Sony Xperia Z5 Premium im Test: 4k-Display für die virtuellen Fisch'

8. Dezember 2015, 13:00
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Das Android-Flaggschiff bietet die derzeit höchste Display-Auflösung

Als Sony im September auf der IFA in Berlin das erste Smartphone mit 4k-Display aus dem Hut gezaubert hat, war die Reaktion erst einmal "Wow". Und die zweite: "wozu braucht man das jetzt genau?" In einem ersten kurzen Hands-on der WebStandard ließ das Xperia Z5 Premium damals bereits vermuten, dass ein ziemlicher Kraftlackel von Smartphone dahinter steckt. Nun konnten wir uns eingehender mit dem 5,5-Zöller beschäftigen und der Frage nachgehen, ob das 4k-Display tatsächlich etwas im Alltag bringt.

Display

Das Xperia-Modell bietet eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixel. Bei einer Bildschirmdiagonale von 5,5 Zoll ergibt das eine erstaunliche Pixeldichte von über 800 ppi.

foto: standard/riegler
Das Display des Xperia Z5 Premium ist das derzeit höchstauflösende bei einem Smartphone.

Apples iPhone 6s Plus kommt auf rund 400 ppi, das Samsung Galaxy S6 auf 577 ppi und das beim Google Nexus 6P sind es 518 ppi. Zur Erinnerung: bei einer Pixeldichte ab ca. 300 ppi nimmt man im Abstand von etwa 30 Zentimetern keine einzelnen Bildpunkte mehr mit freiem Auge war. Wer die Pixelstruktur des Xperias erkennen will, muss mit der Lupe ran.

Die hohe Auflösung wird allerdings nur bei Fotos und Videos erreicht, alle anderen Inhalte wie Apps und das Android-Interface werden mit 1080p angezeigt, wie Sony bereits im September bestätigt hat. Das soll Performance und Akkulaufzeit schonen.

Inhalte

Wo findet man 4k-Videos? In der YouTube-App für Android gibt es zwar seit einiger Zeit einen eigenen Filter, um 4k-Videos zu zeigen. Allerdings konnte bei mehreren getesteten Videos nur maximal 1080p eingestellt werden, obwohl sie am Desktop sehr wohl eine 4k-Option boten. Möglich ist die Wiedergabe von 4k-Videos in der Netflix-App und Sonys eigenem Player. Mit der integrierten 23-Megapixel-Kamera können Nutzer eigene 4k-Videos aufnehmen. Einen echten Unterschied zu Inhalten in Full-HD-Auflösung merkt man allerdings nicht.

foto: standard/riegler
Mit entsprechend hochauflösenden Inhalten könnten Smartphones mit 4k-Displays ein besseres Virtual Reality-Erlebnis bieten. Im Bild: Ein Blick durch Cardboard.

Eine Rolle spielen könnten Smartphones mit 4k-Displays bei Virtual Reality-Brillen. Aktuell ist der Markt dafür aber noch überschaubar. Samsungs Gear VR funktioniert nur mit Galaxy-Smartphones. Beim Zeiss VR One werden nur Smartphones mit maximal 5,2 Zoll unterstützt. Mit Googles Cardboard kann man das Sony-Smartphone zwar verwenden, allerdings haben wir im Test noch keine 4k-Inhalte dafür gefunden. Den Unterschied zu einem Smartphone mit geringerer Auflösung merkt man dennoch: es sind mit dem Headset kaum Pixel wahrzunehmen. Gravierend besser macht es das Cardboard-Erlebnis allerdings nicht. So bleibt das 4k-Display vorerst noch eine technische Spielerei, die am Papier eine bessere Figur macht als in der Realität.

Design

Nichts Neues hat sich Sony beim Design einfallen lassen. Das Gehäuse misst 154,4 x 76,0 x 7,8 mm und kommt in der für die Xperia-Serie typischen blockartigen Form. Das wirkt bei einem 5,5 Zoll großen Smartphones besonders wuchtig. Das Z5 Premium kommt auf ein Gewicht von 181 Gramm, eine Spur mehr als die meisten anderen Modelle in der Größenklasse. Ein ernstes Wörtchen müsste man mit den Designern von Sony bezüglich der Rückseite reden. Hier hat man sich für eine spiegelnde Oberfläche entschieden. In der Variante Chrom sieht man sich darin wie einem normalen Spiegel. Das schaut vielleicht im Shop hinter einer Glasvitrine schmuck aus, einmal in der Hand gehabt ist die Rückseite aber von unschönen Fingerabdrücken übersät.

Sony zieht das Block-Design der Xperia-Serie auch beim Premium-Modell durch.
foto: standard/riegler
Auf der spiegelnden Rückseite bleiben sofort unschöne Fingerabdrücke.

Immerhin ist das Z5 Premium wie die anderen Xperia-Modelle wasser- und staubdicht nach IP65/68. Das bedeutet, dass man es dauerhaft in über einem Meter Tiefe in Süßwasser untertauchen kann. Auch einen Wasserstrahl mit leichtem Druck hält es für etwa drei Minuten Stand.

Kamera

In einen Pixelrausch ist Sony nicht nur beim Display verfallen, sondern auch bei der Kamera. In dem Modell ist eine 23-Megapixel-Kamera mit Dual-LED-Blitz und Hybrid-Autofokus verbaut, übrigens wie auch im normalen Z5 und beim kleineren Compact. Die Kamera fokussiert und löst sehr schnell aus. Schnappschüsse sollten einem so nicht entgehen. Die Farben sind intensiv, teilweise eine Spur zu knallig. Farben und Helligkeit lassen sich über zwei Schieberegler aber sehr schnell und einfach ändern, sodass man Fotos nicht erst nachträglich bearbeiten muss. Wie bisher bietet Sony zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, Filter, Effekte und einen guten Automatikmodus.

standard/riegler
Bei guten Lichtverhältnissen macht die Kamera gute, detailreiche Fotos.
standard/riegler
Aufnahme mit seitlich einfallendem Licht.
foto: standard/riegler
Aufnahme in den Abendstunden mit Blitz.

Bei schlechteren Lichtverhältnissen kann die Kamera nicht ganz überzeugen. Gegenlichtaufnahmen werden einigermaßen passabel ausgeglichen. Bei schrägem Lichteinfall wirken die Ränder recht ausgewaschen. Die Farben des Motivs auf das fokussiert wurde, bleiben aber leuchtend. In dunklen Umgebungen kommt stärkeres Bildrauschen hinzu. Vor allem aber benötigt die Kamera in diesem Fall deutlich länger um zu fokussieren.

Zusätzlich hat Sony eine Frontkamera mit 5 Megapixeln für Selfies verbaut. Allerdings sollte man hier auf gute Ausleuchtung achten. Bei Tageslicht in einem Innenraum wirkten die Fotos im Test schnell ausgefranst. Auf die Kunstlichteinstellung sollte man eher verzichten, sie taucht die Fotos in ein sehr unrealistisches, kaltes Blau.

Performance

Sony hat im Z5 Premium wie im normalen Z5 den 64-bit-Octacore-Prozessor Qualcomm Snapdragon 810 und 3 GB Arbeitsspeicher verbaut. Damit verfügt das Smartphone über einige Pferdestärken, die es vor allem bei Games und Virtual Reality-Apps ausspielen kann. Im Benchmark-Test Geekbench 3 kommt das Z5 Premium auf einen guten Wert von 4151 im Multicore-Test und 1376 im Singlecore-Test. Somit liegt es mit anderen aktuellen Android-Flaggschiffen etwa gleich auf. Im Test wies das Smartphone eine absolut flüssige Bedienung auf. Bei intensiverer Nutzung wird die Rückseite recht warm, vor allem bei den Cardboard-Apps und 360-Grad-Videos.

Die Sprachqualität beim Telefonieren ist in Ordnung, der Sound der Lautsprecher lässt allerdings zu wünschen übrig. Zwar kann man sehr laut aufdrehen, dafür klingt der Ton äusserst blechern und speziell bei Bässen vibriert die Rückseite des Smartphones stark.

Intern stehen bis zu 32 GB Speicher zur Verfügung, die dank SD-Karten um 200 GB erweitert werden können. Weiters verfügt das Smartphone über Bluetooth 4.1, ANT+ für Fitness-Zubehör, aGPS, NFC, WLAN ac sowie LTE. Auch ein Fingerabdrucksensor ist im Power-Button an der Geräteseite untergebracht.

Akkulaufzeit

Sony verspricht beim Z5 Premium trotz des Riesendisplays eine Laufzeit von bis zu zwei Tagen. Dafür hat das Unternehmen einen Akku mit 3430mAh und seine bereits bekannten Schonmodi Stamina und Ultra Stamina verbaut, bei denen gewisse Funktionen deaktiviert werden um noch etwas mehr Saft auf dem Gerät zu quetschen. Damit kann man tatsächlich eine längere Laufzeit herausholen. Nützlich ist das etwa, wenn man unterwegs keine Möglichkeit hat das Gerät aufzuladen aber zumindest telefonisch erreichbar sein muss.

Anders sieht es aus, wenn man viel fotografiert, Videos ansieht, das Display heller stellt oder ein Spiel spielt. Hier leert sich der Akku erwartungsgemäß schnell. Im Test verlor der Akku in zwei Stunden ca. 30 Prozent während Fotos aufgenommen, verschiedene Apps heruntergeladen und ausprobiert, Videos angeschaut und der Benchmarktest durchgeführt wurden. Das Display war nicht durchgehend eingeschaltet und auf automatische Helligkeitsanpassung eingestellt. Bei weniger intensiver Nutzung sollte es sich auch ohne aktivierten Akkuschonmodus ausgehen, das Smartphone bis zum späten Abend zu nutzen.

Software

Auf dem Xperia Z5 Premium kommt Android 5.1 zum Einsatz. Wie üblich hat Sony eine Reihe von Apps vorinstalliert. Stärkere Anpassungen gibt es wie erwähnt bei der Kamera. Ansonsten übt sich der Hersteller in angenehmer Zurückhaltung. Und die meisten zusätzlich vorinstallierten Apps kann man löschen. Für Sonys eigene Anwendungen gilt das natürlich nicht.

Fazit

Das Sony Xperia Z5 Premium ist zweifellos ein sehr gutes Smartphone mit herausragender Performance. Das 4k-Display bringt im Alltag allerdings noch keinen Mehrwert. Im Gegenteil, es sorgt dafür, dass der Preis des Geräts in die Höhe getrieben wird. Stolze 799 Euro kostet das Smartphone. Besser beraten sind Nutzer, die sich für ein Sony-Smartphone interessieren mit dem Z5 oder dem Z5 Compact. Diese kommen auf 699 bzw. 549 Euro. (Birgit Riegler, 8.12.2015)

Hinweis im Sinn der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion vom Hersteller für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

Link

Sony Xperia Z5 Premium

Nachlese

Sony Xperia Z5 Compact im Test

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