Raiffeisen und Sparkassen wehren sich

24. November 2015, 15:51
1 Posting

Institute sehen "Brandbeschleuniger" in Krisenzeiten – EU-Kommissar Hill weist Kritik zurück

Wien/Brüssel – Österreichs Raiffeisenbanken und Sparkassen lehnen die von der EU-Kommission geplante volle Einlagensicherung für alle europäischen Sparguthaben bis 100.000 Euro vehement ab. Eine solche Vergemeinschaftung bedeutete Nachteile für die österreichischen Sparer, in Krisenzeiten könne sie gar zum "Brandbeschleuniger" werden.

"Eine Haftung für Krisenbanken in anderen Ländern würde unsere Sparer verunsichern. Wir haben ja auch keinen Einfluss auf das Risikomodell dieser Banken", argumentierte Andreas Pangl, Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes (ÖRV), am Dienstag in einer Aussendung.

Auch Sparkassenverbands-Generalsekretär Michael Ikrath sieht ein Risiko, "das im Ernstfall massive soziale Spannungen, eine weitere Entsolidarisierung und politische Radikalisierung fördert". Der ehemalige ÖVP-Nationalratsabgeordnete sieht nicht ein, "dass die nationalen Sicherungsfonds künftig unter dem Kommando der EU auch für Spareinlagen in den Ländern mit niederem Sicherungsniveau und wenig leistungsfähigen Staatsfinanzen einstehen sollen."

Bei Sparkassen oder Genossenschaftsbanken seien die Guthaben der Sparer dank der bestehenden Institutssicherungssysteme weit über die gesetzlichen 100.000 Euro garantiert, so Ikrath.

Die EU-Kommission will bis 2024 schrittweise ein vollumfängliches Einlagensicherungssystem schaffen. Ausnahmen für Sparkassen und Genossenschaften, wie dies vor allem deutsche und österreichische Institute verlangten, sind laut den am Dienstag vorgestellten Plänen nicht vorgesehen.

Ähnliche Kritik der deutschen Sparkassen hat heute in Straßburg EU-Finanzkommissar Jonathan Hill zurückgewiesen. Zwar müssten alle Banken in das System einzahlen, die Beiträge hingen aber von einem für jedes Institut erstellten Risikoprofil ab. "Sichere Banken zahlen weniger Beiträge, weniger sichere Banken zahlen höhere Beiträge." Darüber hinaus würden auch deutsche Banken profitieren, wenn das europäische Bankensystem insgesamt sicherer werde, so Hill laut Nachrichtenagentur AFP. (APA, 24.11.2015)

Share if you care.