Von essbaren Transistoren und falschen Parasiten

24. November 2015, 18:50
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Vergangene Woche ging das "Jahr der Forschung" zu Ende – mit der Prämierung von Zukunftsideen

Wien – Um auf die Leistungen des Wissenschaftsstandorts Österreich aufmerksam zu machen, rief das Wissenschaftsministerium 2015 zum "Jahr der Forschung" aus. Mit der Prämierung der besten Zukunftsideen am vergangenen Freitag wurde die Initiative, die insgesamt über 230 Einzelveranstaltungen umfasste, abgeschlossen.

In dem Ideenwettbewerb wurden in fünf Kategorien aus rund 150 eingereichten Vorschlägen Konzepte prämiert, die zukünftige Innovationen versprechen.

Eines dieser Siegerprojekte widmete sich den wachsenden Müllbergen: 2014 fielen allein 41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott weltweit an. Melanie Baumgartner, Doktorandin vom Institut für Polymerwissenschaften der Uni Linz, hat ein Konzept biologisch abbaubarer organischer Elektronik entwickelt: Im Rahmen ihrer Diplomarbeit hat sie bereits einen Feldeffekttransistor aus vollständig biologisch abbaubaren Materialien gebaut.

Nun denkt sie darüber nach, wie man derartige Bauteile noch flexibler und dehnbarer gestalten kann. "Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, passende Materialien zu finden. Ich bin dabei in der Küche fündig geworden: Unter anderem habe ich Stoffe wie Gelatine und Zitronensäure verwendet." Deswegen kann man ihren Transistor nicht nur ruhigen Gewissens auf den Kompost werfen, sondern sogar essen.

Das körperliche Wohlbefinden stand bei Martin Trinker, Molekularbiologe beim Grazer Biotechnologieunternehmen ACIB im Mittelpunkt: Er beschäftigte sich mit der wachsenden Ausbreitung von Allergien. Dieses Problem ist eine Kehrseite der Zivilisation: Größere Hygienestandards haben uns auch empfindlicher gegenüber eigentlich unschädlichen Stoffen gemacht, sagt Trinker: "Wo kaum noch Parasiten zu finden sind, treten Allergien häufiger auf." Mangels solcher Parasiten, um die sich das Immunsystem kümmern kann, reagiert es sich stattdessen an harmlosen Eindringlingen wie Pflanzenpollen ab.

Allergien abmildern

Parasitenkuren sind zwar möglich, aber nicht ungefährlich. "Es gibt tatsächlich Leute, die bereit sind, in Eigentherapie zum Beispiel Bandwurmeier zu schlucken. Als Biotechnologe habe ich mir gedacht, dass es da auch einen weniger unappetitlichen Weg geben muss, wenn man heute sogar Insulin künstlich herstellen kann." Trinker will daher artifizielle Parasiten schaffen, die dem Immunsystem die Anwesenheit dieser Organismen vorgaukeln, um Allergien abzumildern oder gar an der Entstehung zu hindern.

Es wurden aber nicht nur Wissenschafter, sondern auch erfindungsreiche Schüler ausgezeichnet – wie etwa Lukas Baumgartner, Christoph Firnkranz und Lukas Vogl von der HTBL Hollabrunn. Die drei Weinviertler sorgen sich um die Gesundheit der Winzer: Als die Schüler immer wieder von Gärgasunfällen hörten, beschlossen sie, ihre ursprünglich als einfaches Lüftungssystem für das Klassenzimmer geplante Idee für den Einsatz im Weinkeller zu adaptieren.

In ihrer Arbeit entwickelten sie ein CO2-Sensornetzwerk, das bei gefährlich überhöhten Gärgasbildungen Alarm schlägt, eine Entlüftung einleitet und eine Warnbeleuchtung aktiviert. Firnkranz: "Die Entwicklungsphase ist fast abgeschlossen, nun geht es an die Realisierung. Wir haben in der Schule die Grundlagen gelernt, jetzt müssen wir uns selbstständig neue Erkenntnisse erarbeiten." (Johannes Lau, 24.11.2015)

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