Angelina Jolie: Hollywood-Star und Frau mit Vorbildwirkung

Kopf des Tages25. November 2015, 16:32
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Die Schauspielerin sorgt für Nachahmung bei der Gesundheitsvorsorge

Es war ein seltsames Bild, das Angelina Jolie 2011 auf einem Werbesujet abgab: eine schöne Frau auf einem Kahn irgendwo im Hinterland von Kambodscha, die Füße bloß, neben sich eine teure Tasche, das Haar zu prächtiger Fülle toupiert. Sie wirkte, als hätte man sie ausgesetzt, dabei konnte man sich den Apparat von Leuten und Maschinen auf der anderen Seite der Kamera mühelos dazudenken.

Das Motiv zog damals Gespött auf sich, aber es traf sehr viel von dieser Kunstfigur, zu der Angelina Jolie Pitt, geborene Voight, im Lauf einer faszinierenden Karriere geworden ist: Abenteurerin, Kolonialherrin, Luxusgeschöpf, ein Objekt der Begierde, das zugleich schutzbedürftig und unantastbar wirkt. In die südostasiatische Landschaft hatte sie sich verliebt, als sie für Dreharbeiten zu "Lara Croft: Tomb Raider" hingekommen war. Mit der Figur aus einem Videospiel wurde sie 2001 so richtig bekannt, schon damals ging es eher um zeichenhafte Präsenz als um psychologisch nuanciertes Schauspiel.

2005 spielte sie an der Seite von Brad Pitt in dem Agententhriller "Mr. & Mrs. Smith", aus diesen Dreharbeiten ging die bis heute prägende Großfamilie Hollywoods hervor, ein Patchwork von den Dimensionen einer mittleren Firma, wenn man Dienstboten, Masseure, Tagesmütter und Sicherheitsleute hinzuzählt. Das Bündnis mit biologischen und angenommenen Kindern hat sich als bemerkenswert stabil erwiesen, es bildet das Zentrum eines echten Wanderzirkusses.

Schauspielauftritte wie in dem Actionfilm "Salt" oder in "The Tourist" bilden dabei längst nur noch einen kleinen Teil der Aktivitäten, daneben nimmt Wohltätigkeit eine wichtige Rolle ein, Jolie ist Botschafterin für den UNHCR, und auch ihre Entscheidung, sich aus Gründen der gesundheitlichen Vorsorge die Brüste und vier Jahre später die Eierstöcke entfernen zu lassen, hatte – nunmehr wissenschaftlich belegte – Vorbildwirkung.

Das Engagement für eine bessere Welt prägte anfangs auch ihre Versuche als Regisseurin. Mit "In the Land of Blood and Honey" (2011) erzählte sie eine Begebenheit aus den Jugoslawien-Kriegen, mit "Unbroken" setzte sie sich für eine Aufarbeitung des Verhältnisses der USA zu Japan ein. Ihr neuester Film "By the Sea" ist allerdings ein Erotikthriller, in dem sie selbst neben Brad Pitt die Hauptrolle spielt. Im "first couple" der Traumfabrik nimmt es der Mann lässig hin, dass seine Frau ihm vielfach die Show stiehlt. Auch das kann man als Teil ihres Weltverbesserungsprojekts sehen. (Bert Rebhandl, 25.11.2015)

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    foto: ap photo/hkun lat, file
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