnung hat Wintsch zusätzlich einige "Faustregeln" parat, etwa für die Wahl der Geldhäuser. Er hält zwei bis drei Bankbeziehungen für die richtige Anzahl, dann gebe es Vergleichsmöglichkeiten, und man könne die Institute gegenseitig im Preis drücken. Wenn eine Bank versucht, stets eigene Produkte zu verkaufen, rät Wintsch, "Nein zu sagen und sich nicht überrumpeln zu lassen. Vor allem bei bankeigenen Produkten heißt es doppelt hinzusehen hinsichtlich des Risikos und vor allem der Kosten."

Hinsichtlich der Veranlagung gilt es zunächst die eigene Risikobereitschaft mit den Depotpositionen zu vergleichen. Dazu empfiehlt Wintsch, sich historische Schwankungen im Internet anzusehen und zu hinterfragen, ob man im Ernstfall willens sei, entsprechende Rückgänge künftig zu tragen.

Positionsgrößen sollten klar beschränkt werden, Wintsch rät bei Einzelaktien zu maximal drei Prozent des Gesamtvermögens, bei einzelnen Aktienfonds zu fünf und bei Anleihen und Dachfonds zu maximal zehn Prozent. Grundsätzlich gilt zudem: Je höher der Aktienanteil, desto länger sollte auch der Anlagehorizont sein. Als Richtlinie für die Gewichtung legt Wintsch nahe, das eigene Alter von 100 abzuziehen, um die jeweils empfehlenswerte Aktienquote zu errechnen. (Alexander Hahn, 26.11.2015)

  • Sieht den Banken auf die Finger: Swisspartners-Chef Wintsch
    foto: ho

    Sieht den Banken auf die Finger: Swisspartners-Chef Wintsch

  • Das Service rechnet sich aber erst ab zehn Millionen Euro oder Franken
    foto: apa/dpa/oliver berg

    Das Service rechnet sich aber erst ab zehn Millionen Euro oder Franken

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