Slowakische Krankenschwestern kündigen

25. November 2015, 15:18
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Protestaktion für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen

Bratislava – Krankenschwestern in der Slowakei haben eine landesweite Massenkündigungsaktion für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gestartet. "Eine andere Möglichkeit, um die Verantwortlichen zu einer seriösen Lösung der Probleme im Gesundheitswesen zu bringen, sehen wir nicht mehr", teilte die Präsidentin des slowakischen Krankenschwesternverbandes, Iveta Lazorova, am Mittwoch mit.

Die ersten 200 Kündigungen wurden bereits im Krankenhaus der zentralslowakischen Stadt Zilina eingereicht. In den folgenden Tagen und Wochen soll sich laut Lazorova weiteres Personal in großen und kleinen Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land anschließen. Die genaue Zahl der Schwerstern, Sanitäter, Geburtshelferinnen und anderer Mitarbeiter, die sich zur Kündigung bereit erklärt hätten, will der Verband vorerst geheim halten, um die "Teilnehmer" vor dem Druck der Krankenhausleitungen zu schützen. In einigen Krankenhäusern sollen es 80 Prozent des gesamten Personals sein, so Lazorova. Betroffenen Einrichtungen würde damit der Kollaps drohen.

Lazorova bezeichnete die Kündigungsaktion als Protest gegen die seit dreieinhalb Jahren andauernden "seltsamen Spiele der Regierung" mit den Krankenschwestern. Vorhergegangene Protestveranstaltungen zeigten keine Wirkung, bei der Vorbereitung eines aktuellen Gesetzes über Mindestlöhne im Gesundheitswesen ist das Gesundheitsministerium auf Forderungen der Bediensteten nicht eingegangen. Die Regelung, die am Mittwoch vom Parlament in Bratislava angenommen wurde, garantiert den Schwestern lediglich einen Mindestlohn von 695 Euro, berücksichtigt zudem nicht die Zahl der bereits gearbeiteten Jahre. Die Schwesternkammer bezeichnete das Gesetz als Farce.

Eine Massenkündigungsaktion von Ärzten erschütterte zuletzt Ende 2011 das slowakische Gesundheitswesen. Rund 1.200 Ärzte kündigten, die damalige Regierung von Iveta Radicova sah sich gezwungen Notstand auszurufen. Die Mediziner konnten ihre Lohnforderungen schließlich durchsetzen. (APA, 25.11.2015)

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